Die Münchner waren durch diese Unheil kleinmütig und hoffnungslos geworden. Da taten sich die Schäffler zusammen und beschlossen die Münchner aus ihren Häusern zu locken. Aus ihrer Zunftherberge zogen sie durch die Stadt, einen Wagen mit einem Fässlein mit sich führend, Pfeiffer und Trommler voraus, grün umwundene mit bunten Bändern geschmückte Reifen tragend. Nach dem Klang der Musik führten sie
einen Tanz auf, wobei sie aus den grünen Reifen kunstreiche Gänge und Lauben schlugen um unter denselben durchzuschlüpfen. Während sie mit den Reifen einen Kreis um das Fass bildeten, stellte sich einer aus ihnen auf das Fass, hing einen geschlossenen Fassreifen an den Finger, stellte ein Glas Wein in denselben und schwang ihn ohne einen Tropfen zu verschütten, über den Kopf und unter den Beinen durch. Die übermütigen Gesellen trieben sich als Spassmacher umher, um durch ihre Spässe die Zuschauer zu erheitern. Es gelang den Schäfflern auch, die Leute aus den lang verschlossenen Häusern durch ihre Vorführungen herauszulocken und wieder lebenslustig zu machen. Seit jener Zeit schlief der Brauch des Schäfflertanzes nicht mehr ein. In München wird der Tanz durch die Schäfflerinnung alle sieben Jahre aufgeführt. In den letzten Jahren hatte diese Schwierigkeiten mit der Zusammenstellung der Tänzer, da das Schäffler- und Küfferhandwerk unter grossem Nachwuchsmangel leidet. Nur mit Mühe konnten die Tänzer schliesslich mit Hilfe der Münchner Grossbrauereien gefunden werden. In den 80er Jahren übernahmen hauptsächlich die Turnvereine in Altbayern den historischen Tanz und trugen so den Brauch in die Provinzorte. In Rottenburg kam es 1906 zur ersten Aufführung des Schäfflertanzes. Die Chronik des Turnvereins gibt über die Entstehung des Tanzes in Rottenburg genauen Aufschluss. Es bleibt für immer das Hauptverdienst des seinerzeitigen Turnwarts und späteren Oberturnwarts Karl Zimmermann (gestorben am 14.9.1942 in Schwandorf), dem Tanz auch in Rottenburg Eingang verschafft zu haben. Damals noch primitiv gestaltet, waren doch die notwendigen Kostüme und Geräte beschafft worden, die später immer wieder verwendet werden konnten. Der seinerzeitige Vereinsvorstand war Hauptlehrer Martin Heigl. Schriftwart August Fischer schreibt, dass am Faschingsdienstag 1906 zum ersten mal die Schäffler durch Rottenburgs Strassen tanzten. Vor dem Bezirks-amtsgebäude erlebte der Rottenburger Schäfflertanz seine Uraufführung. Das erste Hoch des Reifenschwingers, Karl Zimmermann, galt dem seinerzeitigen Frh. Alexander von Moreau. 18 weitere Tänze hatten die Rottenburger Geschäftsleute und Beamten für diesen Tag finanziert. Bei dem abendlichen Tanzkränzchen konnten reiche Spenden an Bier, Wein und Zi******en verteilt werden. Über den damaligen Kaufwert der Mark geben nachstehende Zahlen interessanten Aufschluss. Die Gesamteinnahmen betrugen 299,25 DM. In den Ausgaben sich die Kosten für sämtliche Kostüme und Gerätschaften inbegriffen. Winterliche Sonne hatte dem ersten Rottenburger Schäfflertanz zu einem grossen Erfolg verholfen, ein gutes Omen für die späteren Aufführungen. Im Jahre 1912 folgte der zweite Rottenburger Schäfflertanz. Wieder unter der Leitung von Oberturnwart, Karl Zimmermann. 