03/05/2026
🚒 Ein Einsatz, der Geschichte schrieb:
Heute vor 40 Jahren, um 7:30 Uhr, wurde die Feuerwehr Herleshausen alarmiert, um Schlauchleitungen für den Katastrophenschutz zur Grenzübergangsstelle Herleshausen an der damaligen innerdeutschen Grenze zu legen.
Was in dem alten Einsatzbericht sich nach einem undramatischen Einsatz anhört, war der größte Gefahrgut-Einsatz auf dem Herleshäuser Gemeindegebiet.
Was war passiert?
Am 26. April 1986 kam es zu einem folgeschweren Zwischenfall im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl im weit entfernten Prypjat. Mit der Explosion des Kernreaktors wurde eine unfassbare Menge Radioaktivität freigesetzt, die durch die Windverfrachtung zu radioaktivem Niederschlag auch in Europa führte.
Was nun hatte unsere Feuerwehr damit zu tun?
An der Grenzübergangsstelle reisten täglich zahlreiche Fahrzeuge aus der DDR in die BRD ein, darunter viele LKW aus dem Ostblock, die kontaminiert waren mit radioaktivem Staub.
Mit Bekanntwerden der Problematik wurden Fahrzeuge mit Strahlenmessgeräten kontrolliert und im Anschluss gewaschen, bei zu hohen Werten wurde die Einreise verweigert.
Hierfür wurde zum einen sehr viel Wasser benötigt, zum anderen aber auch viel Personal. Beides hatte die Feuerwehr.
Die „stille Alarmierung“ durch den Kreisbrandinspektor per Telefon - statt wie üblich per Sirene - erreichte unseren damaligen Ortsbrandmeister Bender, der nun die Einsatzbereitschaft herstellen musste, bis der Kreisbrandinspektor mit weiteren Informationen in Herleshausen eintraf und die Einheiten in den Einsatz schickte.
Nachdem die Schlauchleitungen für die Wasserförderung verlegt waren und ein Feuerwehrfahrzeug im Pendelverkehr weiteres Wasser zur Einsatzstelle brachte, wuschen weitere Einsatzkräfte die kontaminierten LKW. Über die Dimension dieser Einsatzlage wurden die Einsatzkräfte im Unklaren gelassen.
Als die ersten Spezialkräfte der Berufsfeuerwehr Kassel in Herleshausen eintrafen und in Chemikalienschutzanzügen neben unseren Einsatzkräften standen, die damals nur mit Gummistiefeln und „Blaumann“ ausgerüstet waren, kippte die Stimmung.
Mit Bekanntwerden der Gefährdung zog Bürgermeister Hartmann am 2. Mai 1986 mit sofortiger Wirkung seine 21 Herleshäuser Einsatzkräfte nach insgesamt 231 geleisteten Stunden ab.
Im Einsatzbericht über diesen Katastrophenschutzeinsatz finden sich zu der „Ursache“ und den genauen Maßnahmen kaum Hinweise, eine fotografische Einsatzdokumentation gab es nicht. Was bleibt sind die Berichte der Zeitzeugen.
Was hat sich getan?
Erst nach diesem Einsatz erhielt die Wehr Herleshausen eine Gefahrgut-Grundausstattung. Das hiermit beschaffte Strahlenmessgerät ist noch intakt und wird bis heute auf unserem Einsatzleitwagen mitgeführt und hoffentlich nie benötigt.
Auch der Ausbildungsstand zu den sogenannten GABC-Lagen ist mittlerweile durch die Lehrgänge der Feuerwehrschule höher und die Dokumentation von Expositionsbelastungen in Einsätzen deutlich besser.