Reformierte alt Christkatholische Episkopalkriche

Reformierte alt Christkatholische Episkopalkriche Katholische und Apostolische Glaubenslehre auf dem Fundament der Tradition in der verantwortlichen Interpretation der gegenwahrt. von Rom unabhängig.

Der Name und seine Bedeutung:
Reformierte: Steht dafür, dass sie sich den Herausforderungen der Gegenwart auf dem Fundamt der Tradition stellt. alt Christkatholische: Steht für die Kontinuierlität der Katholischen und Apostolischen Glaubenslehre. Episkopalkirche: Steht dafür, dass sie eine eigenständige und vollkommen autonome, unabhängige Kirche der Katholischen Tradition ist. Es unterstreicht besonders, dass sie KEIN Teil der Römischen Kirche ist und nicht dem Papst untersteht.

Christus ist unser Pontifex Donnerstag, 4. Juni 2026 - FRONLEICHNAMSFEST (1. Klasse) - Lesung: 1 Kor 11, 23-29 / Evangel...
04/06/2026

Christus ist unser Pontifex

Donnerstag, 4. Juni 2026 - FRONLEICHNAMSFEST (1. Klasse) - Lesung: 1 Kor 11, 23-29 / Evangelium: Joh 6, 56-59

VERGEGENWÄRTIGUNG GOTTES

„Lebendig Brot, das meinen Schatz versteckt, dich bet' ich an, zu Boden hingestreckt“ (Johannes vom Kreuz, Gedichte).

BETRACHTUNG

1. Von einem Höhepunkt zum anderen haben wir das liturgische Jahr hindurch die Geheimnisse des Lebens Jesu betrachtet und sind emporgestiegen bis zur Schau der heiligsten Dreieinigkeit, deren Fest wir am vergangenen Sonntag begangen haben. Jesus, unser Mittler, unser Weg, hat uns an der Hand genommen und zur Dreieinigkeit geleitet; heute nun scheint es, als wollte die Dreieinigkeit selbst uns zurückführen zu Jesus in seiner Eucharistie.

„Keiner kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14, 6), hat Jesus gesagt und hinzugefügt: „Keiner kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater ihn zieht“ (Joh 6, 44). Dies ist der Weg der christlichen Seele: von Jesus zum Vater, zur Dreieinigkeit; von der Dreieinigkeit, vom Vater, zu Jesus; Jesus führt uns zum Vater, der Vater zieht uns zu Jesus. Der Christ kann durchaus von Christus nicht absehen. Christus ist im genauen Sinn des Wortes unser „Pontifex", das heißt „Brückenbauer", denn er hat sich zur Brücke gemacht zwischen Gott und uns. Da nun der liturgische Kreis geschlossen ist, der die Geheimnisse des Erdenlebens unseres Erlösers vergegenwärtigt, führt uns die Kirche, diese gute Mutter, wohl wissend, dass unser geistliches Leben ohne Jesu nicht bestehen kann, zu ihm, zu ihm der leibt und lebt im allerheiligsten Sakrament des Altars.

Das Fronleichnamsfest ist nicht etwa nur die Gedächtnisfeier eines geschichtlichen Ereignisses, das vor zweitausend Jahren stattgefunden hat, nämlich des letzten Abendmahles; sondern es ist das Fest einer aktuellen Gegebenheit, einer immer uns gegenwärtigen und immer lebendigen Wirklichkeit, auf Grund deren wir mit Recht sagen können, Jesus habe uns „nicht als Waisen zurückgelassen“. Er wollte dauernd bei uns bleiben, in der Ganzheit seiner Person, mit seiner ganzen Menschheit, mit seiner ganzen Gottheit. Das Festoffizium singt begeistert: „Es gibt noch gab es je ein so erhabenes Volk, das seinen Gott so nahe bei sich hat, wie unser Gott uns nahe ist“ (Römisches Brevier). Ja in der heiligen Eucharistie ist Jesus wirklich unser Emmanuel, Gott mit uns.

2. Die Eucharistie ist nicht nur Jesus, der lebendig und wahrhaftig in unserer Mitte weilt, sie ist auch Jesus, der uns zur Speise geworden ist. Und es ist gerade dieser Gesichtspunkt des Geheimnisses, den die Tagesliturgie uns vor Augen stellt. Man kann sagen, es gibt keinen Teil des Messformulars, der nicht geradenwegs davon spricht oder darauf anspielt. Der Eingang nimmt darauf Bezug, da er des Weizens und des Honigs gedenkt, mit dem Gott das Volk der Hebräer in der Wüste nährte. So wunderbar diese Speise war, sie erscheint doch nur als ein entferntes Vorbild des lebendigen und belebenden Brotes der Eucharistie.

Die Epistel (1 Kor 11, 23-29) erinnert an die Einsetzung des Sakramentes, da Jesus „Brot nahm und es, nachdem er Gott gedankt hatte, brach und sagte: ‚Nehmet und esset; dies ist mein Leib‘“. Das Graduale singt davon: „Aller Augen hoffen auf dich, o Herr, und du gibst ihnen Speise zu rechter Zeit.“ Ausführlicher besingt es die schöne Sequenz „Lauda Sion“. Nach dem Verklingen des „Alleluja“ bringt das Evangelium, gleich einem Echo darauf, das bedeutsamste Stück aus der Rede, in der Jesus selbst die Eucharistie ankündigt: „Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise, und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.“ Die Communio nimmt dann einen Satz der Epistel wieder auf und gemahnt uns an die Notwendigkeit, den Leib des Herrn würdig zu empfangen. Das Schlussgebet endlich sagt uns, dass die eucharistische Kommunion ein Unterpfand sei für die ewige Kommunion des Himmels.

