23/07/2026
Sensationsfund! Das Ulfilas-Blatt lag bis 1972 unentdeckt in der Afra-Kapelle.
Gestern hatten wir Besuch von einem italienischen Wissenschaftler, der für einen Vortrag über außergewöhnliche Zeugnisse der Buchkultur aus dem frühen Mittelalter das bei aus aufbewahrte, sogenannte „Ulfilas-Blatt“ untersucht hat. Dieses ca. 1500 Jahre alte Pergament wurde 1970 bei Renovierungsarbeiten in der Afrakapelle des Dom zu Speyer gefunden und konnte später eindeutig als die letzte Seite einer heute in Schweden aufbewahrten mittelalterlichen Handschrift identifiziert werden. Ihr Name "Codex Argenteus" (lat. für „Silbernes Buch“) bezieht sich darauf, dass der Text mit Silbertinte auf purpurfarben eingefärbtes Pergament geschrieben wurde – man spricht daher auch von einer „Purpurhandschrift“. Spannend ist der Text, der zum UNESCO-Weltdokumentenerbe gehört, aber vor allem auch deshalb, da die enthaltenen Evangelien auf Gotisch, einer germanischen Sprache, die von einem ostgermanischen Volk gesprochen wurde, verfasst sind. Auf Gotisch sind nur sehr, sehr wenige Zeugnisse erhalten und der „Codex Argenteus“ ist das älteste und umfangreichste Dokument, das auf einer Bibelübersetzung des gotischen Bischofs Ulfilas basiert. Daher wird das von uns aufbewahrte Pergament auch „Ulfilas-Blatt“ genannt. Maurizio Aceto von der italienischen Università del Piemonte Orientale, den Ihr hier mit unserer Kollegin Sigrun Thiel seht, hat das Original gestern bei uns umfassend begutachtet und mit Techniken untersucht, die Rückschlüsse auf die genauen Farbstoffe zulassen, mit denen das Pergament eingefärbt wurde. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse wird er auch uns übermitteln, aber vor allem im November auf einer Tagung in Turin präsentieren.
Wenn Ihr Euch das Ulfilas-Blatt mal anschauen möchtet findet Ihr eine Abbildung sowie weitere Erläuterungen unter https://rlp.museum-digital.de/object/71489.