27/03/2020
Glaube in Zeiten von Corona
Am Glauben dranzubleiben, wenn alles drunter und drüber geht, das ist ja immer so eine Sache.
Wenn ich gut drauf bin und mein Leben sich gerade ohne viel Zutun gut anfühlt, ist es ein Leichtes,
mal wieder in der Bibel zu lesen und Gott im Gebet zu danken.
Aber wie ist das, wenn die Welt sich plötzlich nicht mehr dreht? Naja, ganz so ist es ja nicht, aber der
allgemeine Stillstand des öffentlichen wie privaten Lebens sorgt für diesen Gedanken und dieses
Gefühl.
Ich arbeite in einem Kindergarten, verbringe meine Freizeit im Gemeindehaus, auf Partys und im Park
mit Freunden, ich bin gerne in der Bibliothek und wollte dieses Jahr ins Ausland und auf diverse
Festivals fahren. Und dann wurde der Pauseknopf gedrückt.
Nach anfänglicher Wut und Enttäuschung, vor allem auch Gott gegenüber, überkam mich der
Gedanke: Was, wenn diese Pandemie eine Chance mit sich bringt?
Ich bin sehr froh, kein Teil der Risikogruppe zu sein und doch bin ich, wie ein jeder es ist, von
gefährdeten Menschen umgeben und Rücksichtnahme und Solidarität sind wichtiger denn je.
Trotz und mit Abstand als Gesellschaft zusammenzuwachsen – das ist das eine. Und das ist schwierig
genug.
Und Gott? Mein Glaube?
Die Versuchung ist groß, aufzugeben. Wenn so etwas Schreckliches über unsere Welt kommt, wofür
lohnt es sich denn dann noch, an einen Schöpfer zu glauben?
„Gott, wie kannst du nur?“
Gedanken wie dieser sind okay und haben ihre Berechtigung.
Wenn kein Gottesdienst stattfindet, kein Trainee, keine Jungschar, keine Praystation, wo soll ich ihm
dann noch begegnen? Ist er dann überhaupt noch da?
Kann man ihm denn überhaupt noch begegnen und mit ihm streiten und ihm seine Sorgen um die
aktuelle Situation bringen?
Man kann, man darf und man soll. Denn Gott ist besonders in Zeiten wie diesen überall. Letzten
Sonntag habe ich einen Insta – GoDi mitverfolgt, einen Gottesdienst, der über die für ganz andere
Dinge gedachte Plattform Instagram gestreamt wurde. In diesem Stream waren hunderte andere,
alle daheim auf dem Sofa sitzend und alle mit der Sehnsucht nach Gottes Nähe in Corona – Zeiten.
Wann warst du eigentlich das letzte Mal mit Gott spazieren? Hast ihm für die Frühlingssonne
gedankt und dein Herz bei ihm ausgeschüttet. Bei mir war es heute Morgen.
Wir haben nun mehr Zeit denn je, zumindest viele von uns. Klar, Netflix und Ausschlafen sind wichtig
und richtig. Trotzdem können wir diese Zeit nutzen, um Gott wieder näher zu kommen und uns von
ihm trösten zu lassen.
Denn es tut gut, in all der Einsamkeit an ihm dranzubleiben und sich (beg)leiten zu lassen von
demjenigen, der all unsere Wege, Ziele und Sorgen kennt.
Von Pia Fremdt