Reformierte alt Christkatholische Episkopalkriche

Reformierte alt Christkatholische Episkopalkriche Katholische und Apostolische Glaubenslehre auf dem Fundament der Tradition in der verantwortlichen Interpretation der gegenwahrt. von Rom unabhängig.

Der Name und seine Bedeutung:
Reformierte: Steht dafür, dass sie sich den Herausforderungen der Gegenwart auf dem Fundamt der Tradition stellt. alt Christkatholische: Steht für die Kontinuierlität der Katholischen und Apostolischen Glaubenslehre. Episkopalkirche: Steht dafür, dass sie eine eigenständige und vollkommen autonome, unabhängige Kirche der Katholischen Tradition ist. Es unterstreicht besonders, dass sie KEIN Teil der Römischen Kirche ist und nicht dem Papst untersteht.

Mariä Geburt ist ein Freudenfest für alle! Dienstag, 8. September 2026: Fest Mariä Geburt (2. Klasse), zugleich Gedächtn...
08/09/2026

Mariä Geburt ist ein Freudenfest für alle!

Dienstag, 8. September 2026: Fest Mariä Geburt (2. Klasse), zugleich Gedächtnis des hl. Martyrers Hadrian – Lesung: Spr 8, 22-35 / Evangelium: Mt 1, 1-16

„Deine Geburt, o Jungfrau und Gottesgebärerin, hat der ganzen Welt Freude verkündet.“ (Worte aus der Liturgie des Tages)

Das Fest der Geburt Mariä, welches wir heute miteinander feiern, wurde von den Gläubigen stets dazu benutzt, sich an diesem Tag an einen jener frommen Wallfahrtsorte zu begeben, an welchen die seligste Jungfrau in besonderer Weise verehrt wird, und woselbst sich ein wundertätiges Gnadenbild derselben befindet. Daher strömen heute an allen diesen Wallfahrtsorten viele Tausende von frommen Gläubigen zusammen, um dort in Liedern und Gebeten das Lob der Gottesmutter zu verkündigen.

Namentlich ist es ein Wallfahrtsort, welcher viele heute anzieht, nämlich Maria-Einsiedeln in der Schweiz. Mitten in einer unfruchtbaren Gegend, welche früher sogar eine vollständige Wildnis war und deshalb fern vom lärmenden Geräusch der Welt liegt das Städtchen Einsiedeln mit seiner weithin die ganze Gegend überragenden Muttergotteskirche, in welcher sich, und zwar in einer besonderen Kapelle, das wundertätige Muttergottesbild befindet.

Seit vielen hundert Jahren strömen am 8. September aus allen Weltgegenden fromme Gläubige hier zusammen, so dass alle Nationalitäten (Deutsche, Italiener, Franzosen, Spanier, ja sogar Amerikaner) hier vertreten sind, und am selben Ort in verschiedener Sprache das Lob der Gottesmutter verkünden, welche dort durch ihre mächtige Fürbitte so oft wunderbar geholfen hat. Die ungemein große Kirche ist an diesem Tag viel zu klein, um die Menge der Andächtigen zu fassen.

Und wie in Maria-Einsiedeln wird an allen Orten das Fest Mariä Geburt gefeiert und werden an diesem Tag die schönsten Loblieder gesungen, und die zärtlichsten Gebete gesprochen; ein Beweis dafür, dass die Kirche Recht hat, wenn sie ihre Diener in den Tageszeiten am heutigen Fest jubelnd aussprechen lässt: „Deine Geburt, o Jungfrau und Gottesgebärerin, hat der ganzen Welt Freude verkündigt.“ Ja, es ist nicht zu viel gesagt, wenn es heißt: die Geburt der seligsten Jungfrau Maria hat der ganzen Welt Freude verkündigt:

1. Wenn wir die Geburt eines Menschen lediglich vom natürlichen Standpunkt aus betrachten, so haben wir sehr oft wenig Ursache, uns darüber zu freuen und dem jungen Erdenbürger für sein Dasein Glück zu wünschen. Und warum dies? Aus dem einfachen Grund, weil das Leben auf Erden mit so vielen Wechselfällen verbunden ist, und so viele traurige Seiten hat, dass man sehr oft wünschen muss, gar nicht geboren zu sein.

Denn es kommen ja über viele Menschen harte Prüfungen, sie haben von Jugend auf harte Tage durchzumachen, und ihr Leben ist so überhäuft mit Arbeit und Mühseligkeit, dass man sich nicht wundern darf, wenn gar manche mit dem frommen Dulder Hiob die Stunde verfluchen möchten, welche ihnen das irdische Leben gegeben hat. Ganz abgesehen davon, dass der Mensch mit der Erbsünde behaftet zur Welt geboren wird, und mit dem königlichen Sänger David sagen muss: „Siehe, in Ungerechtigkeit bin ich empfangen, und in Sünden hat meine Mutter mich geboren“ ( Ps 50, 8 ), können wir schon rein menschlich geredet einen Menschen bei seiner Geburt in Anbetracht seines ungewissen Lebensschicksals nicht besonders glücklich preisen, namentlich dann, wenn ihm nach menschlichem Ermessen ein hartes Los ganz gewiss zuteilwird.

Daher kann man es mehr wie einmal erleben, dass arme Eltern, welche bereits mit einer Anzahl von Kindern gesegnet sind, sich gar wenig freuen, wenn sie mit der Geburt eines neuen Kindes beglückt werden. Der Gedanke, wie die Zukunft dieses Kindes ausfallen wird und die Sorge seiner Erziehung stimmt die Freude gewaltig herab. Auch die Kirche feiert aus wichtigen Gründen nicht den Geburtstag eines Menschen, sich wohl erinnernd der Worte des göttlichen Heilandes, die er über den Judas gesprochen hat, und welche „Es wäre ihm besser, dass er nie geboren wäre.“ lauten und wohl wissend, dass der Mensch bei seiner Geburt den Keim zeitlichen und ewigen Verderbens in sich trägt.