Um jedoch den unermesslichen Wert der Eucharistie noch besser zu verstehen, muss man zu den Worten Jesu selbst zurückkehren, die das heutige Evangelium bringt: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“ Jesus ist uns zur Speise geworden, um uns sich einzugliedern, um uns sein Leben leben zu lassen und uns in ihm leben zu lassen, so wie er im Vater lebt. Die Eucharistie ist wahrlich das Sakrament der Vereinigung und zugleich der klarste Beweis, dass Gott uns ruft und lockt zur vertrauten Vereinigung mit sich.

ZWIESPRACHE

Die heilige Angela von Foligno schrieb: „O Gott und Schöpfer, Geist des neuen Anfangs, du überhäufst deine Geschöpfe mit immer neuen geistlichen Gaben; du gewährst deinen Erwählten die Gabe, die sich immer erneuert: den Leib und das Blut Jesu Christi!

Jesus, du hast dieses Sakrament eingesetzt, nicht von Furcht getrieben noch durch das Verlangen nach irgendeinem Nutzen, der dir daraus werden könnte, sondern einzig bewegt von einer Liebe, die keinen Namen hat als nur diesen: Liebe ohne Maß. Du hast dieses Sakrament eingesetzt, weil deine Liebe jedes Wort übersteigt. Brennend von Liebe zu uns, wolltest du dich uns schenken, und so hast du dich hineinbegeben in die konsekrierte Hostie, ganz und für immer, bis ans Ende der Zeiten. Und dies hast du nicht nur zum Gedächtnis deines Todes, der unser Heil ist, getan, sondern du hast es auch getan, um ganz und immer bei uns zu sein.

Meine Seele, willst du in die Tiefe dieses Geheimnisses eindringen, so muss dein Blick geschärft sein durch die Liebe! Du musst sehen und verstehen! Betrachte das letzte Abendmahl, betrachte Jesus Christus, der sich wohl bewusst war der nahen Trennung von seinem Menschenleib; betrachte seine Liebe, mit der er, um sich mit uns für immer zu verbinden, dieses Sakrament einsetzte, wodurch er leibhaftig und für immer mit der Menschheit vereinigt sein kann.

O unauslöschliche Liebe, wahrhaft feurige Liebe, Liebe Christi, Liebe zu den Menschen! O Jesus, schon hattest du vor Augen den nahen Tod; die grimmigen Schmerzen und Qualen deiner Passion gruben sich schon in dein Herz; und dennoch wolltest du dich denen schenken, die dich kreuzigen würden, und es so fügen, dass sie dich kraft dieses Sakramentes als ewige Gabe besitzen könnten, du, dessen Wonne es ist, bei den Menschenkindern zu sein!

Wie sollte ich mich nicht mit meinem ganzen Selbst in die Liebe Christi hineinversenken wollen, der, im Leben und im Tod, niemals unser vergisst, sondern sich allen hingeben und sich für immer mit uns vereinigen will?“

Text: P. Gabriele di Santa Maria Magdalena OCD - Geheimnis der Gottesfreundschaft (Zweiter Band) - Freiburg i. Br. - 1958

Derselbe Glaube, dasselbe Symbolum, dieselbe Tradition, dasselbe Oberhaupt!27. Mai 2026: Quatembermittwoch in der Pfings...
29/05/2026

Derselbe Glaube, dasselbe Symbolum, dieselbe Tradition, dasselbe Oberhaupt!
27. Mai 2026: Quatembermittwoch in der Pfingstwoche (1. Klasse) – Stationskirche: Santa Maria Maggiore – Erste Lesung: Apg 2, 14-21 / Zweite Lesung: Apg 5, 12-16 / Evangelium: Joh 6, 44-52

Hinweis - In der Pfingstwoche setzt sich der Autor kaum bis gar nicht unmittelbar mit der Liturgie des Tages und den zugehörigen Schriftstellen auseinander, sondern bringt täglich zwischen 16 und 22 Seiten starke Beiträge zur allgemeinen Wirkung des Heiligen Geistes und zu jeweils eine seiner Gaben. Aus dem 18 Seiten umfassenden Traktat für den heutigen Tag biete ich nachfolgend einen etwa drei Seiten umfassenden Abschnitt:

Der Bräutigam nennt im Hohenlied die Kirche „seine Einzige“. Er hat nicht mehrere Bräute gewollt; der Heilige Geist hat also sorgfältig darüber zu wachen, dass diese Absicht des Emmanuel erfüllt werde. Folgen wir nun den Zeichen dieser Sorgfalt, die einen solchen Erfolg nach sich zog. Ist es menschlicherweise möglich, dass eine Gesellschaft achtzehn Jahrhunderte dauere, ohne Wechsel, ohne tausenderlei Existenzformen anzunehmen?

Zudem mussten ja eigentlich auch während eines so langen Zeitraumes im Schoß weltlicher Systeme unter tausenderlei Formen die menschlichen Leidenschaften ausbrechen, die ja häufig genug Alles überwältigen und nach innen zerstörerisch wirken. Berücksichtigen wir ferner, dass die Kirche nicht aus einem Volk, sondern aus verschiedenen Völkern bestand; verschieden sowohl an Sprache, geistiger Bildung und Sitten.

Da waren die einen von den anderen so weit entfernt, dass sie sich kaum kannten; dort waren es aneinandergrenzende Länder, mit entgegenstehenden Interessen und nationaler Gehässigkeit. Und während der Dauer dieser Zeit haben politische Umwälzungen sie unaufhörlich beeinflusst, durcheinandergeworfen, ja selbst aus der Geschichte verschwinden lassen.

