12/09/2026
Vergebung statt Rache
Es ist ein beliebtes Westernmotiv. Am Anfang geschieht ein schlimmes Verbrechen, ein Überfall mit Mord. Der Sohn der Ermordeten schwört Rache und nimmt die Verfolgung auf, um dann am Ende des Filmes die Rache zu vollstrecken und die Mörder umzubringen. Doch was hat er davon? Er bringt nur Gewalt und neues Leid.
In der heutigen Lesung aus dem Buch Jesus Sirach lesen wir: „Groll und Zorn sind abscheulich; nur der Sünder hält daran fest. Wer sich rächt, an dem rächt sich der Herr; dessen Sünden behält er im Gedächtnis. Vergib deinem Nächsten das Unrecht, dann werden dir, wenn du betest, auch deine Sünden vergeben.“ Ähnlich äußert sich Jesus im heutigen Evangelium, wenn er zu Petrus sagt, dass er immer wieder vergeben muss und dazu die Geschichte vom unbarmherzigen Knecht erzählt.
Verzicht auf Rache heißt aber nicht, immer nachgeben, sich alles gefallen lassen oder gar dauerhaftes Unrecht gutheißen. Wir brauchen die Polizei und wir brauchen auch Gefängnisse. Wenn wir Verbrecher ins Gefängnis sperren, dann aber nicht aus Rache, sondern um die Gesellschaft vor weiteren Verbrechen zu schützen. In einigen Fällen bin ich sogar für strengere Gesetze. Zum Beispiel würde ich einen Arzt, der ungeborene Kinder im Leib der Mutter tötet, ins Gefängnis sperren, um andere Ungeborene vor ihm zu schützen.
Christsein heißt nicht, sich alles gefallen lassen oder gar Unrecht zulassen. Es heißt aber, nicht nachtragend sein, den anderen nicht endgültig ablehnen, ihm immer wieder eine Chance lassen, einen Weg öffnen, stets bereit sein zu verzeihen und zu vergeben. Denn wer nicht vergibt, der kann auch selbst keine Vergebung erwarten. Im Vater Unser beten wir immer wieder: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“
Pfarrer Andreas König