2. Ganz anders aber war es bei der Geburt der seligsten Jungfrau; hier konnten die frommen Eltern Joachim und Anna ihr neugeborenes Kind frohlockend in ihre Arme nehmen, alle Verwandten und Freunde aus Nah und Fern herbeirufen und ihnen mit freudestrahlendem Blick ihr Kind zeigen und ihnen sagen: „Freut euch mit uns über dieses Kind, welches körperlich und geistig mit den herrlichsten Eigenschaften ausgestattet ist und sich und seinen Eltern, ja dem ganzen Menschengeschlecht, zur Ehre und zum Ruhm gereichen wird.

Was sonst bei der Geburt eines Kindes die Freude gewaltig herabstimmt, finden wir bei der seligsten Jungfrau Maria nicht; sie war nämlich vor Allem rein von jeder auch der kleinsten Sünde und deswegen schon bei ihrer Geburt nicht ein Gegenstand des Missfallens Gottes, oder - wie sich der heilige Paulus ausdrückt - „nicht ein Kind des Zornes“ (Eph 2, 3), sondern vielmehr ein Gegenstand des höchsten Wohlgefallens Gottes und aller himmlischen Bewohner.

Darum wendet ja auch unsere Kirche auf die Mutter Gottes die bekannten Worte des Hohen Liedes an, und sagt von ihr: „Ganz schön bist du meine Freundin und keine Makel ist an dir.“ (Hld 4, 7). Darum begrüßen wir Maria als die reine und unversehrte Lilie unter den Dornen, als einen fehlerlosen Spiegel und als eine unschuldige Taube. Darum gebrauchen wir von Maria alle Ausdrücke in Bild und Wort, welche wir besitzen, um ihre große Unschuld, ihre erhabenen Tugenden, ihre unermesslichen Gnaden zu bezeichnen.

Was der Engel Gabriel später bei der Menschwerdung zur Mutter Gottes sagte, das konnte mit vollem Recht schon jetzt bei ihrer Geburt von ihr gesagt werden: „Du bist voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Weibern.“ Nicht ein zweifelhaftes dunkles Los war der Mutter Gottes bei ihrer Geburt beschieden, sondern hell und klar, und dabei herrlich und erhaben lag ihre Zukunft vor ihr.

Dieses Kind hat bei seiner Geburt seinen Eltern keine Sorgen gemacht. Obwohl sie nicht viel reicher gewesen sind, als die meisten Taglöhner bei uns, welche mit ihrer Hände Arbeit Tag für Tag den nötigen Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder verdienen müssen, so brauchten sie für dieses ihr Kind nicht in banger Sorge zu sein, Gott selbst hatte sich dasselbe erwählt, um Großes an ihm zu tun.

Ja fürwahr, dein Geburtstag, o seligste Jungfrau Maria, hat vor Allem dich mit unaussprechlicher Freude erfüllen müssen, da du ins Dasein getreten bist, um vor der Welt wie ein reines hellleuchtendes Gestirn zu erglänzen; menschliches Elend, wie es durch die Sünde in die Welt gekommen ist, solltest du niemals kennenlernen. Deinen Geburtstag hat deswegen unsere Kirche von Anfang an bis auf diese Stunde benutzt, um Dich zu loben und zu preisen und über alle übrigen Geschöpfe zu erheben.

Text: Conrad Sickinger – Die Marien-Feste – Passau - 1877

Verschiebt eure Bekehrung nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag 7. September 2026: Montag n. d. 15. Sonntag nach Pfingsten...
07/09/2026

Verschiebt eure Bekehrung nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag

7. September 2026: Montag n. d. 15. Sonntag nach Pfingsten (4. Klasse)

Beten wir den Sohn Gottes an, der, um uns die Notwendigkeit der Buße und die Verpflichtung dazu für jedermann zu zeigen, mit der Mahnung zu dieser Tugend sein Evangelium beginnt (Mk 1, 15) und uns ausdrücklich erklärt, dass es ohne sie kein Heil gibt (siehe Lk 13, 5). Bezeigen wir ihm tausendmal Dank, dass er uns von einer so großen Wahrheit Kenntnis gibt.

1. Notwendigkeit der Buße

Wir haben alle gesündigt, also müssen wir alle Buße tun bis zum Tod; so folgert Tertullian. Beim Empfang der heiligen Taufe haben wir alle den durch die Buße Christi erworbenen Geist Gottes erhalten, also sind wir alle zu einer beständigen Buße verpflichtet. Wir haben alle in uns eine Neigung zum Bösen, die durch Buße bekämpft werden muss, sonst würde sie uns zugrunde richten; sowohl Zukunft als Vergangenheit nötigen uns daher zu einer Buße, die so lange dauert wie unser Leben.

Selbst die bereits verziehenen Sünden haben in unserer Seele eine noch zu heilende Wunde zurückgelassen, eine zeitliche Schuld, die entweder in dieser oder in jener Welt abgezahlt werden muss. Also müssen wir alle Tage Buße tun und die Züchtigungen fürchten, womit Gott jene bedroht, die keine Buße tun. Und da gilt nicht die Einwendung, unser Herr habe der Gerechtigkeit seines Vaters bereits vollkommen für uns genug getan und uns dadurch der Verpflichtung, Buße zu tun, enthoben. Glauben wir vielmehr dem heiligen Paulus, wenn er sagt: „Ich vollende in meinem Fleisch, was an den Leiden Christi noch fehlt.“ (Kol 1, 24).