Und dennoch: überall, wo es Katholiken gegeben hat, wo es solche geben wird, überall bleibt die Einheit das charakteristische Kennzeichen jenes ungeheuren Körpers und der Glieder, die ihn bilden: derselbe Glaube, dasselbe Symbolum, dieselbe Unterwerfung unter dasselbe sichtbare Oberhaupt, in allen wesentlichen Punkten derselbe Kultus; dieselbe Weise, jede Frage durch die Tradition und die Autorität entscheiden zu lassen.

In jedem Jahrhundert sind Sekten aufgetaucht; alle haben gesagt: „Ich bin die wahre Kirche“; und nicht eine einzige hat die Verhältnisse überlebt, unter welchen sie ins Leben trat. Wo sind jetzt die Arianer mit ihrer politischen Macht, die Nestorianer, die Eutychianer, die Monotheliten mit ihren unerschöpflichen Spitzfindigkeiten? Was gibt es Ohnmächtigeres, Unfruchtbareres, als das griechische Schisma, das halb dem Sultan, halb de Moskowiter dienstbar ist? Was bleibt vom Jansenismus mit all seinen vergeblichen Anstrengungen, sich trotz der Kirche in der Kirche zu erhalten?

Und der Protestantismus, der zudem kein anderes Prinzip, als die Negation hat; kaum entstanden, brach er schon in Stücke, und hat es nie fertiggebracht, eine von demselben Glauben durchdrungene Religionsgenossenschaft zu bilden. Und sehen wir ihn nicht heute am Rande des Abgrunds, unfähig sogar die Dogmen aufrecht zu halten, die er anfangs als fundamental bezeichnet hatte: das Dogma, dass die Bibel unter göttlicher Eingebung verfasst sei und die Gottheit Christi.

Wie strahlt, angesichts so vieler zerfallenden Ruinen, unsere Mutter, die heilige katholische Kirche, im Glanz ihrer Einheit, sie, die einzige Braut des Emmanuel. Sollten die Millionen, die sie gebildet haben, und noch heute bilden, anderer Natur sein, als die Angehörigen der verschiedenen Sekten, welche sie entstehen und absterben sah? Rechtgläubige und Irrgläubige — sind wir nicht alle Glieder der nämlichen menschlichen Familie? Sind wir nicht alle denselben Leidenschaften und denselben Irrtümern unterworfen?

Woher kommt nun gerade den Söhnen der katholischen Kirche jene Beständigkeit zu, welche über die Zeit siegt, der gegenüber die Stammesverschiedenheit ihren Einfluss einbüßt? Alle Krisen und Wandlungen, welchen die bestgegründeten Staaten zum Opfer gefallen, die selbst ein hundertjähriger Widerstand der Völker nicht aufzuhalten vermochten, hat die Kirche überlebt!

Woher kommt das? Es lässt sich nicht leugnen! In ihr ist ein göttliches Element, das Widerstand leistet und sie aufrechterhält. Die Seele der Kirche, der Heilige Geist, durchströmt alle ihre Glieder, und da er nur Eins ist, so erzeugt er auch die Einheit in dem Ganzen, das er beseelt. Da er nicht mit sich selbst in Widerspruch kommen kann, so kann auch durch ihn nichts bestehen, was nicht in vollem Einklang mit ihm ist. Da haben wir den Schlüssel des großen Rätsels.

Text: Dom Prosper Guéranger - Das Kirchenjahr (Neunter Band: Die österliche Zeit / Dritte Abteilung) – Mainz - 1899

Nicht vergessen: Jeder ist zum allgemeinen Priestertum berufen!28. Mai 2026: Pfingstdonnerstag (1. Klasse) – Stationskir...
29/05/2026

Nicht vergessen: Jeder ist zum allgemeinen Priestertum berufen!
28. Mai 2026: Pfingstdonnerstag (1. Klasse) – Stationskirche: San Lorenzo fuori le mura – Lesung: Apg 8, 5-8 / Evangelium: Lk 9, 1-6

Der heutige Tag war in alter Zeit wie alle Donnerstage ohne Liturgie; das Pfingstfest hatte früher keine Oktav, weil es selbst im übertragenen Sinn die Oktav des Osterfestes ist. Es wurde drei Tage lang gefeiert; dazu kamen bald die drei Quatembertage; so fehlte zur vollen Oktav nur mehr der Donnerstag. Für diesen wurde die Sonntagsmesse wiederholt, jedoch fügte man zwei eigene Lesungen ein, die mit Rücksicht auf die Stationskirche gewählt wurden.

So hätten wir hier den Typus eines Messformulars, wie er in mittelalterlichen Missalien für Montag, Mittwoch, Freitag jeder Woche gegeben wurde; die Sonntagsmesse hatte an diesen drei Tagen eigene Lesungen. Das wäre für die Zukunft erstrebenswert, um wieder das Kirchenjahr mit den Sonntagsgedanken in den Vordergrund zu stellen. Das wäre ein Weg, möglichst wieder zur lectio continua (fortlaufende Lesung) zurückzukehren. So würde das Kirchenjahr wieder mehr zur Geltung kommen; die Heiligenfeste, die nur Ornamente zum Kirchenjahr sind, müssten auf ein bescheideneres Maß zurücktreten.

