29/05/2026
Die Würde einer Mutter
Die Würde des Menschen ist unantastbar.
„Bettina, ich weiß nicht mehr, was ich machen soll…alles was ich mache ist falsch. Ich weiß gar nicht mehr wer ich eigentlich bin und was mir guttut. Ich funktioniere nur noch für andere.“
Erika, ich nenne sie heute so, kam zu mir und wollte ihre Thematik aufstellen.
Sie hatte ein schweres Leben. Zwischen grenzüberschreitenden Situationen und einer Familie, die statt Wurzeln eher dysfunktionale Erfahrungen bot, wuchs sie auf.
Genau das zog sich durch ihre eigene Partnerschaft und spätere Familie.
Nie hatte sie gelernt nein zu sagen, nie hatte sie Familienstruktur und Sicherheit erlebt.
Der emotionale „Muskel“ der Mutter und Vaterenergie war niemals vorhanden. Stattdessen erlebte sie Alkoholismus, Missbrauch und Kälte.
Und so schlitterte sie von einer Abhängigkeit in die Nächste. Ihre Kinder traten in die gleichen Fußstapfen und wurden Opfer von Grenzüberschreitungen…
Erika, war unfähig zu handeln.
In der Aufstellung zeigte sich nun das Bild, wie sie ehrfürchtig vor ihrer Tochter, auf Knieen bettelnd, um Gnade bat.
Erika war – aus energetischer Sicht- in dieser Demut gefangen. Sie richtete ihr Leben auf der Gnade der Tochter aus. Ohne dabei „aufstehen“ zu können. Denn die Hin Bewegung Mutter-Tochter war durchbrochen.
Die Tochter – verletzt – und abweisend. Verständlicherweise…
Doch
Die Erniedrigung war absolut spürbar.
Erika war gefangen in ihrer eigenen Unzulänglichkeit. Gefangen in dem alten System, aus dem sie sich, im Laufe der Zeit, selbst halbwegs stabil wieder herausgekämpft hatte. Aber die Energie wirkte immer noch.
Die Mutterrolle, die ihr schwerfiel, weil sie das Gefühl hatte, versagt zu haben war hier nicht sichtbar.
Erika wirkte wie eine Gefangene, die um die Gunst der Zugehörigkeit flehte.
Doch auch sie war Opfer ihrer Wurzeln, wie konnte sie wissen, was richtig ist – wenn ihr all das nicht gegeben wurde.
Beruflich hatte sie sich gut entwickelt. Sie war eine liebende Oma. Nun lebte sie in einer „heileren“ Partnerschaft, die aber auch mittlerweile von Aufopferung geprägt war.
Innerlich bestätigte sich wieder der innere Mangel – ich muss mich und mein Leben opfern. Ich bin es nicht wert.
Für Erika war es nun heute wichtig in ihre Mutter -Kraft zu kommen. Ich stellte ihr mit einer stellvertretenden Person das „Leben“ zur Seite, die Würde und die Position der Mutter.
Die „Ablehnungsenergie“, die in eine frühere Ahnenreihe gehörte, wurde gesehen und zurückgegeben.
Erika stand auf& nahm ihren Platz ein.
Jetzt darf sich nach und nach die richtige Ordnung einfügen. Es wird dauern und es wir nicht leicht. Aber hier begann ein neuer Start.
Mütter machen nicht immer alles richtig. Denn auch wir handeln in Momenten nur so, wie wir es in diesem Moment für richtig halten. Wir handeln aus unseren Prägungen heraus. Und auch – wenn wir Fehler machen, dürfen wir unsere Position der Mutter immer wieder einnehmen. Denn das ist es, was wir sind. Die Großen. Ganz egal, was im Leben passiert ist.
Die energetische Ordnung sorgt für Haltung, für ein Durchatmen können. Wenn wir - ganz egal, was wir jemals getan oder auch nicht getan haben – für uns einstehen und auch für unsere Handlungen einstehen, geben wir unseren Kindern die Möglichkeit es anders zu machen. Doch niemals erniedrige Dich selbst vor Deiner Familie.
Die Würde des Menschen ist unantastbar.