01/09/2026
Zum 1. September tritt im Bistum Passau eine lang vorbereitete Strukturreform in Kraft: Es entstehen sog. „Pastorale Räume“ (PR).
Auch unser Pfarrverband Waldkirchen wird Teil eines solchen Pastoralen Raumes. Dieser PR umfasst die Pfarrverbände Röhrnbach (mit Kumreut), Waldkirchen (mit Böhmzwiesel und Karlsbach), Jandelsbrunn (mit Wollaberg und Hintereben) und Neureichenau (mit Altreichenau). Mancher wird sich fragen: Warum braucht es diese Veränderung? Die Antwort liegt in zwei Entwicklungen. Zum einen wurden bereits vor einigen Jahren die Verwaltungszentren geschaffen, um Pfarrer und Kirchenpfleger von immer umfangreicheren Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Verwaltung soll der Seelsorge dienen – nicht umgekehrt. Zum anderen hat das Bistum einen pastoralen Erneuerungsprozess angestoßen. Unter dem Leitwort „Unser Bistum: Glaube lebt. Gemeinsam neu Kirche sein.“ wurde darüber nachgedacht, wie Kirche auch in Zukunft den Menschen nahe sein kann. Gleichzeitig müssen wir der Realität ins Auge sehen: Die Zahl der Priester sowie der pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen. Deshalb braucht es neue Formen der Zusammenarbeit. Ein PR ist deshalb weit mehr als eine neue Verwaltungsstruktur. Er möchte ermöglichen, dass Hauptamtliche und Ehrenamtliche ihre Begabungen stärker miteinander teilen und sich gegenseitig unterstützen. Es geht darum, Bewährtes vor Ort zu erhalten und zugleich die Chancen einer größeren Gemeinschaft zu nutzen.
Dabei gilt: Die Pfarrei bleibt der Ort, an dem Glaube gelebt wird. Hier feiern wir Gottesdienst, begleiten Menschen in allen Lebenslagen und erleben Gemeinschaft. Zugleich eröffnet der PR neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit über die Grenzen der einzelnen Pfarreien hinaus. Manche Angebote lassen sich gemeinsam leichter verwirklichen, Erfahrungen können geteilt und Kräfte gebündelt werden.
Mit dem 1. September beginnt deshalb kein fertiges System, sondern ein gemeinsamer Weg. Vieles wird sich erst entwickeln – durch die Menschen, die sich einbringen, durch neue Ideen und durch die Erfahrungen, die wir miteinander machen, durch den immer neuen Blick in die Heilige Schrift und den Sendungsauftrag Jesu und das Vertrauen auf die Gaben des Heiligen Geistes.
Für unseren Pfarrverband bringt der Start des PR markante personelle Veränderungen mit sich. Es endet eine lange Zeit, in der in Waldkirchen ein großes pastorales Team beheimatet war. Mit Jan Kolars verliert unser Pfarrverband den eigenen Kaplan. Auch Pastoralreferentin Alexa Weber und Gemeindereferent Franz Brunner werden künftig nicht mehr ausschließlich unserem Pfarrverband zugeordnet sein. Gemeinsam mit Gemeindereferentin Angelika Werbick, Pastoralreferent i. R. Franz Wiedemann und dem neuen Kaplan Mathias Eder bilden sie das Team des PR. Dieses Team ist künftig für alle zehn Pfarreien verantwortlich und wird projektbezogen in den Pfarrgemeinderäten und deren Ausschüssen mitarbeiten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass alles zentralisiert wird. Vieles bleibt bewusst vor Ort – etwa die Erstkommunionvorbereitung oder das vielfältige Leben in unseren Pfarreien. Andere Angebote werden künftig stärker am Zentrum des PR in Waldkirchen gebündelt oder gemeinsam für mehrere Pfarreien organisiert. Der Alpha-Glaubenskurs hat sich beispielsweise schon als gemeinsames Projekt bewährt. Auch die Mitverantwortung der Ehrenamtlichen erhält eine neue Struktur. An die Stelle des Dekanatsrates tritt der Rat des Pastoralen Raums (RPR). Er bringt Vertreterinnen und Vertreter aller Pfarreien zusammen und begleitet die Entwicklung unseres PR mit.
Wir stehen am Anfang eines Weges. Noch ist nicht alles bis ins Letzte festgelegt. Den Weg wollen und werden wir gehen – zusammen mit unserem Bistum, das „gemeinsam neu Kirche sein will“ und im Vertrauen darauf, dass Gott seine Kirche auch heute führt – so, wie er uns seit dem Pfingsttag durch die Zeit hindurch begleitet.
Michael Nirschl, Pfarrer und Leiter des PR