20 Aufführungen erfreuten damals die Zuschauer. Krieg und Nachkriegsjahre erlaubten zunächst keine weiteren Aufführungen. Erst 1927 gingen jüngere Kräfte unter Führung des damaligen 2. Vorstandes Hans Gösswald wieder ans Werk, um die Tradition hoch zu halten. Die Ausgestaltung erhielt durch die Hinzunahme eines Zunftwagens eine neue Bereicherung. Bei prächtigem Wetter wurde den 30 gezeigten Tänzen herzlicher Beifall gezollt. Der vierte Schäfflertanz stieg am 10. Februar 1935 - es war ein Tag mit 30 Grad Kälte -. Es ging wieder mit dem lustigen „Aber heit es kalt“ auf die Strassen des Marktes. Bis zum Einbruch der Dunkelheit hatten die Turner nicht weniger als 33 Tänze absolviert und damit eine Tagesrekordleistung vollbracht. Wieder hatte ein Krieg eine unfreiwillige Pause verursacht. Im Jahre 1950 kam es unter Hans Gösswald zum fünften Schäfflertanz. Diesesmal hatte man sich besonders viel vorgenommen. Gleich drei Sonntage war man auf den lockeren Tanzbeinen. Die Zahl der Tänzer war bedeutend erhöht worden. Insgesamt 81 mal war man zum Tanze angetreten. Nicht nur in Rottenburg, sondern auch in den Pfeffenhausen, Langquaid und Rohr und den umliegenden Dörfern tanzten unsere Schäffler, umjubelt von der Bevölkerung. Am 25. Februar 1966 jährt sich zum 100. Mal der Tag der Gründung des alten Turnvereins Rottenburg. Die Aktiven des heutigen Turn- und Sportvereins hätten sich keine schönere Einleitung zu den Veranstaltungen des Jubeljahres wählen können als die Aufführung des historischen Schäfflertanzes. Pünktlich um 11.30 Uhr traten die Schäffler aus dem Vereinslokal Eigenstetter an, um vor diesem ihren ersten Tanz zu zeigen. Eine grosse erwartungsvolle Menschenmenge hatte sich bereits eingefunden. Unter den Klängen der Musikkapelle Weissenberger, Rohr, und den Scherzen der lustigen Clowngruppe und einem vom feschen Münchner Kindl (Hannelore Grimm) vorgetragenen Begrüssungsprolog war der Auftakt gegeben worden. Insgesamt 65 Tänze wurden im Jahr 1966 aufgeführt. Hoch her ging es in der „Arena des Faschings“, dem Saal der Brauerei Eigenstetter, als sich viele Besucher zum Auftritt des Schäfflertanzes 1973 eingefunden hatten.
1. Vorsitzender Eichinger bedankte sich besonders für die Einstudierung des Tanzes in früheren Jahren Herrn Gösswald sen. und für dieses Jahr Herrn Gösswald jun. mit Gattin. Ebenso bedankte er sich bei Frau Leonhardt, Herbert Huber, Lothar Leonhardt, Rudi Oberndorfer sowie bei Erwin Waldinger für die besondere Unterstützung zur Vorbereitung des Schäfflertanzes. Das Münchner Kindl wurde in diesem Jahr von Rita Landendinger dargestellt. Aus der Vereinschronik ist zu entnehmen, dass der Schäfflertanz 1973 insgesamt 75 Mal aufgeführt wurde. "Aber heit is koalt", so heisst nicht nur die Melodie, nach der die Schäffler ihren Tanz vorführen, nein es war tatsächlich so kalt, als sich die Mirwirkenden zu einem Erinnerungsphoto 1980 aufstellten. Unter der Regie des bewährten Zunftmeisters Hans Gösswald wurde der Tanz 96 Mal aufgeführt. Ein absoluter Rekord in der Geschichte des Rottenburger Schäfflertanzes. Reifenschwinger war Herbert Huber, Vortänzer Rudi Metschnabl und das Münchner Kindl wurde von Pia Kindsmüller dargestellt. Oberclown's waren Fred Hoffmann, Georg Gürtner und Hans Schön. Der TSV Vorsitzende Josef Kringer begrüsste die Schäffler 1987 anlässlich des TSV-Balles recht herzlich. Angeführt von der Rottenburger Stadtkapelle unter Leitung von Rupert Besl, zogen die Schäffler mit Zunftmeister Hans Gösswald und dem „Münchner Kindl“, Angelika Helmrich, in den Saal ein und wurden hier mit viel Applaus empfangen. An den vier darauffolgenden Wochenenden erfreute die Rottenburger Schäfflerzunft mit 112 Auftritten die Bevölkerung von Rottenburg