05/03/2024
"Ein ruhiges Meer macht keine erfahrenen Seeleute" Wenn die Angst reinkickt kann es jedoch passieren, dass die Gefahr übermächtig wird. Dann verengt sich dein Blick und es scheint keine andere Möglichkeit mehr zu geben als unterzugehen.
So auch als Jesus mit der Crew in einem Boot auf dem See Genezareth unterwegs war. Er schlief unterwegs ein und es kam ein Sturm auf: Der Wind peitschte immer mehr Wasser über die Bordwand in das Boot. Angsterfüllt weckt die Crew Jesus auf: "Meister Meister, wir gehen unter!" Jesus richtete sich auf und wies den Sturm in seine Schranken. Da kam alles zur Ruhe. Jesus fragte die Crew: »Wo ist denn euer Vertrauen geblieben?«
Auf den ersten Blick wirkt das wie ein magisches Eingreifen, so auch die erstaunte Reaktion der Crew: »Wer ist dieser Mann eigentlich? Dem Wind und dem Wasser kann er Befehle erteilen und sie leisten ihm Gehorsam!« Jesus gebietet der Naturgewalt und diese gehorcht. Wessen Vertrauen auf diese Art des Eingreifens baut, wird jedoch früher oder später bitter enttäuscht, wenn die beschworene Veränderung so tatsächlich gar nicht eintritt - Jesus macht das Herausfordernde nicht einfach für mich weg.
Auf den zweiten Blick ist die eigentliche Krise nicht der Sturm, sondern die angsterfüllte Wahrnehmung der Crew unterzugehen; Die Worte, die Jesus mit Autorität gegenüber der als übermächtig empfundenen Bedrohung ausspricht, verändern jedoch ihre Wahrnehmung. Jesus weist den Sturm in seine Schranken, er begrenzt die Bedrohung, die nun nicht mehr als übermächtig wahrgenommen wird. Der verengte Blick, der nur noch den Untergang sehen konnte, löst sich in ihnen: Sie werden still und ruhig gegenüber der äußeren Herausforderung. Und plötzlich ist da eine tiefe Ruhe mitten im Sturm, die Angst beruhigt sich, der Sturm und die wogenden Wassermassen wirken auf einmal gar nicht mehr so bedrohlich - es eröffnen sich neue Perspektiven.
Aus heutiger Sicht ist dies als ein hypnosystemischer Vorgang zu begreifen: Die Worte Jesu wirken auf die Wahrnehmung der Crew, sodass diese wieder Vertrauen fassen mit der Herausforderung umgehen zu können. So wächst Erfahrung und auch in rauer See nicht unterzugehen.