Glauben wir Jesus Christis selbst, der gesagt hat: „Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle gleicherweise umkommen;“ denn daraus folgt, dass, obwohl die Güte Gottes unendlich ist, er niemandem Barmherzigkeit erzeigen wird, der nicht Buße getan hat. Also muss man Buße tun; wirkliche Buße, die uns bekehrt, nicht eine falsche Buße, über die sich der heilige Ambrosius beklagt, wo er spricht: „Ich habe mehr Menschen gekannt, die ihre Taufunschuld bewahrt haben, als solche, die durch eine vollkommene Buße sie wieder erlangt hätten.“

2. Dringende Notwendigkeit der Buße

Es ist notwendig, Buße zu tun, ja dringend notwendig, denn der Heilige Geist sagt: „Verschiebt nicht eure Bekehrung von einem Tag zum andern.“ Und da geht es nicht an, zu sagen: Ich fühle wohl, dass ich nicht so bin, wie ich sein sollte; ich möchte nicht sterben in dem Zustand, in dem ich mich jetzt befinde; daher will ich später mein zu wenig christliches Leben ändern.

Denn: wie lange noch willst du zögern, sagt der heilige Augustinus? Warum morgen? Warum nicht heute? Wissen wir nicht, dass das Morgen unsicher ist, dass es eine Torheit ist, sein Heil für ein „vielleicht“ aufs Spiel zu setzen und die Ewigkeit dem Ungewissen zu überlassen? Begreifen wir nicht, dass es eine Nichtswürdigkeit ist, die Güte Gottes als Vorwand zu nehmen, um unsere Bekehrung zu verschieben, indem wir vorgeben, er sei zu gut, um nicht auf uns zu warten; als ob diese unendliche Güte und Barmherzigkeit uns nicht im Gegenteil ein mächtiger Grund sein sollte, unsere Buße eher früher als später zu wirken (siehe Röm 2, 4)?

Bilden wir uns denn ein, dass später unsere Belehrung leichter sein wird, da doch im Gegenteil unsere Verzögerungen sie weit schwerer machen, indem dadurch die Gnade geschwächt und die böse Gewohnheit gestärkt, das Herz verhärtet und Gott gegen uns aufgebracht wird (siehe Röm 2, 5)?

Oder bilden wir uns ein, dass unsere Bekehrung unvereinbar sei mit unseren gegenwärtigen Geschäften und Ämtern, als ob das Geschäft des ewigen Heiles nicht das erste und wichtigste von allen auf der Welt wäre; als ob es außerdem Ämter gäbe, wo es unmöglich wäre, sein Heil zu wirken?

Endlich versucht auch der Teufel vielleicht, uns glauben zu machen, dass wir in der Todesstunde den guten Schächer nachahmen werden; als ob man darauf rechnen könnte, dass unser Herr für uns dieses Wunder wiederholen würde, das doch eines der größten ist, die er gewirkt und das einzige seiner Art, das sich in der Heiligen Schrift vorfindet, sagt der heilige Bernhard***.

Nur ein einziger Mensch wurde gerettet im letzten Augenblick; ein einziger, damit du nicht verzweifelst – ein einziger, Damit du dich nicht darauf verlässt. Sich auf die dem Schächer erwiesene Gnade zu verlassen, ist also der höchste Grad der Unklugheit.

Text: André Jean Marie Hamon (übersetzt von Ludwig Wahl) – Betrachtungen für Geistlich und Weltlich auf alle Tage des Jahres (Dritter Band: Vom achten bis vierundzwanzigsten Sonntag nach Pfingsten) – Regensburg – 1875

***Anmerkung von mir: Sinngemäß finden sich die vom Autor angeführten Gedanken über den Schächer an mehreren Stellen in den „Sermones de diversis“ und weniger explizit auch in den Cantica-Predigten des heiligen Bernhard von Clairvaux.

Mein Federbett ist das Kreuzesholz Samstag, 5. September 2026: Fest des hl. Laurentius Justiniani (3. Klasse) – Lesung: ...
05/09/2026

Mein Federbett ist das Kreuzesholz

Samstag, 5. September 2026: Fest des hl. Laurentius Justiniani (3. Klasse) – Lesung: Sir 44 u. 45 / Evangelium: Mt 25, 14-23

Laurentius hegte von Kindheit an den innigen Wunsch, heilig zu werden. Im Alter von neunzehn Jahren wurde er durch eine Erscheinung der ewigen Weisheit begnadigt. Alle irdischen Dinge erbleichten in seinen Augen vor der unbeschreiblichen Schönheit dieses Gesichtes. Als es verschwand, blieb eine entsetzliche Leere in seinem Herzen, die Gott allein auszufüllen im Stande war. Er verschmähte eine glänzende Heirat, wozu sich ihm Aussicht bot, floh heimlich aus dem elterlichen Haus in Venedig und trat in die Genossenschaft der regulären Kanoniker von St. Georg daselbst ein.

Als der Heilige die Absicht offenbart hatte, in diese religiöse Genossenschaft einzutreten, kam ein Edelmann zu ihm, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Laurentius hörte aufmerksam dessen Einlassungen, wies dann aber auf die Kürze des menschlichen Lebens und die Ungewissheit des irdischen Glückes hin und betonte den unvergleichlichen Wert, welchen das Ziel, das er sich gesteckt hatte, vor den Bestrebungen seines Freundes habe. Dieser war außer Stande, zu antworten; denn er fühlte, dass Laurentius weise, er aber töricht sei. So verließ auch er die Welt, wurde Novize und starb eines seligen Todes.

Alle Schmerzen maß Laurentius an den Schmerzen des Gekreuzigten und verglich ihre Dauer mit der Ewigkeit, nach welcher er schmachtete. Während einer Krankheit ertrug er mit vollkommenster Ergebung tiefe Wunden, welche ihm der Arzt beibringen musste, um seine Heilung zu bewirken. Seine vornehmen ehemaligen Standesgenossen bat er um Almosen und ertrug ohne Murren ihre Verachtung.

