03/06/2026
Geduld gehört nicht zu den Eigenschaften, die heute besonders gefragt scheinen. Wir sind gewohnt, schnell Antworten zu bekommen, Pakete am nächsten Tag zu erhalten und Informationen jederzeit abrufen zu können. Umso schwerer fällt es, wenn sich etwas hinzieht: eine Krankheit etwa, die einfach nicht verschwindet, eine berufliche Entscheidung, die auf sich warten lässt, oder ein persönlicher Wunsch, der unerfüllt bleibt.
Der Psalmbeter kennt solche Erfahrungen. Sein Aufruf zur Geduld („Harre des Herrn“) ist kein billiger Trost und keine Aufforderung zum passiven Abwarten. Er spricht von einer Geduld, die aus Vertrauen wächst. Wer auf Gott „harrt“, also geduldig wartet, hält sich nicht an den eigenen Möglichkeiten fest, sondern vertraut darauf, dass Gott auch dann handelt, wenn wir seinen Weg noch nicht erkennen können.
Geduld bedeutet dabei nicht, die Hände in den Schoß zu legen. Sie ist vielmehr die Kraft, den nächsten Schritt zu gehen, obwohl das Ziel noch nicht sichtbar ist. Sie bewahrt davor, vorschnell aufzugeben oder aus Angst falsche Entscheidungen zu treffen. Geduld hält die Hoffnung lebendig.
Deshalb macht er Mut: „Sei getrost und unverzagt.“ Geduld braucht Mut. Denn Warten kann anstrengend sein. Es verlangt, Spannungen auszuhalten und offen zu bleiben für Gottes Zeit und Gottes Wege. In der deutschen Sprache haben wir ein schönes, wenn auch etwas altmodisches, anderes Wort für Geduld, nämlich Langmut. Darin steckt schon eine Weisheit: Geduld ist Mut mit langem Atem.
Vielleicht stehen auch wir gerade vor einer Situation, die unsere Geduld auf die Probe stellt. Dann kann uns dieser Psalmvers begleiten: Nicht alles muss sofort gelöst werden. Nicht jede Antwort kommt auf Knopfdruck. Manches darf wachsen, reifen und sich entfalten.
Gott schenkt uns die Kraft, in solchen Zeiten nicht mutlos zu werden. Er trägt uns durch das Warten hindurch – und oft erkennen wir erst im Rückblick, dass seine Geduld mit uns größer war als unsere Geduld mit den Umständen.