29/06/2021
Ich möchte glauben
„Da fehlen einem Worte“. Dieser kurze Satz erschien in diesen Tagen immer wieder, darunter eine Trauerschleife, eine brennende Kerze. Es ist gut, in solchen Momenten die eigene Ohnmacht zu bekennen, die vollkommene Fassungslosigkeit angesichts des Unfassbaren. In einem Augenblick hat sich das Leben vollkommen verändert, in einem Moment scheint eine ganze Welt zerstört. Man ist versucht, sich vorzustellen, wie das war für Stefanie. An diesem Nachmittag, an dem ihre Gedanken wohl schon mit Bildern der Freude erfüllt waren. Sie malte sich aus, wie das sein würde, am nächsten Tag. Aufregend. Bestimmt fließen auch Tränen. Weil es berührend ist und einfach schön, wenn zwei sich das Ja-Wort geben. Die Hochzeit ihrer Freundin, Stefanie selbst als Trauzeugin dabei. Ein ganz besonderer Tag sollte es werden. Vielleicht träumte sie ein wenig. Vom Wunder der Liebe. Das Größte, was Menschen erfahren und einander schenken können. Man wünscht sich, dass diese Gedanken in ihr lebendig waren.
Vor jenen Sekunden entsetzlicher Angst, als ihr junges Leben ihr genommen wurde….so möchte ich einfach nicht glauben, dass die Dunkelheit, die am Ende nach Stefanie griff, stärker war als das Große und Lichte und Schöne in ihrem Leben. Der Mörder konnte den Körper tödlich verletzen, die Welt, die Stefanie war und immer bleiben wird, konnte er mit seinem Hass und seinem Vernichtungswillen nicht zerstören. All das, was sie gedacht und gelebt, gehofft und geliebt hat, alles, woran sie geglaubt hat, was sie empfing und was sie schenkte – denen, die mit ihr lebten. Es wird nicht vergehen, all das behält seinen Sinn, seinen Wert. Das Licht scheint in der Finsternis...
Postscriptum: Wie kann einer leben mit solch einer Tat? Unschuldige, völlig arglose Menschen gemordet oder schwer verletzt... Und wie können die noch ruhig schlafen, die anderen einreden, es gäbe einen Gott, dem eine solche Tat gefällt… es gäbe einen Krieg, der heilig sei….?