14/06/2026
𝗺𝗶𝘁 𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝗲𝗻
Es war ein wunderschöner Tag. Am Ende der Fahrt lobte die Busfahrerin die Organisatorin und Leiterin des Ausflugs nach Gailingen, Frau Heike Jäger, sowie uns Teilnehmende für das verlässliche Einhalten der vereinbarten Zeiten.
Die Gesellschaft für Christlich Jüdische Begegnung in Oberschwaben e.V. hatte zur Ausfahrt nach Gailingen am Samstag, 13.06.2026, eingeladen.
Auf dem durch das gemeinsame Mittagessen in Gailingen zeitlich geteilten Programm standen die Führungen durch das Jüdische Museum Gailingen[2] und durch den Ort. Bei Kaffee und Kuchen auf der Seeterrasse des Rebmannshofs nahe der Abtei Birnau war Zeit für ein Nachwirkenlassen der Eindrücke sowie weitere schöne Gespräche miteinander.
Die Geschichte Gailingens mit dem Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Glaubenszugehörigkeit scheint eine besondere zu sein.
Menschen jüdischen Glaubens hatten sich nach dem Dreißigjährigen Krieg um 1650 angesiedelt. Ende des 19. Jahrhunderts lebten in Gailingen miteinander rund 1'000 Menschen jüdischen Glaubens und fast ebenso viele christlichen Glaubens.
Im Gebäude des heutigen Jüdischen Museums, gegenüber der damaligen Synagoge, wurden Kinder beider Glaubensgemeinschaften gemeinsam unterrichtet – eine Simultanschule. Die Sitze im Gemeinderat waren gleichmäßig verteilt. In einem Schlachthaus am Ortsrand wurde Fleisch sowohl für christliche als auch für jüdische Menschen verarbeitet. Das jüdische Purimfest war teilweise mit der schwäbisch-alemannischen Fastnacht verschmolzen. In der Synagoge erinnerten vorne zwei Tafeln an die jüdischen Soldaten aus Gailingen, die im Ersten Weltkrieg im Dienst des Deutschen Kaiserreichs zu Tode gekommen waren.
In Gailingen gab es kein sogenanntes Judenviertel; man lebte miteinander bis zum Beginn der Zeit der grausamen und menschenverachtenden Herrschaft der Nationalsozialisten.
In dem der Pogromnacht im November 1938 folgenden Morgen wurde die Synagoge vor den Augen der zusammengetriebenen und gedemütigten jüdischen Menschen zerstört.
Eine Mehrzahl der vormals in Gailingen lebenden hatte bereits vor vielen Jahren die Gemeinde verlassen, und war in städtischere Gegenden gezogen: Landflucht.
Am Ende der interessanten Museumsführung durch die Museumsleiterin Frau Dr. Appel, die jeden Abschnitt mit literarischen Texten beschloss, steht man fassungslos, traurig und zornig vor den Zeugnissen und Schilderungen aus dem letzten Kapitel jüdischen Lebens in Gailingen in der Zeit der grausamen und menschenverachtenden Herrschaft der Nationalsozialisten und ihren Mitläufern 1933-1945.
Der zuletzt verlesene literarische Text aus dieser Zeit kann leicht als gegenwärtig geschrieben mit Bezugnahme auf die aktuelle Situation angenommen werden - uns zur Warnung und Ermahnung.
Vielen Dank Frau Heike Jäger für die Organisation und Leitung der Exkursion, Frau Dr. Appel für die interessante Museumsführung und Herrn Roman Döppele für die kenntnisreiche Ortsführung, dem Verein Gesellschaft für Christlich Jüdische Begegnung in Oberschwaben e.V. cjb für die Veranstaltung sowie der Busfahrerin für die sichere angenehme Fahrt.
[1]https://www.cjb-rv.de/Download/Halbjahresprogramm_2026_1b.pdf =2
[2]https://www.jm-gailingen.de/
https://www.alemannia-judaica.de/gailingen_synagoge.htm
{[email protected]}
ʙɪʟᴅᴇʀ: ꜰʀᴀɴᴋ ꜱᴇɴꜰᴛʟᴇʙᴇɴ