08/12/2023
The actual newsletter of the Institute:
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"Den aller Welt Kreis nie beschloß,
Der liegt in Marien Schoß;
Er ist ein Kindlein worden klein,
Der alle Ding' erhält allein.
Kyrieleis"
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Advent. Gott kommt. Gott wird Mensch. Er kommt zu uns in einem kleinen Kind, das in völlig unbeachtlichen Verhältnissen in einem Stall zur Welt kommt. So hören wir es jedes Jahr in den Gottesdiensten und Andachten in der Advents- und Weihnachtszeit. Für lutherische Theologie ist das seit jeher ein Kernanliegen: Der große, unendliche, unfassbare Gott begibt sich so in die Niederungen der Geschöpflichkeit hinein, dass sie ihn fassen kann und durch ihn verändert wird – finitum capax infiniti. Das Kind im Stall ist der große Gott, das Heil der Welt liegt in Windeln gewickelt in einer Krippe, der Sohn Gottes, der ohne Sünde war, stirbt für unsere Sünden den schmachvollen Tod am Kreuz, wir genießen ihn selbst beim Heiligen Abendmahl, seinen Leib und sein Blut, in einem Stückchen Brot und einem Schluck Wein oder Traubensaft.
Gott kommt. Die klassische Theologie spricht vom vierfachen Advent Gottes: das Kommen Jesu ins Fleisch, das Kommen Gottes in die Herzen der Gläubigen in Wort und Sakrament, das Kommen Jesu zur Eröffnung der Endzeit und das Kommen Jesu zum Gericht am Jüngsten Tag.
Wir in Straßburg können uns das jeden Tag vor Augen führen, denn diese theologische Aussage liegt dem Bildprogram der Westfassade am Straßburger Münster zugrunde. Kathedralen zu bauen, Kunstwerke zu bauen, Statuen zu meißeln – all das war im Mittelalter nicht nur eine Form des Gotteslobes, sondern auch ein Bildungsanliegen: Wer nicht lesen konnte, sollte die Gelegenheit haben, in der Betrachtung der Kunstwerke die biblische Geschichte und die Lehre der Kirche zu erfassen.
Ich stelle mir vor, wie die mittelalterlichen Bürger und Bauern voll Staunen auf dem Münsterplatz standen, sich gegenseitig auf die einzelnen Stücke hinwiesen, sich vielleicht auch gegenseitig ihre Lieblingsstatuen vorstellten und vor allem erzählten. Auch die reformatorische Bewegung war wesentlich eine Bildungs- und Erzählgemeinschaft. Und die Baumeister haben dabei nicht vergessen, auch weltliche Personen wie die mittelalterlichen Könige in die Geschichte einzubeziehen … Gott regiert auch in der Weltgeschichte. Ich nehme mir manchmal die Zeit, eine Viertelstunde auf den Münsterplatz zu stehen und in allem Trubel einfach die Bilder und Kunstwerke auf mich wirken zu lassen. Ganz tief in mir zu spüren: Gott kommt, trotz allem, was mir, was uns, was aller Welt das Leben unerträglich macht – es gibt eine Wirklichkeit jenseits von all dem, eine Wirklichkeit, in der Gottes Wille regiert und nicht Zufälligkeiten und Machtstreben. Das ist die Botschaft des Straßburger Münsters, die Botschaft von Gottes Kommen und die Botschaft der Heiligen Schrift …
Aus dem Institut selbst ist zu berichten, dass mit der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes die vom Rat des LWB im Kuratorium zu besetzenden Stellen neu benannt wurden: Wir freuen uns auf die Leitung durch Frau Bischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt (Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland) als neue Vorsitzende, Präsident Dr. Yonas Dibisa (Ethiopian Evangelical Church Mekane Yesus) und Rev. Mesrawati Telambanua (The Protestant Christian Church, Indonesien). Gleichzeitig danken wir den ausscheidenden Mitgliedern Bischof em. Dr.h.c. Frank Otfried July (Vorsitzender), Pfarrerin Shu Chen (Selma) und Bischof em. Dr. Jensen Seyenkulo für ihre langjährige engagierte Mitarbeit im Kuratorium.
Auf der Seite des Personals im Haus konnten die vakanten Forschungsprofessuren in diesem Jahr nicht besetzt werden. Einstweilen führen Prof. em. Dr. Dieter, Dr. Frank Zeeb und Elke Leypold die Arbeit weiterhin fort. Dazu gehört neben den Besuchen von Gruppen und der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen auch die Sorge um den Bestand des Gebäudes. Nach der gelungenen Dachsanierung im letzten Jahr wurde durch Fachleute festgestellt, dass vor allem in den Bereichen Brandschutz und Versammlungsstättenregelungen etliche Nachrüstungen gesetzlich erforderlich sind. Auf lange Sicht wird auch über die Verbesserung der Klimafreundlichkeit nachzudenken sein. Inhaltlich möchten wir das 25-jährige Jubiläum der Gemeinsamen Erklärung im Jahr 2024 in den Vordergrund stellen, auch eine Weiterarbeit am Thema communio scheint sinnvoll. Zu beiden Themen soll es 2024 ein Symposium geben.
Das gesamte Team des Instituts wünscht Ihnen eine gesegnete Adventszeit, ein fröhliches Christfest und für das neue Jahr Gottes gutes Geleit auf Ihren Wegen.
Mit herzlichen Adventsgrüßen
Ihr
Frank Zeeb
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