Als Bischof erneuerte er seine Diözese gänzlich. Zum Lohn dafür ward dem Bischof von Venedig vom Papst für alle Zeiten der Titel „Patriarch“ beigelegt. Aber ungeachtet dieser Auszeichnung blieb Laurentius immer derselbe demütige und anspruchslose Mann wie zuvor. Endlich dämmerte ihm der Abend des Lebens herauf. „Bereitet ihr für mich ein Federbett?“ sagte der Heilige. „Tut es nicht; denn mein Heiland lag auf hartem Holz.“ Auf Stroh gebettet, rief er aus: „Liebster Jesus, sieh ich komme!“ Papst Alexander VIII. nahm ihn 1690 in die Zahl der Heiligen auf.

Verlangen nach der ewigen Weisheit

Bitte den heiligen Laurentius, er möge dir eine so tiefe Überzeugung von der seligen Ruhe in Gott erwirken, dass du zum Allerhöchsten fliehen und bei Ihm Ruhe finden mögest.

Der heilige Laurentius Justuniani sagte einmal: „Weshalb suchst du bald in diesem, bald in jenem Ding die Ruhe für deine Seele? Was du wünschst, kann nur in Mir gefunden werden; schau, es ist in Meinen Händen. Suche es in Mir, der Ich die Weisheit Gottes bin. Erwähle Mich zu deinem Bräutigam und Anteil, und du wirst unermessliche Schätze finden.“

„Sie (die Weisheit) habe ich geliebt und erstrebt von Jugend auf und habe gesucht, sie als Braut heimzuführen; ich war der Liebhaber ihrer Schönheit.“ (Weish 8, 2).

Text: Alphons Bellesheim - Kleine Nachfolge der Heiligen (Kurze Lesestücke über Leben und Wirken der Heiligen auf alle Tage des Jahres, Zweites Halbjahr) – Köln - 1879

Verteidiger des Papsttums und Apostel des Vaterlandes Mittwoch, 2. September 2026: Fest des hl. Bekenners Stephan, König...
02/09/2026

Verteidiger des Papsttums und Apostel des Vaterlandes

Mittwoch, 2. September 2026: Fest des hl. Bekenners Stephan, König von Ungarn (3. Klasse) – Lesung: Sir 31, 8-11 / Evangelium: Lk 19, 12-26

Stephanus war der erste, durch welchen der christliche Glaube und der königliche Name nach Ungarn kam. Ihm wurde nämlich vom Papst eine Königskrone übersandt und auf dessen Geheiß die Salbung zum König erteilt. Der Heilige aber stellte sein Königreich unter den Schutz des apostolischen Stuhls. In Rom, Jerusalem und Konstantinopel ließ er verschiedene Stätten christlicher Frömmigkeit und Wohltätigkeit errichten, auch bewies er seinen frommen Sinn und seine königliche Freigebigkeit durch die Errichtung des Erzbistums Gran und zehn anderer Bistümer in Ungarn.

Nicht minder groß war seine allezeit hilfsbereite Liebe gegen die Armen, in denen er den Heiland selbst erblickte. Niemand wurde ohne Trost oder ohne Almosen von ihm entlassen. Zur Steuerung ihrer Noth war es ihm nicht genug, beträchtliche Summen zu spenden, sondern in seiner großen Güte veräußerte er nicht selten sein eigenes Hausgerät, um das Elend der Armen lindern zu können. Der heilige König pflegte sogar selbst den Armen die Füße zu waschen, bei Nacht allein und unerkannt die Hospitäler zu besuchen, die armen Kranken zu bedienen und noch andere Werke christlicher Nächstenliebe zu verrichten. Als Lohn dafür blieb seine rechte Hand nach seinem Tod unverwest.

Der Gebetseifer des heiligen Stephanus war so groß, dass er ganze Nächte schlaflos im Gebet zubrachte. Öfter sah man ihn bei seinen himmlischen Betrachtungen in Verzückung geraten und über der Erde schweben. Dass er wiederholt den Nachstellungen seiner Widersacher und den Angriffen mächtiger Feinde geradezu wunderbar entging, war die Frucht seines Gebetes. Zur Gemahlin erwählte er sich die Schwester des heiligen Kaisers Heinrich, Gisela von Bayern, die ihm seinen Sohn Emerich schenkte. In welch heiliger Zucht und Frömmigkeit er denselben erziehen ließ, beweist dessen spätere Heiligkeit.

Zu seiner Unterstützung bei den Regierungsgeschäften berief er überallher die erleuchtetsten und frömmsten Männer, ohne deren Rat er nie etwas unternahm. Unter den strengsten Bußübungen flehte er demütig zu Gott, er möge ihm die Gnade geben, vor seinem Tod noch ganz Ungarn katholisch zu sehen. Wegen seines großen Glaubenseifers wird der heilige König Stephanus mit Recht Apostel Ungarns genannt; auch verdiente er die vom Papst ihm und seinen Nachfolgern verliehene ehrende Auszeichnung, sich ein Kreuz vorantragen zu lassen.

Der allerseligsten Jungfrau Maria, welche er innig verehrte, ließ der Heilige eine herrliche Kirche erbauen und erwählte sie zur Patronin Ungarns. Dafür erflehte ihm die Gottesmutter die Gnade, dass er an ihrem Himmelfahrtsfest, das die Ungarn auf ihres Königs Befehl den Tag ihrer großen Herrin nennen, in die himmlischen Freuden aufgenommen wurde. Seinem heiligen Leichnam entströmte lieblicher Wohlgeruch und wundersame Flüssigkeit; derselbe wurde wegen der vielen Wunder, die am Grab des Heiligen geschahen, auf Anordnung des Papstes erhoben und an einem ehrenvolleren Orte beigesetzt. Das Fest des heiligen Stephanus wurde von Papst Innocenz XI. auf den 2. September gelegt, auf den Tag der siegreichen Schlacht des erwählten römischen Kaisers und Königs von Ungarn (Leopold I.) über die Türken, die Buda belagerten.

