07/06/2026
Bonifatiusfest: Bischof Ge**er deutet Loslassen als Weg zur Sendung der Kirche – auch Pilgergruppe aus der Pfarrei Sankt Elisabeth in Fulda ---- Was bleibt, wenn Erfolg, Wirksamkeit und vertraute Formen wegbrechen? Beim Bonifatiusfest auf dem Fuldaer Domplatz hat Bischof Dr. Michael Ge**er am Sonntag kirchliche Verlusterfahrungen als geistliche Herausforderung gedeutet. Gerade dort, wo Menschen und Kirche Liebgewonnenes loslassen müssen, könne neu sichtbar werden, was ihren innersten Kern ausmacht. Die christliche Botschaft über den Menschen laute: „Mensch, du bist wertvoll, nicht, weil du dies und jenes leisten kannst“, betonte Ge**er. „Mensch, du bist wertvoll, weil du bist.“ Bischof Dr. Michael Ge**er hat am Sonntag auf dem Fuldaer Domplatz die diesjährigen Bonifatius-Wallfahrten eröffnet. In seiner Predigt beim Pontifikalamt legte er die Lesung aus der Apostelgeschichte im Blick auf die gegenwärtigen Veränderungen in Kirche und Gesellschaft aus. Paulus und der heilige Bonifatius stünden für Glaubenszeugen, die Phasen großer Wirksamkeit, aber auch Grenzen, Rückschläge und Erfahrungen scheinbarer Unfruchtbarkeit gekannt hätten.
Grenzen der Wirksamkeit
Ge**er verband diese biblische und historische Erfahrung mit der Sorge vieler Menschen um die Zukunft kirchlichen Lebens. Als Beispiel nannte er die Begegnung mit einem älteren Gottesdienstbesucher am Vorabend des Pfingstfestes. Dieser habe ihn mit Blick auf die Zusammenlegung von Pfarreien gefragt: „Herr Bischof, da müssen wir doch etwas machen, wenn der Glaube und das kirchliche Leben Jahr für Jahr so viel schwächer wird.“
Diese Sorge beschäftige derzeit viele, sagte Ge**er, ohne dass es einfache Lösungen gebe. Entscheidend sei jedoch, wie Christinnen und Christen damit umgehen. Naheliegend seien der Versuch, Aktivitäten weiter zu verstärken, die Suche nach Schuldigen oder, wenn beides nicht weiterführe, Resignation und Zynismus.
Wert vor Leistung
Paulus reagiere anders, sagte Ge**er. Er entdecke gerade in der frustrierenden Erfahrung das Wirken des Heiligen Geistes. „Mit dem Verweis auf das Wirken des Heiligen Geistes redet sich Paulus die Situation aber nicht einfach schön“, stellte der Bischof klar. Auf der Ebene des unmittelbaren Erlebens sei die Situation dramatisch. Genau dort stelle sich die Frage, die auch Bonifatius gegen Ende seines Lebens beschäftigt habe: „Wer bin ich, angesichts all dessen, was ich erleben muss, was mir nicht gelingt?“ Die Antwort darauf liegt für Ge**er im Zentrum der christlichen Botschaft. Paulus habe in seiner Begegnung mit dem Auferstandenen vor Damaskus begriffen, „was uns das Evangelium grundlegend über den Menschen aussagt“. Ge**er fasste diese Botschaft, die ein Zuspruch Gottes ist, so zusammen: „Mensch, du bist wertvoll, nicht, weil du dies und jenes leisten kannst. Mensch, du bist wertvoll, weil du bist.“
Paulus und Bonifatius hätten diese Botschaft nicht nur mit Worten verkündet, sondern dadurch, „wie sie dieses Wort durchleben und durchleiden“. Wo menschliche Leistung an Grenzen komme, könne Raum für Gottes Handeln entstehen, so Ge**er: „Wo dein Leben unfruchtbar zu sein scheint, da lass zu, dass der Auferstandene dir sein neues Leben schenkt.“
Loslassen lernen
In dramatischen Entwicklungen von Kirche und Gesellschaft könne die Führung des Heiligen Geistes auf den Kern der christlichen Botschaft verweisen, sagte Ge**er. Voraussetzung dafür sei die Bereitschaft, loszulassen: „Loslassen: so manch Liebgewonnenes; loslassen: manch eigenen Wunsch, manch eigene Vision; loslassen: so manche Form unseres kirchlichen Lebens.“
Dieses Loslassen sei kein bloßer Rückzug. Es könne vielmehr zur Quelle geistlicher Erneuerung werden. „Wo ich vieles auch gegen meinen Willen loslassen muss, werde ich neu auf den innersten Kern meines Lebens gestoßen“, sagte Ge**er. „Wo wir gemeinschaftlich diese Haltung des Loslassens leben, da kommt die Kirche tief in Berührung mit dem Kern ihrer Sendung und erneuert sich.“
Tragende Beziehungen
Ein solcher Weg könne nicht allein gegangen werden, machte Ge**er deutlich. Paulus habe seine Erfahrungen mit Weggefährten geteilt. Die Emmaus-Jünger hätten ihre entscheidende Erfahrung ebenfalls in Weggemeinschaft gemacht. Auch das Leben des heiligen Bonifatius verweise besonders in seiner geistlichen Verbundenheit mit der heiligen Lioba auf die Bedeutung tragender Beziehungen.
Bischof Ge**er knüpfte damit an sein Hirtenwort zur Fastenzeit an, in dem er Kirche als Beziehung „von Mensch zu Mensch“ und „von Herz zu Herz“ beschrieben hatte. „Wo ich einen Platz im Herzen anderer Menschen finde, da hilft das mir, gerade im Verlust jenen Kern zu entdecken, den Gott selbst in mich gelegt hat“, sagte der Bischof. Gerade im Verlust gehe es um die „Entdeckung oder Wieder-Entdeckung dessen, was im Kern das Herzensanliegen Gottes mit uns persönlich und mit uns als Kirche ist.“ Quelle / Foto: Bistum Fulda / Martin Engel