Gedanken zum heutigen Messformular

Der spezifische Gedanke des Tages liegt einheitlich in der Station und in beiden Lesungen. Die Kirche führt die Neugetauften und Neugefirmten (das sind wir) zum Patron der Katechumenen, zum Diakon Laurentius; daher spricht die Liturgie in beiden Lesungen von dem Wirken der Jünger Christi.

Die LESUNG erzählt von der Seelsorgsarbeit des Diakons Philippus in Samaria: wir hören von seiner Predigt, von den Wunderzeichen, die er wirkte: „Von vielen, welche unreine Geister hatten, fuhren diese unter lautem Geschrei aus. Und viele Gichtbrüchige und Lahme wurden geheilt." (Philippus vertritt hier die Stelle des hl. Laurentius, der ebenfalls als Diakon wirkte.).

Im EVANGELIUM hören wir die Unterweisung des Herrn an die zwölf Apostel für ihre Missionsarbeit. Man sollte hier das Evangelium von der Aussendung der 72 Jünger erwarten, die mehr mit den Diakonen verglichen werden könnten. Vielleicht bildet das Verbindungsglied beider Lesungen die Betonung der Gewalt über die unreinen Geister: Jesus gab den zwölf Aposteln „Macht und Gewalt über alle bösen Geister". Der Heilige Geist steht im Gegensatz zu diesen und vermag sie auch zu bannen durch seine Werkzeuge, die geweihten Diakone und Priester, durch die Geistesträger, die „Geist“lichen (der Exorzismus war in alter Zeit eine wichtige Verrichtung der Amtspersonen).

Gehen wir fehl, wenn uns die Liturgie heute auf die geheimnisvolle Beziehung des Heiligen Geistes zum Weihesakrament hinweisen wollte? Empfangen die Christen schon durch die Firmung das allgemeine Priestertum, so gehört das Weihesakrament ganz besonders in den Wirkungskreis des Heiligen Geistes. Als der Herr am Auferstehungsabend den Aposteln die Gewalt der Sündenvergebung verlieh, hauchte er sie an und sprach: „Empfanget den Heiligen Geist“, d.h.: Empfanget die vom Heiligen Geist verliehene Weihegewalt.

Deshalb ist auch im Ritus der drei höheren Weihen (Diakonat, Presbyterat und Episkopat) ein besonderer Nachdruck auf das Wirken des Heiligen Geistes gelegt (nicht aber bei den niederen Weihen, auch nicht beim Subdiakonat). An das Wirken des Heiligen Geistes in den Priestern werden wir täglich in dem bekannten liturgischen Gruß erinnert: Dominus vobiscum; diesen Gruß darf der Laie und auch der Kleriker bis zum Subdiakon nicht gebrauchen, weil man ihm nicht antworten kann: Et cm spiritu tuo, d. h. mit dem Pneuma, dem Heiligen Geist, der dir in der Weihe in hervorragender Weise verliehen wurde. Dieser Gruß möge uns stets mit Ehrfurcht gegen das geweihte Priestertum erfüllen.

Beten wir in dieser Quatemberzeit, dass der Heilige Geist seine besonderen Werkzeuge und Gefäße heilig erhalten möge und dass diese ihre große Aufgabe erfüllen, den „unreinen Geist“ der Welt zu vertreiben und den Heiligen Geist in die Seelen zu senken.

Doch der heutige Tag erinnert uns auch an unser allgemeines Priestertum, das der Heilige Geist in uns gründet. Wir denken an die hohen Rechte und strengen Pflichten. Wir üben das allgemeine Priestertum aus durch die aktive Mitfeier des heiligen Opfers (wir opfern wirklich); durch Spendung des Sakramentes der Ehe und teilweise der Taufe; durch Teilnahme an der heiligen Liturgie des Kirchenjahres, am Stundengebet der Kirche. Wir üben es endlich aus durch Seelsorge als Paten, Eltern, durch das Laienapostolat. Gerade jetzt zu Pfingsten sollten wir uns auf diese hohe Aufgabe besinnen.

So ergeht heute an jeden Christen die große Sendung, an der Vollendung und Fortsetzung des Christuswerkes mitzuwirken. Jeder Christ besinne sich heute auf seine kleine Pfarre, die aus allen ihm anvertrauten Menschen besteht (Familie, Freunde, Arbeitsgenossen, Nachbarn); seine Kooperatoren sind die Liebe, das Gebet, die Pflichterfüllung. Nicht von unzeitiger und taktloser Proselytenmacherei ist hier die Rede. Die Predigt des Christen verkündigt sich im schweigenden Sein, im stillen und treuen Erfüllen der Pflicht, im Ausatmen der Liebe und Gnade Gottes.

Aus dem Brevier

Im Stundengebet erklärt der hl. Ambrosius unser Evangelium und gibt zum Schluss eine schöne allegorische Deutung: „Aber es liegt in dieser Stelle noch ein tieferer, geheimnisvollerer Sinn. Wenn man nämlich ein Haus wählen soll, so muss man einen würdigen Hausherrn suchen. Dieses Haus nun, das wir wählen, ist die Kirche und der Hausherr ist Christus. Denn welches Haus ist würdiger, dass wir zur apostolischen Predigt eintreten, als die heilige Kirche? Und wer verdient größeren Vorzug, unser Hauswirt zu sein, als Christus, der seinen Gästen die Füße wäscht, denn er lässt den, welchen er aufnimmt, nicht mit befleckten Fußspuren bei sich wohnen, sondern er tilgt alle Makel des früheren Lebens und bewahrt rein für die Zukunft alle Schritte. Er allein ist es, den niemand verlassen oder vertauschen darf, er, dem wir gerne zurufen: ‚Herr, wohin sollen wir denn gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir glauben!‘.“

