Wie alles begann ...
Keimzelle der Mainzer Stadtmission war wohl ein Bibelkreis des Mainzer Kasernenverwalters Meißner zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Später traf man sich in der Wohnung des Drechslermeisters August Schad in der Mailandsgasse.
In dieser Zeit, Anfang der 70er Jahre, entstand die Mainzer Stadtmission.
Bereits 1875 kam mit dem Schweizer Heinrich Egli ein erster (nebenamtlicher) Prediger nach Mainz. Außerdem betreute Egli auch wandernde Handwerksgesellen und gründete dazu in der Mainzer Rentengasse die “Herberge zur Heimat”, wo sich dann auch die Stadtmission traf.
Darüber hinaus hatte Egli ein Herz für die in Mainz stationierten Soldaten und begleitete etliche von ihnen während ihrer Zeit in Mainz. Unterstützung bekam er dabei von Offizier Curt von Knobelsdorf, der ab 1875 regelmäßig an den Treffen in der „Herberge“ teilnahm.
Ende des 19. Jahrhunderts scheint dann eine gewisse Stagnation in der Entwicklung der Stadtmission eingetreten zu sein. Mittlerweise gehörte die Gemeinde zum „Evangelischen Verein für Innere Mission“.
Im Oktober 1902 kam August Selberg als neuer Stadtmissionar nach Mainz und die Gemeindearbeit erblühte.
Besonders im Bereich der Kinderarbeit wuchsen die Besucherzahlen, sodass bereits an der Weihnachtsfeier über 80 Kinder teilnahmen. 1903 entstanden dann ein gemischter Chor und ein Posaunenchor, sowie eine Gruppe des Weißen Kreuzes.
Aufgrund des stetigen Wachstums wurden die bestehenden Räumlichkeiten zu klein und man wechselte in ein altes Patrizierhaus am Karmeliterplatz, das Platz für 200 Menschen bot und Ende 1904 eingeweiht wurde. 1905 gründete sich der EC-Jugendbund und weitere Gruppen entstanden, sodass es 1909 insgesamt 14 regelmäßige wöchentliche Veranstaltungen gab. Im selben Jahr bezog die Stadtmission erneut neue Räumlichkeiten – dieses Mal in einer umgebauten Lagerhalle in der Emmeranstraße.
Ebenfalls 1909 wurde Selberg nach Saarburg versetzt und erst im September 1911 kam mit Philipp Nau der zweite Stadtmissionar nach Mainz. Leider fand dessen Wirken durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein zu schnelles Ende, da er gleich zu Beginn zum Militärdienst eingezogen und dort bald vermisst wurde.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs blieb die Stadtmission zunächst ohne hauptamtlichen Prediger, aber erwarb vom katholischen Männerverein ein anderes Gebäude in der Emmeranstraße mit einem Saal für 250 Personen. Dieses Gebäude wurde 1920 eingeweiht. Im April 1922 trat dann Edmund Stahl seinen Dienst an und bereits ein Jahr später kam es zu einer Spaltung aufgrund theologischer Meinungsverschiedenheiten.
Für die kommenden Jahre gab es nun die „Evangelische Stadtmission“ und die „Landeskirchliche Stadtmission“. Nach ein paar spannungsvollen Jahren suchte man ab 1929 wieder die Zusammenarbeit. 1933 kam es zur Wiedervereinigung der beiden Stadtmissionen und es geschah ein Neuanfang mit Friedrich Gauweiler als neuem Prediger. Von nun an nannte sich die Gemeinde „Mainzer Stadtmission“.
Nachdem Gauweiler 1935 aus persönlichen Gründen um Versetzung in den Ruhestand bat, kam der damals 33jährige Johannes Adam Spies als sein Nachfolger in die Mainzer Stadtmission und die Gemeinde stabilisierte sich. Natürlich war auch die Gemeindearbeit die darauffolgenden Jahre durch die Kriegszeit geprägt. Etliche Männer waren eingezogen worden, u.a. 1940 auch Johannes Adam Spies.
Bei einem Bomberangriff am 13. August 1942 gelang es in letzter Minute, einen Übergriff der Brände der Nachbarhäuser auf die Stadtmission zu verhindern. Doch im September 1944 wurde der Saal nach einem weiteren Angriff unbenutzbar und bei einem Großangriff am 27. Februar 1945 wurde das Gebäude zerstört und zahlreiche schriftliche Unterlagen vernichtet.
Etliche Mitglieder waren aus der Stadt aufs Land gezogen, Johannes Adam Spies befand sich verletzt in Kriegsgefangenschaft und das Gebäude war zerstört. Die Gemeinde traf sich daher nach Kriegsende in der Wohnung einer der wenigen Familien, die nicht obdachlos geworden waren. Dort wurde am 27. Oktober die Wiedergründung der Stadtmission gefeiert. 1947 bekam die Stadtmission dann wieder ein provisorisches Zuhause – in der Herberge für Obdachlose im Fort Hauptstein.
1950 gelang es der Stadtmission dann eine Baugenehmigung für den Wiederaufbau ihres Gemeindehauses zu bekommen. Doch zuerst musste einiges an Schutt abgeräumt werden. Aber bereits nach einem Jahr konnte die Pastorenwohnung und der kleine Saal bezogen werden. Eingeweiht wurde das Gebäude schließlich am 27. Mai 1951.
Seit Mitte der 50er Jahre liefen Anfragen von Seiten der Stadt, ob die Gemeinde zu einem Umzug bereit sei, da sie an der Stelle der Stadtmission ein Parkhaus errichten wollten. 1961 wurde das Gelände gegen ein größeres Grundstück in direkter Nachbarschaft eingetauscht, auf dem dann bereits Ende des Jahres die Bauarbeiten begannen.
Nach verschiedenen Verzögerungen konnte das neue Gebäude am 14. Juli 1963 eingeweiht werden und wenige Tage später wurde das alte bereits abgerissen. In den darauffolgenden Jahren erblühte das Gemeindeleben wieder und weitere regelmäßige Veranstaltungen kamen hinzu.
1967 ging Johannes Adam Spies dann nach 35-jährigem Dienst in den wohl verdienten Ruhestand und Dieter Höfig wurde sein Nachfolger. In dieser Zeit schlossen sich die Mainzer Stadtmission und andere Gemeinden dem Chrischona-Gemeinschaftswerk an. 1976 wurde Martin Schumann der neue Prediger. In seiner Zeit wurde der Gottesdienst erstmals auf vormittags verlegt und die Gemeinde wurde weitgehend eigenständig.
1982 wurde mit Gerd Quadflieg ein zweiter Prediger eingestellt. 1985 wechselte Martin Schumann nach Konstanz und Klaus Strobel wurde sein Nachfolger. Auch auf der Stelle des Zweitpastors waren nacheinander verschiedene junge Prediger aktiv.
Mit Walter Stingel kam dann zum Jahrtausendwechsel ein neuer Hauptpastor in die Mainzer Stadtmission und nach einer Pause wurde ein paar Jahre später auch die Stelle des Jugendpastors durch Marius Spierings wieder neu besetzt. Nachdem Walter Stingel Ende 2016 in den Ruhestand verabschiedet worden war, wurde Martin Pöhler als sein Nachfolger berufen und trat im Sommer 2017 seinen Dienst an.
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