27/06/2022
„Es ist mir eine Ehre, im Namen der Familie die bedeutsamen Inhalte des Testaments meines Onkels
Bernardino der Allgemeinheit zu eröffnen.“
Nichte von Fra Bernardino Greco, im Juni 2022.
T E S T A M E N T Convento La Romita di Cesi, am 31. März 2022
Im Namen Gottes, des Vaters allen Lebens,
des Sohnes, Erlöser und Freund der Menschen,
und des Heiligen Geistes, ausgegossen in Liebe in die Herzen der Gläubigen
beginne ich diese Zeilen zu schreiben, zur Ehre der Heiligsten Dreifal7gkeit
und zum Nutzen der Freunde der Romita.
Die Göttliche Vorsehung hat mich in geheimnisvoller Weisheit und überraschender Weitsicht vor 31
Jahren auf diesen Heiligen Berg geführt, um diesen Ort wieder aufzubauen und ihn im einstigen Glanz
erstrahlen zu lassen. Diesen Ort - eingebettet ins Dickicht des Waldes, in einer wilden und unberührten
Natur – hatte Franziskus von Assisi bereits im Jahr 1213 entdeckt, geliebt und bewohnt.
Zuerst entstand damals eine Einsiedelei für wenige Brüder und schließlich ein wunderbares Kloster mit bis
zu 25 Brüdern.
Mit der Einigung Italiens wurde gesetzlich verfügt, dass sämtliche Klöster und Abteien den Brüdern
entzogen werden sollten, und so wurde auch die Romita damals versteigert. Später, im Jahr 1867, wurde
sie von der edelmütigen Familie Eustachi erworben, die auch heute noch ihre rechtmäßige Besitzerin ist.
Als ich im Jahr 1991 - von einer geheimnisvollen Stimme gerufen – oben auf dem Berg ankam, fand ich
den Ort und die Gebäude in einem verlassenen und zerfallenen Zustand; es war ein Trümmerhaufen, der
von Ignoranz und Habgier zeugte, von Händen, die Gott geschändet hatten. An jenem Tag hörte ich die
Steine rufen, aus Schmerz und vor Freude.
Aus Schmerz darüber, dass sie auseinandergerissen worden waren und verstreut da lagen. Vor Freude
darüber, dass ein Bruder zurückgekehrt war, der in Assisi gelebt haAe, genau an dem Ort, an dem
Franziskus die Stimme gehört hatte: „Geh‘ und baue meine eingefallene Kirche wieder auf“.
Die Steine haben meine Anwesenheit bemerkt, und ich habe ihren Ruf gehört. Ich sah sogar -wie in einer
Vision- die Romita vor mir, so, wie sie 30 Jahre später aussehen würde.
Wie das möglich war? Ich weiß es nicht.
Das Leben lässt sich weder erklären noch biegen. Man muss es annehmen, mit Staunen und mit Liebe.
Man lebt es mit Einsatz und Leidenschaf. Man erzählt es in Demut und Dankbarkeit. Und ich bin froh und
dankbar für jene Entdeckung, für jenen Ruf und für jene Vision von damals.
In der immensen Mühe des Wiederauhaus, der bald darauf begann, ebnete sich der Weg aus zweierlei
Gründen:
Der erste: Ich kam mit einer 10-jährigen Erfahrungszeit im Bereich „Bauen und Organisieren“ (1979-1989).
Im Umland von Assisi – nur 10 Minuten von San Damiano enkernt - hatte ich einen verfallenen
Gebäudekomplex renoviert und darin ein Projekt franziskanischen Lebens aufgebaut. (Gebet, Arbeit mit
den Händen beim Wiederauhau, Bezug zur MuAer Erde, ein Leben in und mit der Natur.) Dies war eine
einmalige Erfahrung, mit Tausenden von Jugendlichen aus ganz Europa; eine Erfahrung, die mich geprägt
und ertüchtigt hat, und zwar sehr viel arbeitsintensiver als auf der Romita.
Der zweite Grund: Am selben Tag, als ich die Romita entdeckt hatte (28. Februar 1991), telefonierte ich mit
dem Besitzer der verfallenen Einsiedelei/ des Klosters, Piero Eustachi. Ich erzählte ihm von den Steinen,
die mich gebeten hatten, zurückzukommen, um sie wieder zusammenzufügen, sowie von der Vision der
wiederaufgebauten Ruine, und ohne, dass er mich kannte, antwortete er: „Padre, seit einer Ewigkeit
warten wir auf Sie!“
Das war die Bestätigung dafür, dass alles vorherbestimmt und im Plan der Göttlichen Vorsehung
geschrieben stand. Wir haben die Ärmel hochgekrempelt und angefangen, das alte Kloster vom Gestrüpp
zu befreien, das es umschlungen hielt wie ein natürlicher Schutz zur Verteidigung: Schlingpflanzen, Efeu
und Dornen.
