Evang.-Luth. Kirchengemeinde Wilhermsdorf

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12/06/2026

Die vermutlich schwierigste Spielart der Liebe ist die Feindesliebe. Christen denken dabei schnell an die Bergpredigt. Und halten Feindesliebe für speziell christlich. Aber grundsätzlich ist Feindesliebe auch in anderen Religionen zu finden.

Im Buddhismus heißt es zum Beispiel: "Denn Feindschaft kommt durch Feindschaft zustande; durch Freundschaft kommt sie zur Ruhe; dies ist ein ewiges Gesetz." Das Judentum drückt es so aus: "Hungert Deinen Feind, so speise ihn mit Brot, dürstet ihn, so tränke ihn mit Wasser." Das Christentum hat die Feindesliebe zugespitzt und radikalisiert. "Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen."

Ich weiß noch, dass ich im Konfirmandenunterricht gedacht habe: Jetzt kommen wir zu den Geboten, die man sowieso nicht erfüllen kann und die nur für Jesus gelten. Später im Religionsunterricht wurde uns erzählt: Das ist was für Märtyrer oder Heilige, für Widerstandskämpfer, die ihr Leben für ihren Glauben geben. Gandhi, Martin Luther King, Bonhoeffer.

Und mir ist sofort klar gewesen: Das ist nichts für eine wie mich. Ich finde es ja schon schwer, durchschnittlich nette Menschen immer lieb zu haben. Aber Feinde lieben? Das ist nur etwas für Erleuchtete. In irgendeiner Form auf jeden Fall für Fortgeschrittene. Wozu ich mich nicht zähle. Ich habe daraufhin immer gut lutherisch mit etwas Ironie gesagt: "Die Feindesliebe ist dazu da, dass wir erkennen, wie unfähig wir sind und dass wir Gottes Gnade brauchen."

Einen spannenden Impuls zum Thema "Feinde" gibt Heinz Rudolf Kunze. In dem Song "Wozu Feinde" dreht er den Spieß um und sagt: Die schlimmste Feindschaft ist Selbstablehnung. "Wozu Feinde, wenn man sich selber hat, wozu Feinde, wenn man sich selber satthat." Feindschaft gegen sich selbst.

Dazu kommt: Auch Feinde im Außen können viel mit mir selbst zu tun haben. Das, was ich hasse, sagt etwas über mich und meine Geschichte. So kann ich auch die Bergpredigt mit ihrem hohen Anspruch neu hören. "Liebt eure Feinde". Psychologen sagen: Feinde sind Wegweiser für Schattenarbeit. Mit Schatten sind verdrängte Persönlichkeitsanteile gemeint.

Personen, die einem Freund von mir im alltäglichen Kontakt die meisten unangenehmen Gefühlen bereiten, nennt er Boten. Sie führen ihm schmerzlich vor Augen, was er noch besser verarbeiten müsste. Ich bin überzeugt: Wo immer Feindesliebe geschieht - innerlich und äußerlich, da ist es mehr als eigene Leistung. Sondern ein Geschenk. Da sind Liebe und Gott am Werk.

/ Pastorin Susanne Richter in "Die Morgenandacht" auf NDR Info und NDR Kultur

11/06/2026
03/06/2026

An Fronleichnam feiern Katholiken die leibliche Gegenwart Jesus Christus in der Eucharistie, dem katholischen Abendmahl. In feierlichen Prozessionen wird die Hostie – eine geweihte Oblate in einer kunstvoll gestalteten Monstranz durch die Straßen getragen.

Reformator Martin Luther kritisierte dies. Für ihn war das Abendmahl ein Geschehen des Glaubens – nicht ein Schauspiel mit liturgischen Schaustücken.

Auch in der evangelischen Kirche ist das Abendmahl ein zentrales Sakrament. Nach evangelischem Verständnis ist Christus beim Abendmahl „in, mit und unter Brot und Wein“ real präsent. Seine Gegenwart ist ein Ereignis und lässt sich eben nicht in Substanzen festhalten. Und deshalb feiern Evangelische morgen nicht Fronleichnam.

Mehr erfährst du hier: ekhn.link/RfkTeM

31/05/2026

Sie schwebt über den Dingen und wiegt doch schwer - mitten im Dom von Güstrow: eine Figur aus Bronze. Sie hält ihre Augen geschlossen. Ist still.
Nachdenklich. "Der Schwebende" wird die Figur genannt.

Der Schwebende wurde erschaffen von Ernst Barlach vor fast 100 Jahren, als Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. In einem Brief erklärte er damals: "Seine Augen sind geschlossen, nichts lenkt ihn ab von seinem Erinnern." Doch es kam anders.

"Am 23. August, da denken wir immer wieder daran, dass der Schwebende abgenommen wurde als entartete Kunst."

Erklärt Matthias Fischer von der Domgemeinde in Güstrow. 1937 war das, da hing der Schwebende gerade mal zehn Jahre im Dom. Von Nationalsozialisten wurde er diffamiert, entfernt, eingeschmolzen. Der Schwebende verschwand. Und mit ihm seine Botschaft der Erinnerung.

Zum Glück gab es einen Sicherungsguss des Werkstücks. Daher hängt nun ein Nachdruck vom Schwebenden im Dom.

"Helmut Schmidt und Erich Honecker haben sich unter dem Schwebenden getroffen. Insofern kann man sagen, der Schwebende hat auch einen Beitrag zur Vereinigung in Deutschland geleistet."

In jüngerer Zeit wurde der Schwebende noch einmal entfernt, aber aus gutem Grund:

"Für mich war auch sehr spannend, dass wir noch mal den Schwebenden abgenommen haben, weil Neil MacGregor, der damalige Leiter des British Museum, gesagt hat: 'Wir wollen ihn gern ausborgen.' Und er wollte damit einen Beitrag zur Völkerverständigung zwischen England und Deutschland leisten, weil er eine Ausstellung gestaltet hat, die die Entwicklung beider Nationen, und die unterschiedliche Entwicklung erläutern sollte, damit man Verständnis füreinander entwickelt."

Heute beginnt die Festwoche in Güstrow, anlässlich des 850-jährigen Jubiläum des Doms. Das ist eine gute Gelegenheit, sich selbst einmal unter den Schwebenden zu stellen. Die Augen zu schließen. Nachzudenken. Und sich zu fragen: An was möchte ich mich erinnern? Und was darf nie wieder geschehen?

/ Radiopastorin Sarah Oltmanns in "Moment mal" auf NDR 2

28/05/2026

Er ist der beliebteste Dichter evangelischer Kirchenlieder: Paul Gerhardt. Der am 27. Mai vor 350 Jahren gestorbene Pfarrer war selbst von Schicksalsschlägen getroffen. Dennoch vermittelte er in seinen Gedichten und Versen wie kaum ein anderer Glaubenszuversicht und Trost.
➡️ Mehr zu Paul Gerhardt: ekhn.link/W6xfKu

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