Apostel und König! Schütze dein Volk! Hilf der Kirche! Hilf uns allen! Als dies zehnte Jahrhundert zu Ende ging, dessen Zügellosigkeit selbst das Allerheiligste überflutet hatte, sah man die Hoffnung sich an dem Tag wieder beleben, da der erneuernde und schaffende Geist dein Geschlecht in seiner ursprünglichen Lebenskraft auswählte, um die Tugend wieder herzustellen. Satan erzittert unter den Grundfesten seines finsteren Reiches. Er, der das Gebäude des Papsttums für immer erschüttert glaubte, sah neue Baumeister zu ihm kommen, als dem einzigen Fundament, auf welches man bauen kann; die stolzeste der Familien, die das alte Reich des Romulus erzittern machten, erbat sich von Rom das Recht, von nun an zu den Nationen des Abendlandes gezählt zu werden.

Es bestätigte sich also, dass die Pforten der Hölle niemals über den Felsen, über die auf ihm gebaute Kirche (siehe Mt 16, 18), über den auf dem Gipfel der Berge stehenden Berg des Hauses des Herrn, zu dem alle Völker strömen (siehe Jes 2, 2) siegen würden. Vergebens hatte der Sturm den Schlamm der Gewässer des Höllenschlundes aufgewühlt; die Stunde war gekommen, in welcher Gott, wie der Prophet sagt, seine Hand erhob zu den fernen Ländern, von denen die Könige der allezeit heiligen Braut jene nicht anerkannten Söhne brachten, die sie im ihretwillen ernährt hatten (siehe Jes 29, 12-23).

Nein, der Herr macht nicht zu Schanden, die auf ihn hoffen. Und darum hoffen wir, selbst gegen alle Hoffnung, auf die Zukunft des edlen von dir auf apostolischer Festigkeit errichteten Volkes. Mit Recht stolz auf so viele unbestechliche Helden, wird es die falsche durch jüdisches Geld erkaufte und von den Feinden seiner Traditionen übermäßig gerühmte Freiheit nicht lange verwirren können. Mit dir wacht Martinus im Himmel über das Land, in welchem er geboren wurde. Die Schutzpatronin Ungarns, die erhabene Königin des Himmels, wird nicht zulassen, dass ihre treuen Untertanen den Einflüsterungen des Königs der Hölle ihr Ohr leihen.

Text: Dom Prosper Guéranger - Das Kirchenjahr (Vierzehnter Band: Die Zeit nach Pfingsten / Fünfte Abteilung) – Mainz - 1898

Über Hirschkuhmilch und die Fruchtbarkeit von Karl Martells erster Frau 1. September 2026: Dienstag n. d. 14. Sonntag na...
01/09/2026

Über Hirschkuhmilch und die Fruchtbarkeit von Karl Martells erster Frau

1. September 2026: Dienstag n. d. 14. Sonntag nach Pfingsten (4. Klasse), zugleich Gedächtnis des hl. Abtes Ägidius und der hll. Zwölf Martyrerbrüdern

Der heilige Ägidius war ein Athener von vornehmer Herkunft, geboren 640. Nach dem Tod seiner Eltern Theodor und Pelagia teilte er sein sämtliches Besitztum unter die Armen aus. Selbst sein Obergewand schenkte er einem armen Kranken, welcher, als er es anlegte, plötzlich gesund wurde. Um den Ehrenbezeugungen, welche in Folge noch anderer Wunder ihm erwiesen wurden, aus dem Weg zu gehen, begab er sich nach Frankreich, wo er eine Einsiedelei an der Mündung der Rhone bezog. Später ließ er sich in einem dichten Wald im Bistum Nimes nieder, wo er mehrere Jahre nur dem Gebet und der Betrachtung lebte. Kräuter und die Milch einer Hirschkuh, welche regelmäßig zu bestimmten Stunden bei ihm sich einfand, waren seine Nahrung.

Gelegentlich einer Jagd, bei welcher dieses Tier in die Höhle des Heiligen sich flüchtete, wurde er durch den Gotenkönig (Wamba II.) entdeckt. Der Ruf seiner Heiligkeit und seiner Fähigkeiten verbreitete sich bald; aber auch die dringendsten Bitten vermochten nicht, ihn zu bewegen, dass er seine liebgewordene Einsamkeit verlasse. Dagegen gestattete er, dass einige Jünger sich ihm anschlossen, mit welchen er nach der Regel des hl. Benedikt lebte. So entstand ein Kloster (später Kollegiatstift), um welches sich eine Stadt bildete, welche von seinem Namen St. Gilles genannt wurde.

Er starb im Anfang des 8. Jahrhunderts, 725 gilt als das wahrscheinlichste Jahr. Viele Kirchen und Klöster wurden in Frankreich, Deutschland, Ungarn und Polen zu seiner Ehre errichtet. Er ist Patron von Edinburgh, Jülich Osnabrück, und Toulouse. Die Orte Sankt Egyd, Egyden, drei mit dem Namen Egydi, St. Egyed in Ungarn, Sankt Egidien in Sachsen, drei St. Egidio in Italien, Sankt Gilgen und 18 St. Gilles in Frankreich und Belgien sind nach ihm benannt. Seine Reliquien ruhen zu Toulouse in der Abtei von St. Serdin und wurden um die Mitte des elften Jahrhunderts das Ziel vieler Wallfahrten.