Text: Pius Parsch - Das Jahr des Heiles (II. Band) - Klosterneuburg b. Wien - 1952 – Ausgabe letzter Hand
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Von der Taufe zur Firmung25. Mai 2025: PFINGSTMONTAG (1. Klasse) – Stationskirche: San Pietro in Vincoli – Lesung: Apg 1...
25/05/2026

Von der Taufe zur Firmung
25. Mai 2025: PFINGSTMONTAG (1. Klasse) – Stationskirche: San Pietro in Vincoli – Lesung: Apg 10, 34; 42-48 / Evangelium: Joh 3, 16-21

Mit dem Pfingstfest schloss ursprünglich der Osterfestkreis, und wurden bald darauf die Quatemberfasttage des Sommers gehalten. Später dehnte man das Fest über die beiden folgenden Tage, Montag und Dienstag aus, und schließlich in der Zeit nach dem hl. Leo d. Gr. über die ganze Woche, ähnlich der Osteroktav. Eigentlich hätte heute, um die Konformität zwischen beiden Festen zu wahren, die Stationsfeier in St. Peter stattfinden sollen. Weil man aber nicht zwei Feste hintereinander im Vatikan feiern wollte, so wählte man die alte Basilika ad Vincula, wo sich die Ketten Petri befanden.

Die Lesung aus der Apostelgeschichte gibt die Predigt des Petrus im Hause des Hauptmanns Kornelius wieder. Es war damals eln entscheidender Augenblick: Bisher hatten die Apostel die Predigt des Evangeliums auf das Volk Israel beschränkt. Nun räumt die göttliche Vorsehung alle Hindernisse hinweg. Ein himmlisches Gesicht veranlasst den Apostelfürsten in der Familie eines heidnischen Hauptmanns den Glauben zu verkünden, und bei seinen Worten steigt der Heilige Geist auf die Neubekehrten herab und heiligt durch seine Charismen die Erstlinge der römischen Welt.

Der INTROITUS (Ps 80, 17), den später der hl. Thomas von Aquin in sein Fronleichnamsoffizium aufnahm, wendet sich an die Neugetauften, die gestern nach der hl. Taufe und Kommunion den süßen Trank von Milch und Honig verkosteten. „Der Herr speiste sie mit des Weizens Mark", d. h. mit der hl. Eucharistie, in der sich mit der Gottheit die hl. Menschheit Jesu verbirgt, die schönste Frucht inmitten des großen Getreidefeldes der menschlichen Familie.

ZUR KOLLEKTE: Gott hat den Aposteln den Heiligen Geist verliehen; er möge ihn nun gleicherweise auch dem christlichen Volk schenken. Der Heilige Geist kehrt aber nur in einer gläubigen Seele ein und bringt nur ihr die kostbare Gabe des Friedens. Jesus nennt diese Gabe „seinen Frieden", weil der Paraklet wie vom Vater so auch vom Sohn ausgeht. Dieser Frieden ist das Band zwischen Gott und der Seele, oder mit anderen Worten: er ist die Liebe, die heiligmachende Gnade. Mit Recht nennt daher der Apostel bei der Aufzählung der Früchte des Heiligen Geistes an erster Stelle den Frieden und danach die Freude, die aus ihm hervorgeht.


ZUR LESUNG: Die Predigt Petri im Haus des Hauptmanns Kornelius war von weittragendster Bedeutung. Handelte es sich ja darum, ob die neue Religion nur eine geistige Bewegung im Schoß Israels bleiben oder Christus über die nationalen Schranken hinaus allen Menschen ohne Unterschied des Landes oder Standes angehören sollte.

Gott selbst entscheidet die Frage durch ein Wunder: durch Ausgießung seines Geistes auf die Heiden. Das Heidenapostolat ist wohl in besonderer Weise Paulus anvertraut, dem Apostel der letzten Stunde. Die Initiative dazu muss aber von Petrus, dem Haupt der Kirche, ausgehen; darum kommt ihm heute die erste Rolle zu. Das Prinzip der Autorität muss gewahrt werden; die Ehre des hl. Paulus wird dadurch nicht geschmälert. Petrus predigt im Auftrag Gottes als erster den Heiden und ließ sie taufen.

ZUM EVANGELIUM: Jesu Gespräch mit Nikodemus. Der Erlöser weist den jüdischen Gesetzeslehrer auf die Notwendigkeit einer geistigen Wiedergeburt aus dem Wasser und dem Heiligen Geist hin. Der Heilige Geist ist die Liebe; ihm wird daher die Menschwerdung des Gottessohnes im Schoß der seligsten Jungfrau zugeschrieben. Die Welt aber ist voller Bosheit und sträubt sich, Gott wiederzulieben; durch diese Sünde wider den Heiligen Geist zieht sie sich die endliche Verwerfung zu, Welcher Gegensatz! Auf der einen Seite Gott: Licht, Wahrheit, Heiligkeit und Liebe, auf der anderen Seite die Menschen: freiwillige Verblendung, Ruchlosigkeit, Finsternis und Lüge. Mit Abscheu muss uns der Geist der Welt erfüllen!

SCHLUSSGEDANKEN: Die Verleihung der Charismen des Heiligen Geistes an die Heiden vor der Taufe war ein außerordentliches Wunderzeichen Gottes; es war notwendig in jenen Tagen, um die Kirche zu bestimmen, auch den Heiden die Pforten des Glaubens zu öffnen. Doch machte die Ausgießung der Gnaden des Parakleten, welche auf die geistige Taufe (Begierdetaufe) jener christlichen Streiter aus dem Heidentum folgte, den Empfang der von Jesus eingesetzten Wassertaufe nicht überflüssig.