Es war der Pfingsttag, an dem wir anfingen, der 19. Mai 1991, Fest des Heiligen Geistes:
Fest des Feuers, das erhellt, wärmt und reinigt; des Wassers, das wäscht, reinigt und erfrischt; des Windes,
der die Wolken wegfegt und den klaren Himmel bringt. Waren wir überspannt und wie besessen? Nein,
nur inspiriert vom Geist, der weht, … wie, wo und über wem er will. Der Geist hat uns Vertrauen
geschenkt, hat uns mutig gemacht, sogar wagemutig. Wir waren begeistert und zielstrebig. Vielen erschien
es eine nicht zu verwirklichende Utopie, und heute ist es eine für alle „realisierte Utopie“. Groß ist die
Kraf des Geistes.
Die Zeit drängt, meine Krankheit schreitet unerbittlich fort. Es ist nicht mehr die Zeit, um die einzelnen
Phasen des Wiederauhauprojekts und des Lebens auszuführen.
Und daher komme ich nach diesen Vorworten zum Grundlegenden.
Im Bewusstsein des Vollbesitzes meiner geistigen und willentlichen Fähigkeiten, meines Wollens und
meiner Absichten, drücke ich in diesen Zeilen meinen letzten Willen aus:
Die beiden Autos, die auf meinen Namen eingetragen sind und die auf der Romita in Gebrauch sind (der
Cinquecento und der Land Rover), überlasse ich Piero Eustachi zu seiner freien Verfügung.
Das Konto bei der Post und das Bankkonto werden von Piero Eustachi verwaltet.
Die Musikinstrumente und die Bücher stehen ebenfalls Piero Eustachi zur Verfügung.
Es ist mein Wunsch, dass die Romita – unter dem Schutz und der Organisation der Familie Eustachi - von
Menschen weitergeführt wird, die den Ort und die Idee lieben. Die Forkührung eines so faszinierenden
Projekts ist eher garantiert, wenn Menschen dies tun, die es kennen, die öfer dorthin kommen und die
sich jetzt schon darum kümmern, als wenn eine unbekannte und enkernte Institution irgendeine
„Schreibtisch-Entscheidung“ triv, ohne den Ort und seine Spiritualität zu kennen.
Die Romita gehört mir nicht, und ich habe nicht das Recht, über ihre Zukunf zu entscheiden.
Dies ist nur ein Wunsch, eine Hoffnung. Ich betrachte mich als Instrument in den Händen der Göttlichen
Vorsehung. Ich habe nichts Außergewöhnliches gemacht. Ich bin nur einem Ruf gefolgt, habe eine Mission
erfüllt, die mir anvertraut war. Es war mir eine Ehre und ein Privileg diesem Projekt zu Diensten zu sein. Ich
habe es zur Ehre Gottes und zum Nutzen der Brüder und Schwestern getan. Dafür bin ich im Überfluss
belohnt worden.
Ich äußere auch den Wunsch, dass die beiden Zimmer, die von mir noch bis in diese letzten Tage belegt
werden, mit allem, was darinnen ist, zur Verfügung für Katrin Bosse sein sollen, wann immer sie auf die
Romita kommt, um an ihrer Weiterführung mitzuwirken. Caterina – wie sie auf der Romita genannt wird –
ist der Romita ebenfalls von der Göttlichen Vorsehung geschickt worden, an der Schwelle zu meinem 80.
Geburtstag, um mich in den letzten Jahren auf der Romita zu unterstützen. Sie ist eine so schöne Seele,
eine Schwester und Zwillingsseele, …sie war eine große Hilfe.
Zum Schluss drücke ich den Wunsch aus, dass – nachdem meine Seele sich von meinem Leib getrennt
haben wird, um zu ihrem Schöpfer zurückzukehren – mein Körper verbrannt werden soll. Erinnerung und
Mahnung des AschermiAwochs: „Gedenke, Mensch, dass Du Staub bist und zu Staub zurückkehrst“.
Ich möchte keinen Platz mehr belegen auf dieser Erde.
Zurück zu Mutter Erde, von der wir kommen, das ist die natürlichste Sache.
Ich wünsche, dass meine Asche im Wald des Belvedere verstreut wird.
Nun lasse ich diese Welt, zufrieden und dankbar dafür, dass ich so lange gelebt habe, dass ich die Gabe
des Glaubens an Jesus Christus bekommen habe, dem Franziskanischen Ruf schon mit sechzehn Jahren
gefolgt bin und dass ich diesen Ruf bis heute bewahren konnte. Ich bin dankbar dafür, dass ich die Romita
entdeckt und wiederaufgebaut habe und mich 31 Jahre lang an ihr erfreuen durfe.
Ich lasse diese Welt im Frieden mit mir selbst, mit meinem Schöpfer und mit allen, die ich kennengelernt
habe.