Weil er infolge göttlicher Erleuchtung einem Fürsten eine in der Beichte verschwiegene Sünde geoffenbart haben soll, wird er besonders zur Ablegung einer guten Beichte angerufen; auch um Ehesegen, weil er solchen für die Gemahlin Karl Martells erfleht haben soll. Auch ist er Patron gegen die Pest und Schutzherr der Schleiferzunft.

Text: Heinrich Weber - Die Verehrung der heiligen vierzehn Nothelfer, ihre Entstehung und Verbreitung – Kempten – 1886

Ein Blumenkranz, eine Dornenkrone und ein verschenkter Kardinalshut Montag, 31. August 2026: Fest des hl. Bekenners Raim...
31/08/2026

Ein Blumenkranz, eine Dornenkrone und ein verschenkter Kardinalshut

Montag, 31. August 2026: Fest des hl. Bekenners Raimund Nonnatus (3. Klasse) – Lesung: Sir 31, 8-11 / Evangelium: Lk 12, 35-40

„Dies ist Mein Gebot, dass ihr euch einander liebt, wie Ich euch geliebt habe. Eine größere Liebe als diese hat niemand, dass er nämlich sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15, 12 u.15).

Nach voller Erfüllung dieses Wortes des göttlichen Meisters rang der Heilige des heutigen Tages; und mit welchem glücklichen Erfolg, zeigt ein auch nur flüchtiger Blick auf seine Lebensgeschichte.

Raymundus, der Sohn eines sehr edlen, aber nicht begüterten Ehepaars zu Portel, im Bistum Urgel in Katalonien, erfuhr schon im Mutterleib den besonderen Schutz der göttlichen Vorsehung; denn, obgleich seine Mutter nach dem siebten Monat der Schwangerschaft und noch vor der Entbindung gestorben war, blieb er doch am Leben und musste auf außerordentliche Weise an das Tageslicht gebracht werden, weswegen er den Beinamen Nonnatus (der Nichtgeborene) erhielt. Dies geschah im Jahre 1204.

An diesem Knaben zeigte sich frühzeitig eine überaus große Andacht gegen die allerseligste Jungfrau Maria, und am liebsten weilte er dort, wo er ein Bildnis derselben antraf; es entwickelten sich an ihm auch ungemeine Geistesgaben, und als er die wissenschaftliche Laufbahn betrat, waren seine Fortschritte höchst überraschend. So sehr dem Vater der ausgezeichnete Fortgang des Sohnes in den Wissenschaften gefiel, so sehr missfiel ihm die Neigung zum geistlichen Stand, die er an demselben bemerkte; denn Raymund sollte nach seinem Plan dereinst durch eine glänzende Stelle am Hof des Königs von Aragonien und eine reiche Vermählung sein und der Familie Glück machen; er schickte ihn daher auf ein Landgut, um dort die Verwaltung zu führen.

Dem frommen Jüngling fiel ein solcher Auftrag zwar schwer; allein er sah den Willen des Vaters als den Willen Gottes an, gehorchte ohne Widerrede und ließ sich sogar zur Hütung der Herden verwenden. Bald fühlte er sich in der Einsamkeit ganz glücklich; der Anblick der Wunder der Allmacht und Güte Gottes, die ihm in der freien Natur allenthalben begegneten, entflammte sein Herz zu immer höherer Liebe des Schöpfers, und bei ungestörter Betrachtung der ewigen Wahrheiten wurde es immer heller in seiner Seele; er konnte auch die Andacht zur Mutter Gottes nach Herzenslust fortsetzen, weil am Fuß des Berges, auf dem er sich gewöhnlich aufhielt, in einer dem heiligen Nikolaus geweihten Kapelle ein wunderliebliches Bild derselben verehrt wurde.

Große Schätze sind in der Einsamkeit zu finden; können wir aber auch zu der des Körpers nicht gelangen, so wollen wir doch die der Seele zu suchen nicht versäumen; wir wollen lernen, allenthalben unseren Geist von der Außenwelt zurückzurufen und in uns zu sammeln. Wer nicht allein sein kann, der wird auch auf dem Weg christlicher Vollkommenheit nicht weit kommen. „Wer gibt mir Flügel, wie einer Taube, dass ich fliege und ruhe.“, ruft der Psalmist (54, 7). „Wenn du betest, gehe in deine Kammer und schließ die Tür zu.“ (Mt 6, 6), befiehlt der Heiland, der in der Einsamkeit auch gern bei Nacht betete.

In Raymunds Seele reifte immer mehr der Entschluss, der Welt völlig zu entsagen, und so er verdoppelte er seine Gebete und gottseligen Übungen, um durch die Fürbitte Mariens von Gott die Gnade zu erlangen, dass er erkenne, welcher Weg ihn am sichersten zum Ziel führe. Sein Gebet fand Erhörung; es wurde ihm eine höhere Weisung, sich zu Barcelona in den erst vor kurzem gestifteten Orden Unserer Lieben Frau von der Gnade zur Auslösung der Gefangenen aufnehmen zu lassen.

Flehen auch wir in unseren Zweifeln: „Herr, lehre mich tun nach Deinem Willen, denn mein Gott bist Du; Dein guter Geist führe mich auf der rechten Bahn!“ (Ps 142, 10).

Nachdem Raymundus durch seinen Taufpaten, den Grafen von Cardona, die Einwilligung des Vaters erhalten hatte, eilte er nach Barcelona, erhielt dort aus den Händen des heiligem Ordensstifters Petrus Nolaskus das Ordenskleid und legte nach dem Verlauf des Probejahres die feierlichen Gelübde ab. Der junge Ordensgenosse war jetzt so zu sagen in seinem rechten Element, denn von seiner Kindheit an war das Mitleiden mit ihm aufgewachsen und ihm besonders die traurigen Tage der in der Gefangenschaft bei den Ungläubigen seufzenden Christen zu Herzen gegangen.