Menschwerdung und Erlösung sind Werke der göttlichen Liebe, Werke des Heiligen Geistes. Das göttliche Feuer des Parakleten weiht und verzehrt das unschuldige Opferlamm, das sich für das Heil der Menschen am Kreuz darbringt. Gott liebt die Welt so sehr, dass er zu ihrem Heil seinen eingeborenen Sohn dahingibt. Und die Menschen? Sie begegnen dieser Liebe mit dem größten Undank, sie lieben die Finsternis mehr als das Licht.

Text: Ildefons Schuster - Liber Sacramentorum (IV. Band) – Regensburg - 1929

Vom Pfingstkind mit blutigen Schläfen  und melkenden Hexen24. Mai 2026: PFINGSTSONNTAG (1. Klasse) - Stationskirche: San...
24/05/2026

Vom Pfingstkind mit blutigen Schläfen und melkenden Hexen
24. Mai 2026: PFINGSTSONNTAG (1. Klasse) - Stationskirche: San Pietro in Vaticano - Lesung: Apg 2, 1-11 / Evangelium: Joh 14, 23-31

1. Pfingsten ist im christlichen Kirchenjahr der Schlusspunkt eines zusammengehörenden Zeitraumes, der mit Ostern beginnt und 50 Tage umfasst. Die Kirche feiert die Ausgießung des Heiligen Geistes über die Apostel und Jünger und damit den Geburtstag der ersten Christengemeinde.

In manchen Gegenden Siziliens ist es bis heute üblich, Rosen von der Decke der Kirche herabfallen zu lassen, um das Pfingstwunder zu veranschaulichen. Die Gläubigen nehmen diese Blumen mit nach Hause und benutzen sie getrocknet als Mittel gegen Feuer, Motten und Holzwürmer. In zahlreichen Kirchen Deutschlands schwebte bis in die neueste Zeit der Heilige Geist in Gestalt einer lebenden oder hölzernen Taube an einem Seil vom Chor oder der Kirchendecke hernieder. Wohin der Vogel, wenn er nicht mehr schaukelte oder sich drehte, blickte, von daher, hieß es [im baden-württembergischen] Tannheim, werde man die erste Leiche tragen. In Augsburg kam neben der Figur des Heiligen Geistes auch Zucker- und Backwerk herab.

In Schwyz bringt während der Pfingstwoche der Küster den »Heiliggeist« in Form eines großen Kreuzes in die Häuser. Das Haus wird durchräuchert, damit der Geist darin Wohnung nehme. Zum gleichem Zweck muss man in Oldenburg am Pfingstfest die Haustür lange offenstehen lassen. Die Russen füllen die Kirchen mit Ahornzweigen an; der Geist soll über diese herabfahren. Ähnlich wird in Totzau bei Karlsbad die Wohnung mit Zweigen geschmückt, damit der Heilige Geist ausruhen kann.

Am Pfingstsamstag nachmittags soll man nicht auf das Feld gehen, behaupten die Bauern am Isonzo, denn man verscheucht sonst den Heiligen Geist, der sich über die Felder ergießen will. Im Ybbstal in Niederösterreich steigt man am Pfingstmorgen auf die Berge, um den Heiligen Geist anzurufen. Man nennt das »Heiligen-Geist-Fangen«. Die Stöckerer – so spottet man in Windischgarsten – standen einst am Pfingsttag sehr früh auf, um den Heiligen Geist zu fangen, der vor Sonnenaufgang umflöge.

In älteren Zeiten waren in der ganzen Woche nach Pfingsten die knechtlichen Arbeiten verboten. Es ist wohl noch ein Nachklang davon, wenn an der Nahe und Blies auch noch am Mittwoch nach Pfingsten niemand im Feld arbeiten darf. Pflügt man an diesem Tag oder arbeitet man in einer Wiese, so wird alles voll Maden. Die Russen halten es für Sünde, am 10. Mai oder am Pfingstmontag zu graben oder zu pflügen; dann hat die Erde Namenstag. Im Erzgebirge soll man am ersten Pfingsttag auch nicht mähen, sonst sind alle gegen ein Gewitter angewandten Schutzmittel umsonst.

2. Die 50 Tage von Ostern bis Pfingsten galten der Kirche von alters her als Freudenzeit. Der erste Pfingsttag ist ein besonderer Glückstag, die an ihm Geborenen sind Glückskinder. Wer in der Zeit von Ostern bis Pfingsten stirbt, muss in seinem Leben gut gewesen sein. In dieser Zeit stehen alle Tore zum Himmel offen, das Höllentor aber ist verschlossen. Die Seele fliegt mühelos in den Himmel. Man kann sie aber auch während dieser Zeit um sich haben, wenn man ihr in der Osternacht Wasser auf die Schwelle stellt.

Dagegen gilt in Hofen (Aalen) die Woche vor Pfingsten (Schwarzwoche) als Unglückswoche für Hochzeiten. Bei den Siebenbürger Sachsen darf man sogar zwischen Ostern und Pfingsten nicht heiraten und seine Wohnung nicht wechseln. An der oberen Mühle bei Thale ertrinkt jedes Mal zu Pfingsten ein Kind, wenn nicht ein Huhn, ein Hund oder eine Katze in die Bode geworfen wird. Geister und Spukerscheinungen werden sichtbar. Am Pfingstsonntag geht die wilde Jagd um. Auf der Feste Coburg zeigt sich in der Frühe des Pfingsttages ein dreijähriges Kind mit blutigen Schläfen im weißen Hemd, mit einem Zweig weißer Holunderblüten; wenn ein Mädchen es erblickt, bekommt es dieses Jahr keinen Mann.