und Umgebung. Kein anderer Name ist mit der Geschichte des Rottenburger Schäfflertanzes so verbunden wie der von Hans Gösswald. Seit 1935, als 52 Jahre, hat Hans Gösswald in den verschiedensten Funktionen vom Clown, Vortänzer, Reifenschwinger und Zunftmeister Schäfflergeschichte geschrieben. Lieber Hans, im Namen aller Schäffler sage ich Dir ein herzliches Vergelt’s Gott. Im Jahr 1994 übernahm Herbert Helmrich das Amt des Zunftmeisters. Unter seiner Regie wurden 125 Tänze aufgeführt. Als Münchner Kindl fungierte Christina Hansen, die Tochter unserer Präsidentin. Mit vier Wochenenden und sieben Aufführungstagen bei Sonnenschein, Regen, Nebel, Schnee und empfindliche Minusgrade hat der Rottenburger Schäfflertanz sein absolutes Rekordhoch erreicht. Vor dem Vereinslokal Eigenstetter ertönte zum letzten Mal „Aber heit is koalt“ unter Mitwirkung der Stadtkapelle Rottenburg. Obwohl die Schäffler doch glücklich waren, das Riesenpensum geschafft zu haben, klang beim letzten Auftritt doch etwas Wehmut auf, und bei einer Abschlussfeier wurde schon über den nächsten Auftritt gesprochen. Aussertourlich wurde wegen des 100-jährigen Jubiläums der Rottenburger Schäffler im Jahre 2006 beschlossen vom 7-Jahres Rhythmus auf einen 6-Jahres Rhythmus zu wechseln. Was sich natürlich auch anbot, da man so auch im Jahre des Milleniumswechsels den Schäfflertanz in Rottenburg aufführen konnte. Zunftmeister Herbert Helmrich führte die Rottenburger Schäffler zu insgesamt 151 Tänzen, was wieder einmal eine Steigerung gegenüber des letzten Schäfflertanzes bedeutete. Erstmals wurde auf Grund der zahlreichen Tänze auf zwei Münchner Kindl zurück gegriffen. Mit Eva Zachmeier und Kathrin Müller konnten zwei hübsche Mädchen gewonnen werden, die diese Aufgabe mit Bravour erledigten. Lieder hieß es am Ende des Schäfflertanzes 2000 Abschied nehmen. Zunftmeister Herbert Helmrich, der die Schäffler bereits 1994 anführte, erklärte ebenso seinen Rücktritt wie Reifenschwinger Manfred Clemens, der seit 1966 (mit Ausnahme von 1980) bei den Schäfflern aktiv war. Ebenso gab Oberclown "Fred Hoffmann seinen Titel an "Koal" Bichlmeier weiter. Der "Fred" war seit 1966 als Aktiver dabei. Sicherlich lag es nicht an seinen Qualitäten als Tänzer, dass er, nachdem er 1966 noch als Tänzer aktiv war, ab 1973 zu den Clowns wechselte. Vielmehr machte er sich durch seine schlagfertigen Sprüche für die Clowns fast unentbehrlich. Ganz von der Bildfläche verschwindet der "Fred" natürlich nicht, denn das ein oder andere Heimspiel will er auch 2006 noch bestreiten. Der Auftakt zum Schäfflertanz 2006 war beim Schäfflerball am 14. Januar im ausverkauften Eigenstetter-Saal. Der neue Zunfmeister Klaus Stadler begrüßte die vielen Anwesenden und die Schäffler zeigten eine gelungene Aufführung. Die beiden Münchner Kindl, Corinna Metschnabl und Eva Ziegler entbieteten vom Faß droben ebenso ihren Gruß wie Reifenschwinger Helmut Gruber. Auf seine Art begrüßte der neue Clown Georg Fuchs die Anwesenden. Da unter den Ballbesuchern auch sein Dienstherr Bürgermeister Weinzierl weilte, überlegte er ob er überhaupt etwas sagen sollte, denn er wolle natürlich nicht wie sein Vorgänger "Fred" Hoffmann in der Kläranlage enden. Zu den musikalischen Klängen der Stadtkapelle Rottenburg und später von Christian Gößwald endete der Ball erst in den sehr späten Morgenstunden und nicht nur der ein oder andere Schäffler konnte seine Trinkfestigkeit hinsichtlich der anstrengenden Wochenenden testen.