Er kannte jetzt kein sehnlicheres Verlangen, als ihnen recht bald Hilfe bringen zu können. Sein Fortschreiten auf der Bahn der Vollkommenheit war so schnell, dass ihm schon nach wenigen Jahren das Amt, die Gefangenen bei den Ungläubigen loszukaufen, übertragen werden konnte, — ein Amt, wozu sonst nur bejahrte, vielgeprüfte Männer gewählt wurden. „Des Menschen Verstand gilt für graue Haare, und ein unbeflecktes Leben ist das wahre Greisenalter,“ sagt die Heilige Schrift (Weish 4, 8 u. 9). Raymund stand an strenger Abtötung, Eifer im Gebet und anderen Tugenden keinem Mitbruder nach. Mit Freuden reiste er nach Afrika und kaufte zu Algier viele Gefangene los, und als bei einer zweiten Reise die Geldmittel nicht ausreichten, um auch nur alle jene loszukaufen, deren Elend am größten und deren Glaube am meisten gefährdet war, bot er sich, nachdem er über das Lösegeld unterhandelt hatte, als Gefangenen an, bis dasselbe ankommen würde.

Die schwersten Drangsale, Hunger und Durst, Hitze und Frost, Lästerungen und Misshandlungen, die er wohl voraussah, gaben seiner Liebe nur neue Nahrung, da er der unendlichen Liebe, mit welcher der Sohn Gottes Sich für uns geopfert hat und Seines Gebotes „Liebt einander, wie Ich euch geliebt habe,“ (Joh 15, 12) gedachte. So dankte er dem Herrn aus der Fülle des Herzens für diese Gelegenheit zu leiden, als seine Bürgschaft angenommen und jenen die Freiheit gegeben wurde. „Eine größere Liebe als diese hat niemand, dass er nämlich sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15, 13).

Die Wächter des hochherzigen Gefangenen gehörten zu den niedrigsten, für alles Edle abgestumpften Seelen und behandelten ihn so grausam, dass er hätte unterliegen müssen, wenn nicht die Obrigkeit aus Furcht, das bedeutende Lösegeld zu verlieren, den Befehl hätte ergehen lassen, ihn nicht mehr zu misshandeln, mit dem Hinweis, dass diejenigen, welchen sein Tod zuzuschreiben wäre, für das ganze Lösegeld verantwortlich würden. So bekam der Heilige auf einige Zeit Ruhe und konnte ungehindert innerhalb der Stadt umhergehen; er bediente sich aber dieser Freiheit nur dazu, die Gefangenen zu besuchen und zu trösten und auch den Ungläubigen die Lehre des Heils vorzutragen. Unbeschreiblich war seine Freude, als einige dem Licht der Wahrheit die Augen öffneten und die heilige Taufe empfingen.

Wer den Wert der menschlichen Seele erwägt, dem wird auch in etwa klar werden, was es heißt, zur Rettung derselben beizutragen, und wie groß die Wonne darüber sein müsse. „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er Seinen eingeborenen Sohn hingab, damit Alle, die an Ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh 3, 16). Das Blut Christi ist der Preis, mit dem wir aus der Sklaverei der Sünde und des Satans erkauft worden sind (siehe 1 Petr 1, 19). Wer sollte nun nicht alles daransetzen, dass ein solcher Preis nicht verloren gehe? „Errette jene, die man zum Tod führt, und unterlasse nicht, zu erlösen, die man zum Untergang schleppt. Sagst du: Ich vermag's nicht, so wird es der Herzensforscher wissen, und nichts täuscht den Erhalter deiner Seele: Er vergilt dem Menschen nach seinen Werken,“ heißt es in den Sprichwörtern (24, 11 u. 12).

Die Bekehrungen, welche der eifrige Diener Gottes bei angesehenen Mohammedanern und Juden bewirkte, blieben nicht verborgen und die Obrigkeit sprach über ihn das Urteil, dass er lebendig gespießt werden sollte; weil aber ihr Geiz wieder größer war als ihr blinder Eifer, begnügte sie sich, um das Lösegeld nicht zu verlieren, damit, ihn grausam schlagen zu lassen. „Die Liebe Christi- drängt uns“ konnte der Heilige mit dem Apostel (2 Kor 5, 14) sprechen; und so fuhr er fort, die Christen zu ermuntern und zu stärken und die Ungläubigen zu unterrichten; er wurde aber wieder entdeckt, auf Befehl der Obrigkeit an allen Straßenecken der Stadt gegeißelt und dann auf den öffentlichen Platz geführt, wo man ihm mit einem glühenden Eisen die Lippen durchbohrte und vor den Mund ein Hängeschloss legte, wozu der Richter den Schlüssel verwahrte und ihn nur dann hergab, wann man dem Gefangenen, der in Ketten in ein Gefängnis gesperrt wurde, Nahrung reichen musste.

Das große Leiden wurde dem Heiligen durch große Tröstungen des Himmels versüßt, und er brachte oft ganze Tage in heiligen Betrachtungen und Entrückungen zu. Eines Tages trafen ihn die herzlosen Wächter in einem solchen Zustand und sahen mit Erstaunen, wie er mit der Rechten auf die an die Wand geschriebenen Worte wies: „Herr, nimm aus meinem Mund niemals das Wort der Wahrheit.“ (Ps.118, 43), wurden aber noch mehr betroffen, als er, plötzlich des Schlosses und der Fesseln ledig, ausrief: „In Ewigkeit, o Herr, bleibt Dein Wort!“ (Ps 118, 89).

