03/08/2026
Am 9. August ist Israelsonntag und es ist wunderbar, dass es einen solchen Themen-Sonntag gibt! Einen Tag, an dem in den evangelischen Gottesdiensten über das Verhältnis zwischen Christen und Juden nachgedacht wird. Seit 2018 hat der Sonntag zwei Schwerpunkte:
Der eine Schwerpunkt ist das Gedenken an die Zerstörung Jerusalems. Früher hat man Jesu Klage über Jerusalem (Lk 19,41–48) als Vorausdeutung der Zerstörung Jerusalems angesehen und dass Israel bestraft worden sei, weil es Jesus nicht als Messias anerkannt habe. Heute, nach dem Holocaust, liest man einen solchen Text selbstkritisch und bezieht ihn auf die eigene christliche Blindheit.
Der zweite Schwerpunkt ist „Christen und Juden – Freude an Israel“.
In Zeiten, in denen der Antisemitismus wieder um sich greift, ist ein solcher Themensonntag von hoher Bedeutung. Viele Dinge im Christentum sind nur vom Judentum her zu verstehen: das Alte Testament (hebr.: Tenach) als gemeinsames Grundbuch, Gott, der Messias-Gedanke und die Zehn Gebote. Jesus war ein jüdischer Lehrer und diskutierte mit seinen Schülern und anderen jüdischen Lehrern.
Erst nach dem Holocaust entwickelte sich das Bewusstsein, dass Christen mit Juden verbunden sind und dass Israel das erwählte Volk Gottes ist und bleibt. Am Israelsonntag feiern Christen diese Beziehung. Paulus weist auf Gottes Erwählung Israels und seine Treue zu seinem Volk hin. Die Evangelienlesung berichtet von Jesu Gespräch mit einem Schriftgelehrten über das Doppelgebot der Liebe, bei dem sich beide ganz einig sind.
Auch die Psalmen, Lieder, Gebete und der aaronitische Segen sind ein großer gemeinsamer Schatz.
(Text: Oliver Gußmann)
Lebendige Begegnungen mit Juden und Jüdinnen sind eine schöne Frucht des Israelsonntags. Eine solche Gelegenheit bietet das christlich-jüdische Abendgebet anlässlich der Novemberpogrome 1938 am 8. November um 20 Uhr in der Synagoge Hainsfarth.