In einer Schlossruine bei Laufen lässt sich das »Schlossweible« in der Zeit nach Pfingsten einen ganzen Monat lang nachts von 0–3 Uhr hören. Die Schatzjungfrau kann Pfingsten um die Mitternachtsstunde erlöst werden. Die Schatzblume blüht in den Pfingstnächten, der Schatz zeigt sich, ein Schatzsucher wird im Innern des Berges von Zwergen getötet. Am Pfingstsonntag erhält man den Spiegel, in dem der Ort des vergrabenen Schatzes erblickt werden kann; Schatzhüter kommen hervor, so dass man von ihren Schätzen nehmen kann, was man gesehen hat. Versunkene Städte steigen aus Seen, Glocken läuten im Wasser oder kommen empor. Ein weißer Kahn mit Insassen wird in der Pfingstnacht auf dem Teich in Schöller sichtbar. Im Spessart hört man am Pfingstmontag bis heute das kochende Wasser auf dem Herd eines versunkenen Hauses.

Bei den Balkanvölkern ist der Name des römischen Rosenfestes, Rosalia, zur Bezeichnung des Pfingstfestes verwandt worden und hat sich in den Namen böser Geister umgewandelt. So wohnen in Weißrussland die Rusalky inmitten der Flussgewässer. Am Pfingstmontag kommen sie heraus und verweilen auf dem Land bis zum Peterstag. Sie sind gefährlich, deshalb dürfen die Ruthenen die ganze Pfingstwoche hindurch auf keine Stimme im Wald antworten. Vor allem treiben die Hexen ihr Wesen. Sie versammeln sich auf Kreuzwegen, um dort ihre Tränke zu brauen. Nach dem Glauben der Zigeuner feiern sie in der Pfingstnacht ihr Jahresfest. Deshalb muss man am Abend vor Pfingsten die Schwelle mit Salz bestreuen und mit Knoblauch einreiben, so dass die »Bösen« den »Segen Gottes«, der in dieser Nacht vom Himmel fällt, nicht vom Haus nehmen können.

Man soll am Pfingstheiligenabend nicht abfüttern und nichts ausborgen. Am Pfingstsonntag melken die Hexen die Kühe auf der Weide und verwandeln sich dabei in Säugetiere. An vielen steirischen Orten ist es daher Sitte, dass am Pfingstsonntag vor Aufgang der Sonne die Kühe im Stall von der Bäuerin mit einer frischen Birkenrute auf den Rücken gestrichen werden, um sie das ganze Jahr vor Verhexung zu sichern. Zu dem gleichen Zweck speien die Zigeuner der Bukowina am ersten Pfingsttag auf ihre Haustiere und gießen ihren Urin in die vier Ecken ihrer Wohnungen und Viehställe. In einigen Gegenden Unterkrains fürchtet man am Pfingstsonntag vormittags die Kühe auf die Weide zu treiben, denn es könnten Hexen sie melken kommen und dann gäben sie das ganze Jahr hindurch Blut statt Milch. Durch den Laubschmuck der Kirche hindurch kann man zu P. die anwesenden Hexen sehen.

Schießen und das an vielen Orten geübte Peitschenknallen soll die bösen Mächte vertreiben. Wenn man am Pfingstmorgen eine Handvoll Bohnen über das Hausdach wirft oder auf die Zaunpfähle die Schädel gefallener Pferde und Rinder steckt, können Hexen und Teufel den Hofraum nicht überschreiten. Auch das in der Pfingstnacht geübte mutwillige Verstellen von Sachen ist vielleicht ursprünglich ein Abwehrzauber. Die Nacht auf den Pfingstsonntag heißt im oberen Mühlviertel (Oberösterreich) die »Unruhnacht«, auch »Beosetnacht«. Die jungen Burschen streifen singend und jauchzend in der Pfarrei herum und stellen die »Geiß« aufs Dach hinauf oder den Wagen. Auch im Innviertel heißt die Nacht die »Bosheitsnacht«, weil da allerlei Schabernack geschieht.

3. Eine besondere Pflege der abgeschiedenen Seelen zu Pfingsten kommt namentlich bei verschiedenen Völkern der Balkanhalbinsel und in Russland vor, wo der Name des römischen Festes der Rosalia zur Bezeichnung der Pfingsten geworden ist. In fast allen Ländern der griechischen Kirche wird ein Totenfest mit Weihung von Broten, Friedhofsbesuch, Spielen und Tänzen am Sonnabend vor Pfingsten begangen. Bei den Sorben dagegen ist es am Pfingstnachmittag überall stumm. Die Leute besuchen den Gottesacker; es ist ein Bußtag. In der Frühe des Pfingsttages begehen die Zeltzigeuner Osteuropas ein Totenfest. Jeder geht vor Sonnenaufgang für sich allein zu einem Baum oder Felsen und zerschellt an ihm so viel Eier, als er Verwandte zählt, an deren Tod er sich noch erinnern kann. Diese Eier werden gewöhnlich aus Lerchennestern genommen, denn die Lerche ist der Lieblingsvogel der noch nicht ins Totenreich gelangten Seelen.

Damit man das ganze Jahr hindurch keinen Brotmangel leide, schütteln im Kalotaszeger Bezirk (Ungarn) zwanzig bis dreißig Frauen ihre Mehlsäcke in einen Sack ab, der dann am Pfingstabend von einer Frau auf den Friedhof getragen wird, wo sie den Mehlstaub auf ein beliebiges Frauengrab schüttelt. In Deutschland scheinen nur vereinzelte Spuren einer Gedächtnisfeier für die Toten um Pfingsten vorzukommen.

