13/06/2026
Wenn Eltern ein Kind während der Schwangerschaft verlieren, ist das ein besonders trauriges Ereignis, vielleicht auch, weil es kaum nach außen sichtbar ist. „Es sieht ja keiner.“ „Man kann kaum darüber sprechen, denn wer hält denn die Trauer aus?“ Solche Sätze höre ich als Seelsorgerin, wenn Eltern zu mir kommen und einen Raum zum Reden dafür suchen.
In der Kapelle unseres Krankenhauses gibt es eine „Himmelssäule“, an die Eltern einen Stern hängen können und ihrem Kind einen Namen geben, das hier im Krankenhaus gestorben ist. Es ist ein Erinnerungsort geworden. Diese Himmelsäule füllt sich und man kann erahnen, dass die Menschen miteinander durch Anteilnahme und Trauer verbunden sind.
Neben den glücklichen Geburten gibt es eben auch die Kehrseite, dass es leider nicht alle Kinder ins Leben schaffen. Deshalb gibt es vielerorts eine Bestattung der Sternenkinder, zu der wir alle Betroffenen einladen. So auch gestern.
Gemeinsam mit den Eltern verabschieden wir uns, würdigen den gegangenen Weg und schauen behutsam auf die Tränen und die Sehnsucht nach diesen Kindern. „Weißt du wieviel Sternlein stehen“ liegt als Melodie hinter all den Worten.
Blütenblätter, Erde und Weihrauch werden mit ins Grab gelegt. Manchmal erfüllt ein Schluchzen die ganze Kapelle – auch wenn es schwer auszuhalten ist, so ist doch allen klar, dass man dies nur gemeinsam halten und tragen kann. Dass Trost und Halt in der Berührung zu finden ist.
Allen ist klar: Wegschauen ist schlimmer, als dem Schmerz entgegenzutreten. Ich wünsche allen, die durch diese Situation gegangen sind oder gehen werden, dass sie Menschen haben, die keine Angst vor Tränen haben.
/ Krankenhausseelsorgerin Annemarie Nyqvist in "Gesegneten Abend" auf NDR Schleswig-Holstein Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift