26/11/2023
"GOTTES TASCHENTUCH"
Das Bett ist noch dasselbe, auch das Bad und die Küche und die Kaffeemaschine. Alles noch wie vorher. Aber sonst - ist alles anders.
Man ist nicht mehr derselbe, wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Wenn ein geliebter Mensch gestorben ist oder eine schwere Diagnose im Raum steht.
Plötzlich fühle ich mich fremd im eigenen Leben. Wie soll ich mich denn sicher und geborgen fühlen, wenn das Gewohnte zerbrochen ist?
Dann kommen die Fragen: Und jetzt? Wie geht es weiter? Ich schaue in den tristen Novemberhimmel. Das Grau legt sich schwer auf alles, was gestern noch grün und bunt und lebendig war. Und doch denke ich: Unter diesem Himmel ist so viel Platz für alles, was bewegt. Da ist Platz auch für die vielen Tränen, die in diesem Jahr vergossen wurden. Überall wurde geweint: am Bett, am Grab.
Ganz im Verborgenen oder gemeinsam mit anderen. Still und leise oder laut und heftig. Ich schaue weiter in den Himmel. Es ist doch gut, wenn man weinen kann, denke ich.
Tränen müssen fließen, damit der Schmerz sich nicht festsetzt.
Darum ist es gut, dass auch in dem neuen Himmel Tränen fließen, von dem an diesem Totensonntag in unseren Kirchen die Rede ist.
„Jede Träne will ich aus deinen Augen wischen!" sagt Gott dann. Und ich frage mich, wie sich das wohl anfühlt, wenn Gott mir die Tränen abwischt?
Wenn Gott mich in den Arm nimmt, ganz sanft und behutsam.
Ich atme auf, denn ich weiß, da ist jemand! Jemand, der verheißen hat, alle Tränen abzuwischen.
Einer, der sagt: "Siehe, ich mache alles neu!"
(Pastor Thorsten Leißer in der Rubrik Glaubenssache, Marktspiegel Lehrte, 25.11.2023)
Bildunterschrift verfassen …