31/01/2023
Ein Rezept fürs kranke Herz von Pfarrer Rainer Maria Schießler:
Die Seligpreisungen der Bergpredigt sind nicht nur das Kernstück, das Herz dieser unsterblichen und weltweit respektierten Rede Jesu; sie sind selbst ein Rezept für kranke Menschenherzen. Seit 2000 Jahren gehen uns diese Worte im wahrsten Sinne des Wortes zu Herzen. Denn neben dem Organ, dem Herzmuskel, der den Blutkreislauf erhält, steht das Herz als einziges menschliches Organ auch für die Verfasstheit des ganzen Menschen. Etwas kann uns `ans Herz gehen´, aber auch unser ´Herz brechen`: „Ein fröhliches Herz macht das Gesicht heiter, Ku**er im Herzen bedrückt das Gemüt“ (Spr 15,13). Wer sich dem Menschen, der Welt und damit Gott öffnet, schenkt sich ein leichtes, heiteres, fröhliches Herz.
Um diese Öffnung zu Gott und der Welt geht’s es in der der Bergpredigt. Die Seligpreisungen Jesu wollen den Christen soz. zu einem wirklichen gesunden Leben führen, das bedeutet:
- klein sein und nicht den Großen spielen müssen; zu sich und seinen Fehlern stehen und Gott ganz einfach den Herrn des Lebens sein lassen;
- in der Trauer seine Verluste loslassen können; nur was wirklich geliebt wurde, ist ein echter Verlust. Was in Liebe verloren geht, wird auch in Liebe wiedergefunden;
- auf alle Mittel und Methoden der Gewalt verzichten, ein weiches, sanftmütiges Herz bewahren, das für Schwache schlägt und nicht unter Härte zerspringt;
- die größere Gerechtigkeit Jesu im Blick haben, die dem anderen nicht nur gibt, was ihm zusteht, sondern v.a. das, was er braucht;
- mit dem warmen Herzen der Barmherzigkeit unterwegs sein und achtsam mit allem umgehen, was lebt; durch seine Wärme, sich und alle, die ihm begegnen, liebenswert machen;
- sein Herz freihalten von schädlichen Stoffen, nicht eifersüchtig und neidisch sein, weder der Feindschaft noch Hass einen Raum bieten und
- im Frieden mit sich selbst sein und so um Frieden bemüht sein. Zufriedenheit wird anstecken und auch andere auf diesen Weg bringen.
Die Seligpreisungen haben nie etwas von ihrem Zauber und ihrer Wirkkraft verloren. Sie richten dort auf, wo man niedergedrückt war, und helfen uns, über Mauern und Zäune hinauszusehen, bevor man überhaupt den nächsten Schritt abschätzen kann. Man muss sich nicht für die Schuld anderer verantwortlich fühlen, obwohl man bereit ist, sie mitzutragen. Niemand muss auf seinem Thron sitzen bleiben, wenn die Zeit um ist. Wie der Täufer wird man sagen können: „Nach mir kommt einer, der größer ist als ich …“
Gott hat sich in der Welt die Einfältigen und Machtlosen ausgesucht, betont dazu die Lesung und mahnt uns, unsere Hoffnungen und Erwartungen nicht ständig auf die Großen, die Gescheiten, die Mächtigen und die Starken in der Welt zu setzen. Wenn wir Gott mehr gehorchen als den Menschen, dann verschwindet auch der Riesenaufwand an falschen Heilmitteln, auch von der Kirche und ihren eigenen Gesetzlichkeiten.
Diese neue, alte Art von Gehorsam macht sogar den Begriff „Autorität“ noch zu einem lustvollen Ereignis: Denn das Reich Gottes ist ja bereits angebrochen.