06/05/2019
Die Johanneskirche in Gemünda wurde zwischen Ostern 2018 und Ostern 2019 vornehmlich innen renoviert.
Dabei war es dem Kirchenvorstand ein Anliegen, den gothischen Chorraum ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken.
Dazu entwickelte der Künstler Wolfgang Stefan auf der Grundlage des Schriftwortes aus Johannes 8,12 Christus spricht: "Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben" ein überzeugendes Gestaltungskonzept.
Der Künstler verband auf Wunsch der Kirchengemeinde alte Elemente mit neune Akzenten. Glas, Messing, Licht und Farbwahl ergeben so einen Kirchenraum, der modern und bewahrend gleichzeitig wirkt.
Wer die Kirche betritt nimmt zunächst die helle, sonnig-gelbe Farbwahl für die Raumschale wahr. Diese freundliche Farbfassung löste ein eher schwermütiges Beige ab.
Danach wird der Blick unwillkürlich nach oben gezogen, wo ein Lichtband den gesammten Kirchenraum vom Hauptportal bis in den Chorraum durchzieht. Mit dieser Lichtachse gelingt es, Chorraum und Kirchenschiff, die aus unterschiedlichen Bauepochen stammen, miteinander zu verbinden.
Wer die Johanneskirche durch das Hauptportal betritt, wird so gewissermaßen von Christus, dem Licht der Welt, an die Hand genommen und in den Chorraum geleitet.
Dort endet das Lichtband über dem Taufstein. Dieser steht im Zentrum der Apsis. Deren Fensterbilder aus dem Jahre 1954 zeichen die biblische Überlieferung von der Schöpfung über den Bundesschluss, Weihnachten, Passion und Ostern bis zur Wiederkunft Christi im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, nach.
Die Taufe und die Getauften stehen dadurch am Taufstein im Zentrum der biblischen Überlieferung.
Verlässt die Gemeinde das Gotteshaus durch das Hauptportal, wird sie durch das Licht der Welt in Christus in den Alltag hinaus begleitet.
Ambo, Altar und Taufstein sind mit einer ca. 12 cm starken Glasplatte versehen. Bei genauerem Hinschauen wirkt das Glas durch Blaseneinschlüsse wie sprudelndes Wasser. Diese doppelte Symbolik erinnert die Gemeinde an das Licht Christi ebenso wie die lebenswichtige Bedeutung von Wort und Sakrament.
Das beinahe unauffällige Glaskreuz schließlich, das seinen Standort unter den Christusfenstern gefunden hat, dient der Gemeinde gleichzeitig als Vortragekreuz. So geleitet Christus als das Licht die Gemeinde etwa auch beim Gang zum Friedhof.
Fotos: Tino Metten, Lichtwerk