29/08/2026
Wann habt ihr euch zuletzt hinter einen Menschen gestellt? Um ihr den Rücken zu stärken, um ihm den Vortritt zu lassen, oder um ihm zu folgen?
Im Evangelium dieses Sonntags weist Jesus Petrus mit ungewöhnlich scharfen Worten zurecht: „Tritt hinter mich, du Satan!“ Wenige Augenblicke zuvor hatte Petrus Jesus noch als den Christus bekannt. Doch als Jesus von seinem bevorstehenden Leiden spricht, widerspricht Petrus ihm. Diesen Weg soll Jesus nicht gehen. Petrus gibt vor, den Weg zu kennen.
Ein Blick in den griechischen Text lässt die Antwort Jesu in einem besonderen Licht erscheinen. Das hier verwendete Wort opísō = hinter, begegnet auch dort, wo Jesus Menschen in seine Nachfolge ruft: „Kommt hinter mir her!“ Jesus schickt Petrus also nicht fort.
Er weist ihn zurück an seinen Platz als Jünger: Hinter mich. Folge mir. Lass mich vorangehen.
Vielleicht liegt darin auch für uns eine der schwierigsten Übungen des Glaubens.
Wir haben Vorstellungen davon, wie unser Leben verlaufen soll. Wir machen Pläne und wünschen uns Sicherheit darüber, was als Nächstes kommt. Doch Nachfolge bedeutet manchmal, nicht selbst vorauszugehen, sondern Christus den Vortritt zu lassen. Nachfolge bedeutet manchmal, das liebgewonnene und gewohnte Umfeld, sein bisheriges Leben, zurückzulassen.
Für mich bekommt dieses Evangelium an diesem Sonntag eine ganz persönliche Bedeutung.
Mit diesem Wochenende endet meine Zeit als Pastoralassistent hier in Recklinghausen. Deshalb möchte ich mich auch hiermit schon bei Ihnen allen, bei euch, ganz herzlich für alles bedanken! Mein Weg führt mich nun weiter ins Priesterseminar nach Münster. Dort werde ich weiter Theologie studieren und meine Berufung zum priesterlichen Dienst prüfen. Auch dabei bleibt manches offen und liegt manches anders vor mir, als ich es vor einiger Zeit noch erwartet hätte.
Umso mehr möchte ich dieses Wort Jesu mitnehmen: „Hinter mich.“ Nicht: Herr, ich trete vor dich und kenne meinen Weg bereits. Sondern: Herr, zeige mir deinen Weg, und lass mich den Mut haben, dir zu folgen.
Diesen Mut wünsche ich uns allen für die Wege, die vor uns liegen.
Eine gesegnete Woche und Gottes Segen.
Sebastian Schmidt