09/05/2026
Liebe braucht in der Regel ein Gegenüber: jemanden, der liebt, und jemanden, der geliebt wird. Warum wir lieben, lässt sich oft nur schwer in Worte fassen. Und doch wird Liebe sichtbar: im Verhalten, in der Treue, in der Art, wie jemand lebt und handelt.
Auch in der Sonntagslesung dieser Woche spielt die Liebe eine zentrale Rolle. Die Jünger erfahren zuvor, dass Jesus nicht mehr lange bei ihnen sein wird und sind dementsprechend erschüttert (vgl. Joh 14,1–14). Doch Jesus deutet seine bevorstehende Abwesenheit nicht als Verlassenheit, im Gegenteil: Er spricht von einer bleibenden Beziehung zwischen ihm, den Jüngern und dem Vater, die von Liebe und Treue getragen ist.
In Joh 14,21 erfahren wir, dass sich die Liebe der Jünger zu Jesus darin zeigt, dass sie seine Gebote halten. Damit wird ein Motiv aufgegriffen, das bereits im Alten Testament präsent ist. Schon im Buch Deuteronomium wird die Liebe des Volkes Israels zu Gott mit dem Halten seiner Gebote verbunden (vgl. Dtn 6,1–9). Liebe bleibt also nicht nur ein Gefühl, sondern sie findet Ausdruck im konkreten Leben.
Das Halten der Gebote ist folglich Ausdruck einer lebendigen Beziehung zu Jesus. Wer ihn liebt, richtet sein Leben an ihm aus. Und wer mit Jesus verbunden bleibt, darf sich zugleich der Liebe Jesu und des Vaters gewiss sein.
Auch wir dürfen heute darauf vertrauen, dass die Liebe Jesu gegenwärtig ist. Sie wird dort erfahrbar, wo Menschen sich an seinem Wort orientieren und es im eigenen Handeln sichtbar werden lassen.