07/06/2026
„Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen“: Missbrauch erwachsener Frauen und falsche Mystik
Aus Rom berichtet Sr. Katharina:
Der (geistliche) Missbrauch an erwachsenen Frauen innerhalb der Kirche gehört zu den am meisten verschwiegenen Realitäten. Schwester Maria Rosaura González Casas STJ erklärte beim internationalen theologischen Symposium der Ordensfrauen, dass Missbrauch an erwachsenen Frauen oft spirituell verschleiert oder als „mystische Erfahrung“ dargestellt werde.
Jedem Missbrauch – sei er sexueller, Gewissens- oder spiritueller Natur – liegt Machtmissbrauch zugrunde. Besonders zerstörerisch wird er, wenn er im Namen Gottes ausgeübt wird. Solche Formen des Missbrauchs entstehen oft in Kontexten mit Autoritätsungleichgewichten, blindem Vertrauen und mangelnder Aufsicht, etwa in der spirituellen Begleitung, im Beichtstuhl oder in Ausbildungsprogrammen.
Anhand konkreter Beispiele zeigte Schwester Maria Rosaura, wie sogenannter „falscher Mystizismus“ unmoralisches Verhalten legitimieren kann. „Jemanden davon zu überzeugen, dass eine unmoralische Handlung gut für sein oder ihr spirituelles Wachstum ist, ist eine der schwerwiegendsten Formen religiöser Manipulation.“
Der Missbrauch erwachsener Frauen, insbesondere von Ordensfrauen, sei weiterhin ein offenes Problem. Ermöglicht würden solche Taten auch durch patriarchale und klerikale Strukturen, in denen Autorität als Herrschaft statt als Dienst verstanden werde.
Für Schwester Maria Rosaura ist deshalb klar: Die Kirche braucht einen veränderten Umgang mit Autorität. „Wir müssen das Patriarchat überwinden und Macht synodal ausüben.“