Dom zu Lübeck

Dom zu Lübeck Evangelisch-Lutherische Dom-Kirchengemeinde in Lübeck

Barfuß auf die Kanzel: „Are we allowed to go up there?“, fragen die indischen Pastorinnen. Ihre Kirchen sind viel kleine...
04/06/2026

Barfuß auf die Kanzel: „Are we allowed to go up there?“, fragen die indischen Pastorinnen. Ihre Kirchen sind viel kleiner als der Dom, und solch eine Kanzel haben sie auch nicht. Aber sie würden gern mal probieren, wie es sich anfühlt, da oben zu stehen. Na klar! Der Kanzelschlüssel ist schnell zu Hand, und dann wollen alle vier hoch hinaus. „Zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land.“ Vielleicht haben sie Ex. 3, 5 im Ohr, jedenfalls sind da plötzlich Schuhe vor der Treppe, und barfuß steigt die erste nach oben. Frauen auf der Kanzel sind für uns selbstverständlich. Kuntala Naik, Malanti Hial, Ankita Nayak und Anamika Sona jedoch deuten an, wie lang und mühsam der Weg für sie in Indien ist. Eine war die erste ordinierte Frau ihrer Kirche, erst seit wenigen Jahren ist sie Pastorin. Beglückt hören sie von den Bischöfinnen der Nordkirche. Sie erzählen von ihren Gemeinden, zeigen Fotos vom Gottesdiensten und Palmsonntagsprozessionen, natürlich ökumenisch. Später setzen sie sich an das alte Bischofsgrabmal im Ostchor. „The former bishop and the future female bishops”, so könnte das sein, finden wir alle. Wie gut, dass die Nordkirche diese Partnerschaften zu den lutherischen Kirchen von Assam und Jeypore hat und den regelmäßigen Austausch pflegt. Thanks for visiting us!


Hühner sind die neuen Hunde, denke ich oft. Immer mehr Menschen um mich herum schaffen sich Hühner an. Dabei leben wir i...
02/06/2026

Hühner sind die neuen Hunde, denke ich oft. Immer mehr Menschen um mich herum schaffen sich Hühner an. Dabei leben wir in der Stadt! Wer etwas Auslauf hat, baut einen Hühnerstall. Immer frische Eier, kein Gassigehen, ideal für Kinder. Die lieben ihre gefiederten Freunde und übernehmen Verantwortung fürs Füttern. Außerdem lernen sie, wie das Huhn aus dem Ei kommt und das Ei aus der Henne.

"Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein",
dichtet Paul Gerhardt in einem seiner Abendlieder. Offenbar hat auch er Hühner gehabt oder zumindest beobachten können. Er schreibt fast zärtlich: Jesus ist wie eine Henne, die ihre Küken unter ihre Flügel nimmt. Ein Bild, das sich nicht nur im Hühnerstall findet, sondern tatsächlich in der Bibel. Dort sagt Jesus :

"Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt – und ihr habt nicht gewollt!" (Mt. 23, 37)

Es ist ein Klagelied über Jerusalem. Kein zorniger Aufschrei, sondern ein Seufzen. Jesus ist kein strafender Richter, sondern ein enttäuschter, mütterlich Liebender. Einer, der Schutz geben will, aber zurückgewiesen wird.

Eine Henne ist kein mächtiger Raubvogel. Sie kämpft nicht mit Krallen oder scharfem Schnabel. Aber sie weiß, was es heißt, zu behüten. Ihre Flügel sind keine Waffen, sondern Schutzraum. Sie gibt ihren Küken Wärme, Nähe, Sicherheit. Paul Gerhard greift dieses Bild auf in einer Zeit voller Unsicherheit und Bedrohung. Er lebt mitten im Dreißigjährigen Krieg. Und doch schreibt er Trostlieder. Oder vielleicht gerade deshalb? "Breit aus die Flügel beide", das ist kein Rückzug in kindliche Naivität, sondern eine Entscheidung des Vertrauens. Ich gebe mich nicht der Angst hin. Ich suche nicht Halt in Waffen oder Macht, sondern unter den Flügeln dessen, der mich kennt. Jesus breitet seine Arme aus, bis an das Kreuz. Zum Trösten. Zum Sammeln. Zum Schutz.

Familien, die Hühner halten und Küken aufziehen, können vielleicht besonders gut nachempfinden, was Paul Gerhard über mütterlichen Schutz angesichts größter Bedrohung dichtet: "Will Satan mich verschlingen, so lass die Englein singen: Dies Kind soll unverletzet sein."

/ Pastorin Margrit Wegner in "Die Morgenandacht" auf NDR Info und NDR Kultur

Morgenandacht von Pastorin Margrit Wegner
02/06/2026

Morgenandacht von Pastorin Margrit Wegner

Hühner sind die neuen Hunde, denke ich oft. Immer mehr Menschen um mich herum schaffen sich Hühner an. Dabei leben wir in der Stadt! Wer etwas Auslauf hat, baut einen Hühnerstall. Immer frische Eier, kein Gassigehen, ideal für Kinder. Die lieben ihre gefiederten Freunde und übernehmen Verantwortung fürs Füttern. Außerdem lernen sie, wie das Huhn aus dem Ei kommt und das Ei aus der Henne.

"Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein",
dichtet Paul Gerhardt in einem seiner Abendlieder. Offenbar hat auch er Hühner gehabt oder zumindest beobachten können. Er schreibt fast zärtlich: Jesus ist wie eine Henne, die ihre Küken unter ihre Flügel nimmt. Ein Bild, das sich nicht nur im Hühnerstall findet, sondern tatsächlich in der Bibel. Dort sagt Jesus :

"Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt – und ihr habt nicht gewollt!" (Mt. 23, 37)

Es ist ein Klagelied über Jerusalem. Kein zorniger Aufschrei, sondern ein Seufzen. Jesus ist kein strafender Richter, sondern ein enttäuschter, mütterlich Liebender. Einer, der Schutz geben will, aber zurückgewiesen wird.

Eine Henne ist kein mächtiger Raubvogel. Sie kämpft nicht mit Krallen oder scharfem Schnabel. Aber sie weiß, was es heißt, zu behüten. Ihre Flügel sind keine Waffen, sondern Schutzraum. Sie gibt ihren Küken Wärme, Nähe, Sicherheit. Paul Gerhard greift dieses Bild auf in einer Zeit voller Unsicherheit und Bedrohung. Er lebt mitten im Dreißigjährigen Krieg. Und doch schreibt er Trostlieder. Oder vielleicht gerade deshalb? "Breit aus die Flügel beide", das ist kein Rückzug in kindliche Naivität, sondern eine Entscheidung des Vertrauens. Ich gebe mich nicht der Angst hin. Ich suche nicht Halt in Waffen oder Macht, sondern unter den Flügeln dessen, der mich kennt. Jesus breitet seine Arme aus, bis an das Kreuz. Zum Trösten. Zum Sammeln. Zum Schutz.

Familien, die Hühner halten und Küken aufziehen, können vielleicht besonders gut nachempfinden, was Paul Gerhard über mütterlichen Schutz angesichts größter Bedrohung dichtet: "Will Satan mich verschlingen, so lass die Englein singen: Dies Kind soll unverletzet sein."

/ Pastorin Margrit Wegner in "Die Morgenandacht" auf NDR Info und NDR Kultur

„Paul Gerhard hat wie kaum ein anderer den Weg aus dem Jammertal bedichtet. Und das in einer Zeit größter Krisen. Er hat...
31/05/2026

„Paul Gerhard hat wie kaum ein anderer den Weg aus dem Jammertal bedichtet. Und das in einer Zeit größter Krisen. Er hat das unvorstellbare Grauen des 30-jährigen Krieges unmittelbar vor Augen. All die Gewalt, die Not, den Tod. Etwa ein Drittel der Bevölkerung des damaligen deutschen Reiches kam ums Leben, durch Massaker, Hunger, Krankheiten und Krieg. Unfassbares Leid hat auch Paul Gerhard selbst erlebt, hat seine Frau verloren und vier seiner fünf Kinder.
Mitten in diesen Schmerz hinein schreibt Paul Gerhardt „Geh aus, mein Herz. Suche Freud!“ Eine poetische Anleitung zur Kunst des Lebens, manch eine hat 29 Strophen! Eine vertonte lutherische Glaubenslehre. Und auch wenn manche der barocken Wendungen uns heute fremd sind, seine Lieder gehören ins Schatzkästlein für ein gutes Leben. Lauter gesungene Weisheiten, die Menschen bis heute Krisen und Kriege, Armut, Schmerz und Todesangst bewältigen – oder zumindest besser aushalten - helfen. Die Kunst, in und mit Krisen zu leben und darin Mensch zu bleiben, dafür haben wir diese wunderschönen Sprachmäntel des Trostes, um uns darin zu bergen. Danke Paul!“
Die ganze Predigt von Bischöfin Kirsten Fehrs könnt Ihr hier nachlesen:

Hier gibt es die Predigt zu dem Lied "Zieh ein zu deinen Toren" und zu Joh. 3 zum Nachlesen.

Was für ein großes Konzert mit dem Pygmalion Ensemble und Raphaël Pichon. Merci!
31/05/2026

Was für ein großes Konzert mit dem Pygmalion Ensemble und Raphaël Pichon. Merci!

Direkt neben dem Dom gibt es immer noch die alten Verwahrzellen.
29/05/2026

Direkt neben dem Dom gibt es immer noch die alten Verwahrzellen.

Zum ersten Mal hat Pastorin Margrit Wegner von der Lübecker Domgemeinde die ehemaligen Gestapo-Zellen im Zeughaus am Fuße des Lübecker Doms betreten.