Obgleich sie dieses Wunder Zauberkünsten zuschrieben und den Heiligen neuerdings misshandelten, konnten sie doch nicht verhindern, dass einige der ihrigen dadurch bewogen den christlichen Glauben annahmen und darüber hinaus die Gläubigen zur Ausdauer ermuntert und gekräftigt wurden. Es erfüllte sich hier, was der Völkerapostel von sich schreibt: „Ich will, dass ihr wisst, Brüder, dass mein gegenwärtiger Zustand mehr zum Fortschritt des Evangeliums gediehen ist, indem meine Bande in Christus kund geworden sind dem ganzen Hof und bei allen anderen, und mehrere Brüder im Herrn Vertrauen fassten durch meine Bande, und umso mehr wagten, ohne Furcht das Wort Gottes zu verkünden.“ (Phil 1, 12 -14).

Acht Monate lang musste Raymundus in martervollem Gefängnis schmachten, bis das Lösegeld für ihn ankam; er hätte sich aber aus Liebe zum Leiden und zu den Gefangenen auch jetzt noch nicht von diesen entfernt, wenn ihn nicht der Befehl seines Generals nach Spanien zurückgerufen hätte; zugleich wurde er vom Papst Gregor IX. zur Würde eines Kardinals erhoben, Diese Auszeichnung machte auf den Heiligen nicht den geringsten Eindruck und änderte an ihm nicht das mindeste; er behielt seine bisherige arme, strenge Lebensweise so wie seine Ordenskleidung immer bei; und als er zu Barcelona ankam, wo man ihm einen seiner Würde angemessenen Palast bereitet hatte, begab er sich umgehend in seine Klosterzelle und wollte einem gemeinen Ordensmann nichts voraus haben.

Er war ein gelehriger Schüler des göttlichen Meisters, dessen Worte „Lernt von Mir, denn Ich bin sanftmütig und demütig von Herzen: so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen!“ (Mt 11, 29) mit unauslöschlichen Zügen in seine Seele geschrieben waren. Wer wahre Ruhe sucht, wird sich durch den Dunst menschlicher Ehre den Blick nach oben nicht trüben lassen, wird nur, das Wohlgefallen Gottes und dessen Verherrlichung zum Ziel seiner Arbeiten machen.

Dass hiervon der demütige Ordensmann ganz durchdrungen war, erhellt auch aus Folgendem: Als er einmal in rauer Jahreszeit einem vor Frost zitternden Armen begegnete, umarmte er ihn, um ihn gleichsam zu erwärmen, und gab ihm, weil er bloßköpfig war, nebst einem Almosen an Geld auch noch den eigenen Hut. In der nächsten Nacht sah dieser neue Martinus in einem Gesicht eine Schar himmlischer Jungfrauen, welche einen unaussprechlich schönen Blumenkranz wanden und ihm denselben aufsetzen wollten; er aber rief voll Betrübnis aus: „Ach, ich Unglückseliger, ich habe meinen Gewinn wieder verloren! Sollte ich denn in dieser Welt die Belohnung erhalten für eine Handlung, die ich nur zur Verherrlichung Gottes und aus Verlangen, meinem gekreuzigten Heilande zu gefallen, verrichtet habe?“ Mit freudiger Begierde griff er dagegen nach einer Dornenkrone, die ihm auf seinen Einwand hin gezeigt wurde. „Wenn wir dulden, werden wir auch mitherrschen," schreibt der heilige Apostel Paulus (2 Tim 2, 12).

Der Heilige Vater Gregor IX., wollte den großen Kardinal zur Leitung der kirchlichen Angelegenheiten verwenden und berief ihn daher nach Rom. Nur der Gehorsam konnte seine Demut besiegen, diesem Ruf zu folgen. Er bat nun seinen General um den Segen und machte sich dann wie ein armer Ordensmann auf die Reise in die Hauptstadt der christlichen Welt; als er aber zu Cardona, einige Meilen von Barcelona, angekommen war, befiel ihn ein heftiges Fieber, welches von Umständen begleitet war, die einen baldigen Tod vermuten ließen. Der Kranke verlangte mit glühender Sehnsucht nach der heiligen Wegzehrung; allein die Abwesenheit des Ortspfarrers schien die Erfüllung seines Verlangens zu verzögern. Da erhob er Augen und Herz zum Himmel in heißem Flehen um die Gnade, nicht aus der Welt zu scheiden, ohne jene empfangen zu haben

Und siehe, es traten mit einem Mal mehrere Personen und darunter eine, welche einen Speisekelch trug, in der Kleidung seines Ordens in das Zimmer und nahten seiner Lagerstätte; diejenigen aber, welche sonst noch gegenwärtig waren, konnten wegen eines blendenden Glanzes nicht wahrnehmen, was dort weiter vorging. Nachdem jene eine geraume Zeit um den Kranken verweilt hatten, entfernten sie sich wieder und nahmen den Weg über einen nahen Fluss, über welchen sie trockenen Fußes gingen und dann verschwanden.

Der Graf von Cardona und die Übrigen, welche ihnen nachgegangen waren, trafen bei ihrer Rückkehr den Heiligen auf der Erde in der Stellung eines inbrünstig Betenden an, und er gab auf ihre Fragen anfangs nur die Worte zur Antwort: „Wie gut ist Gott gegen die, die rechten Herzens sind!“ (Ps 72, 1), gestand, die hl. Wegzehrung auf wunderbare Weise empfangen zu haben und entschlief bald darauf im Frieden des Herrn am 31. August 1240 erst 36 Jahre alt. Er wurde in der Kapelle des heiligen Nikolaus, wo er in der Jugend so gern gebetet hatte, beerdigt. Gott bestätigte seine Heiligkeit durch viele Wunder. Sein Name steht auf den heutigen Tag im römischen Martyrologium.

Text: Christoph Höflinger - Leben, Leiden und Wirken der Heiligen (II. Band, Erste Abteilung: Juli bis September) – Regensburg – 1840

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