20/03/2022
Sonntag Oculi - ein wichtiger Schritt auf dem Weg Richtung Ostern in St. Laurentius vor den Mauern
Die klassische Römische Liturgie kennt die sogenannten Stationskirchen. Dies sind alte Basiliken und Kirchen in der Stadt Rom. Jeder liturgische Gedenktag hat seine eigene Stationskirche, in der in der alten Kirche der Bischof von Rom "Station machte" und die Liturgien des Tages, insbesondere die Messfeier, vollzog. Oftmals, besonders jedoch in der Fastenzeit, beziehen sich die liturgischen Texte und die Stationskirche bzw. dort begrabene oder verehrte Heilige aufeinander.
Dies wird auch besonders heute wieder deutlich, da am 3. Fastensonntag "Oculi" die Stationskirche St. Laurentius vor den Mauern, die Grabeskirche unseres Patrons, ist.
St. Laurentius vor den Mauern ist nicht die einzige Laurentiuskirche Roms, die in der Fastenzeit als Stationskirche fungiert. Doch der heutige Tag ist nicht nur einer der Tage, die im alten Rom in San Lorenzo begangen wurden, er hat auch einen historisch bedeutsamen und erwähnenswerten Hintergrund, den es zu beleuchten und reflektieren lohnt.
Wie sicher bekannt, war die Fastenzeit und ebenso auch das Osterfest anders als in den heutigen Tagen früher eine Zeit der Vorbereitung auf die (Erwachsenen-) Taufe. Noch heute gibt es vereinzelt die Praxis, erwachsenen Taufbewerbern durch die Fastenzeit hindurch durch Katechesen den Glauben der Kirche zu erklären und schließlich in der heiligsten Nacht der Christenheit, der Osternacht, beziehungsweise früher am Karsamstag in der Vigilfeier, diesen Taufbewerbern das Sakrament der Taufe mit dem Osterwasser zu spenden.
Der Vorbereitung dienten insgesamt sechs "Scrutinien", eine Art katechetische Unterweisung und Prüfung, eine Bekräftigung und Erforschung des Willens der Taufbewerber, sich in der Osternacht diesem lebensverändernden Moment der Taufe zu stellen.
Das erste Scrutinium, sozusagen die erste Bestärkung und Prüfung auf ihrem Weg hin zur Gotteskindschaft, erhielten die Taufbewerber Roms heute, am 3. Fastensonntag, und zwar in St. Laurentius vor den Mauern.
Einen Bezug sowohl zur Taufe als auch zum Patron unserer Bruderschaft findet man in einigen Texten des heutigen Tages.
So heißt es im Introitus "Oculi" "Meine Augen sind immer auf den Herrn gerichtet, denn er selbst wird meine Füße aus der Schlinge ziehen". Schaue man immer auf Gott, sei man sich seiner Hilfe bewusst, dann könne man zuversichtlich sein, dass dieser es ist, der einen von der Schlinge befreit. Diese Schlinge ist alles, was nicht von diesem Herrn, auf den man sein Augenmerk richtet, kommt. Und wie ein jeder sich in der Vorbereitung auf die Taufe vom Bösen lossagt, Satan - der im Tagesevangelium durch Christus ausgetrieben wird - und seinen Verlockungen widersagt und den Glauben an Gott bezeugt, so wird man durch die Taufgnade in Christus neu geboren.
Selbstverständlich muss man nach der Taufe den Blickkontakt zu Christus und Gott Vater halten. So heißt es: Oculi mei SEMPER ad Dominum, also: IMMER seien die Augen zum Herrn hin gerichtet. Hierbei kann und wird es immer wieder passieren, dass man in die Schlinge des Bösen läuft und sich in der Sünde verstrickt. Jedoch reicht die Kirche uns in den vielfältigen Sakramenten und Sakramentalien die Hand, um ebendieser Schlinge, die immer und immer wieder nach uns ausgeworfen wird, zu entkommen. Häufiges Beichten und der Empfang der Eucharistie können uns beispielsweise helfen, den Blickkontakt mit dem Herrn nicht zu verlieren.
Jener Blickkontakt auf den Herrn war es, der unseren Patron während seines Wirkens als Diakon auszeichnete und der es ihm ermöglichte, selbst auf dem Feuerrost unter Todesschmerz noch seinen Humor zu behalten. Denn er konnte sich gewiss sein, dass der Herr ihn der Schlinge des Bösen entreißen würde.
So konnte er gleichsam der heutigen Communio bekennen: Der Sperling findet ein Haus und die Taube ein Nest, in das sie ihre Jungen legt: Deine Altäre, Herr der Heerscharen, mein König und mein Gott! Selig, die in deinem Haus wohnen, von Ewigkeit zu Ewigkeit werden sie dich loben.
Luca Cipriani, Subpräfekt
Bild: Präfektenstab der Fraternitas Sancti Laurentii