Die Kälte sitzt in den Wänden. Vom strahlend blauen Himmel ist drinnen nichts zu ahnen. Draußen ist fast schon Sommer. H...
27/05/2026

Die Kälte sitzt in den Wänden. Vom strahlend blauen Himmel ist drinnen nichts zu ahnen. Draußen ist fast schon Sommer. Hier unten hört man nur wenige Laute von draußen. Kein Vogelzwitschern, kein Kinderlachen. Aber die Domglocken, die müssen die Gefangenen hier gehört haben. Ihre Angst ist noch zu spüren. Die sitzt in den Wänden. Ich bin zum ersten Mal in den alten Verwahrzellen der Gestapo im Zeughaus. Gleich neben dem Dom. Für ein Filmprojekt für die „Zeit des Erinnerns“ im November mit , und dem Historiker . Die Zellen sind fast unverändert. Dicke Mauern. Schwere Riegel. Eisenringe im Boden. Feuchte Wände. Kein Licht. Kein Himmel. Wie viele hunderte Menschen haben hier gebangt, gebetet, gezittert? Die Glocken waren bis hier unten zu hören. Auch Stimmen von Menschen auf dem Weg zum Gottesdienst? Die Gestapo nebenan, das war für die Dom-Gemeinde damals ja kein Geheimnis. War das zu ertragen? Wer hatte die Inhaftierten im Blick? Was gab ihnen Halt? Über die Tür einer Zelle hat jemand ein Kreuz geritzt, wohl mit den Fingernägeln. Herr, erbarme dich. Eine so unbarmherzige Kälte darf es nie wieder geben.

„Was für eine wunderbar beschwingte Vorstellung für diese Welt, in der alles, was abweicht und fremd scheint, zunehmend ...
24/05/2026

„Was für eine wunderbar beschwingte Vorstellung für diese Welt, in der alles, was abweicht und fremd scheint, zunehmend als Bedrohung gilt. Ein Traum. Eine Vision. Menschen können sich verstehen. Auf überraschend neue Weise kommen sie sich nahe. Anderssein ist kein Hindernis für Verständigung. Alle behalten ihre Sprache und verstehen sich trotzdem, ohne Google translator. Pfingsten hebt Hierarchien und Zuschreibungen auf: Junge reden, Alte träumen, Frauen ergreifen in einer Männergesellschaft das Wort, alle hören und erleben Gottes Geist. Dieser Geist spricht offenbar durch Menschen, die sich das Staunen bewahren.“
Die ganze Predigt von Pastorin Margrit Wegner zum Pfingstfest gibt es hier zum Nachlesen:

Hier gibt es die Predigt zum Pfingstsonntag im Dom von Pastorin Margrit Wegner zum Nachlesen.

„Mama, du bist jetzt mal der Bräutigam, und ich bin die Pastorin. Und ihr heiratet jetzt. Du musst aber auch den Hut auf...
24/05/2026

„Mama, du bist jetzt mal der Bräutigam, und ich bin die Pastorin. Und ihr heiratet jetzt. Du musst aber auch den Hut aufsetzen!“ Kichernd stürzen sich die Mädchen auf die Kostüme. Die kleinen Brüder bauen lieber eine Duplo-Landschaft, während ein weiteres Kind die Taufkind-Babypuppe gar nicht wieder hergeben möchte. Die Großmutter knipst vergnügt Erinnerungsfotos. „Ich hab noch nie eine Kirche mit Spielplatz gesehen“, staunt der Opa und macht es sich auf dem Kinderhockern bequem. Da hat er die beste Sicht auf das „Brautpaar“ am Altar und spielt gleichzeitig die Gemeinde. Eigentlich wollte die Familie nur einmal ganz kurz in den Dom gucken. „Bestimmt langweilig und nur für Erwachsene“, hatten die Kinder gemault. Nach einer Dreiviertelstunde möchten die Erwachsenen endlich mehr von der Kirche sehen. „Geht schon mal vor“, sagen die Kinder und gucken kaum hoch. „Ihr könnt uns ja nachher abholen. Wir müssen erst noch zu Ende Kirche spielen. Das macht nämlich Spaß!“
Kirche für Kinder. Kirche zum Anfassen. Kirche zum Ausprobieren. Lieben wir.

Ganz im Hier und Jetzt. Offline. „Ich wusste nicht, dass man solche Sachen in der Kirche machen kann“, sagten die Konfis...
21/05/2026

Ganz im Hier und Jetzt. Offline. „Ich wusste nicht, dass man solche Sachen in der Kirche machen kann“, sagten die Konfis. Ganz analog spielen etwa. Musik live hören von und . Schreiben und lesen und etwas lernen von Studierenden. Oder einfach da sein. Auf den großen Sitzkissen abhängen und träumen. Nachdenken. Staunen. Lachen und weinen. Chillen und beten. Sich segnen lassen und selber segnen, mit Tattoo oder ohne. kennenlernen. Zeit haben. Kirche erleben. Ganz frei. Ganz im Hier und Jetzt. JETZTzeit. Danke für die Einladung, liebe . Die Konfis kommen wieder!

Adresse

Domkirchhof
Lübeck
23552

Öffnungszeiten

Montag 10:00 - 16:00
Dienstag 10:00 - 16:00
Mittwoch 10:00 - 16:00
Donnerstag 10:00 - 16:00
Freitag 10:00 - 16:00
Samstag 10:00 - 16:00
Sonntag 10:00 - 16:00

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+4945174704

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