15/02/2025
Stellungnahme der Vineyard-Bewegung Deutschland, Österreich, Schweiz gegen den Rechtsextremismus
Wenn wir die politische und gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre in Deutschland, Österreich und der Schweiz betrachten, scheint etwas Grundlegendes ins Rutschen geraten zu sein: Die Debattenkultur droht zu verrohen, ganze Bevölkerungsgruppen werden unter Generalverdacht gestellt, die Grenze des Sagbaren verschiebt sich, die Verachtung für staat-liche Institutionen nimmt ebenso zu wie die Bereitschaft, deren Vertreter zu beleidigen, zu be-drohen oder gar tätlich anzugreifen. Das betrifft Deutschland ebenso wie Österreich und die Schweiz, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Und immer wieder erweisen sich rechts-extreme Gruppierungen und Parteien als ein Treiber dieser Dynamik.
Dazu können und wollen wir nicht schweigen. Wir machen uns eins mit den vielen Christen, Kirchen, Diensten, Werken, und christlichen Verbänden, die sich öffentlich gegen den Rechtsextremismus stellen. Damit blenden wir weder weitere Formen von politischem Extre-mismus aus, die wir ebenso ablehnen, noch andere gesellschaftliche Herausforderungen, zu denen aus christlicher Sicht manches Kritische zu sagen ist. Jedoch empfinden wir vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse eine besondere Dringlichkeit, die Stimme für unsere plu-ralistische Demokratie zu erheben – bei weitem nicht nur, aber auch, weil sie die Grundlage für die Ausübung unseres Glaubens in Freiheit bildet.
Die Lehre und das Vorbild von Jesus Christus verpflichten uns, destruktiven politischen An-sätzen zu widersprechen, die an Neid, Angst und Wut appellieren, statt konstruktiv um Lö-sungen zu ringen, oder die Menschen ausgrenzen, statt zu versuchen, sie zu integrieren, oder die unsere Demokratie destabilisieren wollen. Ein solches Denken ist mit unseren Wer-ten nicht vereinbar. Insbesondere wenden wir uns gegen…
• jede Form von Rassismus und Antisemitismus, weil wir zutiefst überzeugt sind, dass Gott jeden Menschen liebt.
• die massenhafte Abschiebung und „Remigration“ von Menschen, die als Fremde be-zeichnet werden, obwohl sie zum Teil schon viele Jahre und Jahrzehnte Teil unserer Gesellschaft sind.
• jede Entsolidarisierung mit Schwachen und Hilfsbedürftigen; seien es Menschen in un-seren Ländern, die einem unbarmherzigen Leistungsdenken nicht gerecht werden können, oder Schutzsuchende an den Außengrenzen unserer Länder bzw. der Euro-päischen Union.
Wir entscheiden uns, in dieser Gesellschaft nicht nur dem Glauben eine Stimme zu geben, sondern auch der Liebe und der Hoffnung: in unseren Gottesdiensten und in unseren Fami-lien, Nachbarschaften, Kollegien, Vereinen, und wo wir sonst noch hingestellt sind. Und wir fordern nachdrücklich dazu auf, sich von dieser Haltung auch bei der Stimme leiten zu lassen, die wir alle an der Wahlurne geben.
Gleichzeitig lehnen wir Menschen mit anderer Überzeugung nicht persönlich ab, sondern heißen sie in unseren Gemeinschaften willkommen, sofern sie mit uns gemeinsam unterwegs sein wollen. Auch hier ist uns Jesus Christus das verpflichtende Vorbild, der stets bereit war, den Andersdenkenden trotz eigener, konsequent gelebter Überzeugungen zu umarmen.