07/07/2026
Dienstag, 30. Juni: Besuch einer Pilgergruppe aus Ungarn auf den Spuren evangelischer Prediger, die nach Neapel verschleppt und als Galeerensklaven verkauft wurden. Bei uns kaum bekannt, in Ungarn zentraler Bestandteil der reformierten und evangelischen Identität.
Vor rund 350 Jahren wurden vierzig ungarische protestantische Prediger von den Habsburgern aus dem Norden Ungarns verschleppt und in Pressburg/Bratislava verurteilt. In Ketten mussten sie zu Fuß über Wien nach Graz, weiter nach Laibach/Ljubljana und schließlich bis nach Triest marschieren.
Zeitzeugen berichteten von furchtbaren Szenen: abgehungerte Gestalten, ohne Schuhe, im Regen und Schlamm, wurden öffentlich zur Abschreckung durch Städte und Dörfer getrieben. Von Triest aus brachte man die Überlebenden per Schiff nach Neapel. Dort verkauften die österreichischen Behörden sie an die spanischen Habsburger als Galeerensklaven.
Diese Unmenschlichkeit löste selbst im katholisch geprägten Habsburgerreich Empörung aus. Niederländische Kaufleute sammelten Geld und kauften jene Prediger frei, die den Strapazen noch nicht erlegen waren. Eine sofortige Rückkehr nach Ungarn war ihnen jedoch nicht erlaubt. Einige von ihnen begannen ein Theologiestudium in den Niederlanden und in der reformierten Schweiz. Erst Jahrzehnte später kehrten einige der ehemaligen Galeerensklaven nach Ostungarn zurück. In Städten wie Debrecen prägten sie das kirchliche Leben nachhaltig. So entwickelte sich Debrecen durch ihren Einfluss zum sogenannten „kalvinistischen Rom des Ostens“.
Die Geschichte der Galeerensklaven ist in Ungarn bis heute Teil des öffentlichen Bewusstseins – ein zentraler Bestandteil der reformierten und evangelischen Identität sowie der ungarischen Literatur. In jüngster Zeit hat dieses Kapitel sogar in Neapel durch einen Gedenkstein einen sichtbaren Platz erhalten.
Eine ungarische Pilgergruppe machte sich auf die Spuren ihrer religiösen Vorfahren und bereiste die Stationen ihrer Gefangenschaft. Gemeinsam mit der evangelischen ungarischen Gemeinde feierten sie einen Gottesdienst in der Heilandskirche. Anschließend setzte die Gruppe ihre Reise über Laibach/Ljubljana nach Triest fort.
(Mit Dank an Andreas Molnár für Bilder und Text!)