Die Reformation ist seit vielen Jahrzehnten ein
Thema im katholischen Religionsunterricht und
wird es erst recht 2017 sein müssen, wenn in
Deutschland und anderswo der 500. Die Reformation war gewiss ein Ereignis mit
weitreichenden, bis heute spürbaren politischen, sozialen und kulturellen Folgen, die nicht selten ambivalent waren und historisch differenziert zu beurteilen sind. Dabei darf jedoc
h nicht vergessen werden, dass es den Reformatoren zunächst und vor allem um das rechte Verständnis des Evangeliums von Jesus Christus ging und darum, was dieses Verständnis für die Nachfolge Christi in der Gemeinschaft der Kirche bedeutet. Dieser
Streit um das Evangelium führte zur Spaltung der westlichen Kirche, die bis heute andauert. Nach Jahrhunderten wechselseitiger Verurteilungen und Abgrenzungen ist in den vergangenen Jahrzehnten ein partnerschaftliches Verhältnisv on Angehörigen der katholischen und evangelischen Kirche gewachsen. Im ökumenischen Gespräch konnten Vorurteile überwunden und Gemeinsamkeiten wieder neu entdeckt werden. Mit der Gemeinsamen lutherisch-katholischen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (1999) wurde
ein weitgehender Konsens im Verständnis des
Evangeliums erreicht; umstritten aber bleibt,
welche Folgen das gemeinsame Bekenntnis zu
Jesus Christus für das Kirchenverständnis und die Kirchenpraxis haben. Dank dieser Fortschritte im ökumenischen Dialog ist es möglich geworden, dass katholische Christinnen und Christen den
500. Jahrestag der Reformation als Christusfest
gemeinsam mit ihren evangelischen Glaubensbrüder und -schwestern begehen können. Die Sonderausgabe "Reformation erinnern - Christus feiern" (hrsg. vom Institut für Religionspädagogik der Erzdiözese Freiburg) thematisiert die Reformation als
theologisches Ereignis der Rückbesinnung auf
Jesus Christus als dem Fundament von Glaube
und Kirche. Im Grundlagenteil erörtern Wolfgang Thönissen, Direktor des Johann-Möhler-Instituts für Ökumenik (Paderborn), und Theodor Dieter, Direktor des Instituts für Ökumenische Forschung des Lutherischen Weltbundes (Straßburg), aus katholischer und lutherischen Perspektive die reformatorische Rückbesinnung auf Christus. Die unterschiedlichen Konsequenzen,
die auf katholischer und evangelischer Seite für
das Kirchenverständnis und die Kirchenpraxis
gezogen werden, stellen in ökumenischer Offenheit Julia Knop (Münster) und Martin Hailer (Heidelberg) dar. Wie man didaktisch produktiv mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden in einem konfessionell-kooperativen Unterricht umgehen kann, erläutert schließlich Jan Woppowa
(Paderborn). Im unterrichtspraktischen Teil stellen Matthias
Bär, Jakob Kalsch, Paul Platzbecker, Jörg Seiler
und Hermann-Josef Vogt Unterrichtsbausteine
und -anregungen für unterschiedliche Schulstufen vor, die die in den Religionsbüchern
vorhandenen Materialien ergänzen und curricular unterschiedlich eingebunden werden
können. Sie orientieren sich an konfessionellen
Gemeinsamkeiten und Unterschieden, die in
der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler
heute erfahrbar sind. Abschließend ergänzen
ausführliche Filmhinweise von Franz-Günther
Weyrich und von Verena Hammes kommentierte Lektüreempfehlungen und Internetseiten mit Hinweisen auf weitere Unterrichtsmaterialien diese Publikation. Die Publikation "Reformation erinnern - Christus feiern" ist in Kooperation
mit mehreren Bistümern und religionspädagogischen Einrichtungen entstanden. Die Facebookseite "Christusfest" begleitet die Printausgabe "Reformation erinnern - Christus feiern" und will Anregungen für das Thema Reformationsgedenken im kath. Religionsunterricht geben und zur Diskussion anregen.