4. Eine große Menge von Volksbräuchen, die der Frühling überhaupt und insonderheit der Mai ins Leben gerufen hat, hat sich namentlich an das Pfingstfest angeheftet. Die Häuser werden geweißt und gereinigt und mit Pfingstbesen (Ginster) gekehrt. Neue Wäsche anziehen bringt Glück. Neue Kleider stehen am feinsten. Alles wird mit grünen Maien geschmückt. Der Pfingststrauch, der zuerst ausgesteckt wird, ist der beste; er wird aufbewahrt, und seine Blätter sollen schlimme Wunden heilen. Nach neun Tagen soll man die Zweige auf die Tenne werfen, dann fressen die Mäuse nicht das Getreide. Ruten aus Pfingstmaien sind in der Kindererziehung besonders wirksam; Pfingstmaien an den Haustüren und Kammerfenstern halten das Böse ab und bringen Segen. Wenn man sie im Hause aufbewahrt, schlägt der Blitz nicht ein. Wenn man die Garben einzufahren beginnt, legt man als Schobergrundlage die Birkenzweige hin, mit denen die Häuser am Pfingsttage geschmückt worden sind.

In der Krone des Pfingstbaumes schwebte früher eine hölzerne Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes. Bei den Sorben muss er am Pfingstabend gestohlen sein, sonst gilt er nicht für voll, und nachts 12 Uhr aufgerichtet sein. Der Gemeindebaum wird nachts bewacht, damit er nicht gestohlen wird. Wenn aber die Pfingstsonne über ihm aufgegangen ist, darf er nicht mehr entwendet werden. Ebenso gefährdet ist die Pfingsthütte, das Laubgestell, in das ein Bursche hineingesteckt ist, im Fricktal (Aargau), und der Pfingstbutz. Jung und alt wandert in den Wald, auf Berge und Höhen, an Brunnen und Quellen und zu Höhlen zum frohen Empfang des Lenzes. Zum Schulenstein, einer Höhle an der Hönne, zieht die Jugend der Umgegend am ersten Pfingsttag mit Strohschofen, die mit Birkenreisern umwunden sind, und zündet sie in der Höhle an. Manche Bräuche deuten selbst in der Pfingstzeit noch auf einen Kampf zwischen Sommer und Winter. Auch das Todaustragen spielt sich noch hier und da ab. Dabei werden Vertreter des Frühlingssegens in verschiedener Gestalt getötet und ihre Kraft dadurch frei und wirksam gemacht. In mannigfachen Formen vollzieht sich der Wasserzauber, vor allem an den menschlichen Vertretern des pfingstlichen Vegetationsgeistes, und der segenbringende Schlag mit der Lebensrute. Die Fruchtbarkeit des Ackers wird mit magischen Mitteln gefördert. Bei der katholischen Bevölkerung im Zobtener Halte ist es Brauch, dass am Pfingsttag, sobald die Mittagglocke geläutet wird, die Bauern unter freiem Himmel im Garten und auf der Feldflur ein bestimmtes Pfingstgebet verrichten.

Wer am Pfingstsonntag vor Sonnenaufgang um des Nachbars Feld geht, eignet sich dadurch dessen Wachstum an. In Trappold werden die Fruchtbäume am ersten Pfingsttag während des Mittagläutens mit einem Strohband umwunden. Junge Paare rollen sich den Hügel hinab. In einigen Dörfern der Grafschaft Hohenstein tritt die »Altweibermühle« in Tätigkeit. Junge Hausväter werden gehögt, aber ältere Junggesellen und Jungfrauen kriegen eine Strohpuppe aufs Dach.

Auch der menschlichen Gesundheit ist Pfingsten förderlich. Gundelrebe, an Pfingsten während der Predigt gepflückt, vertreibt Krankheiten. Durch Hinlegen eines über die leidende Stelle gestrichenen Lappens auf die Mitte eines Weges in der Pfingstnacht vertreiben Zigeuner Hautleiden und dergleichen. Auch andere Mittel, um sich vor Krankheiten zu schützen, beschaffen sich die Zigeuner in der Oster- und Pfingstwoche und glauben sogar, in den Pfingstnächten sich die Gabe der Unsichtbarkeit aneignen zu können.

Wie zu Ostern, so sind auch zu Pfingsten Eierspeisen und -gebäcke besonders beliebt und werden an Nahstehende verschenkt. Die Kinder erhalten von ihren Paten bunte Eier. Die Mädchen, die ihren Burschen die Ostereier geschenkt haben, sind jetzt verpflichtet, ihnen ein Backwerk, Pfingstkränzchen genannt, zu verabreichen. Örtlich sind bestimmte Speisen herkömmlich. In Tirol Muss am Pfingstsamstag abends Maibutter auf den Tisch kommen. Wenn man Eierkäse isst, dann geben die Kühe viel Milch. Am Pfingstmorgen muss man stillschweigend vor Sonnenaufgang einen Apfel verzehren, so wird man immer gesund bleiben.

Christian Weise behauptet, Leute zu kennen, die in der Meinung stehen, wenn sie nicht an der Pfingstmittwoche Schollen mit Knoblauch äßen, so würden sie noch dasselbe Jahr vor Martini zu Eseln. In Buchonien wird in Eierbier »die Stärk getrunken«. Am Trinken der »Schöne«, das im Welzheimer Walde am Pfingstmontag im Wirtshaus vor sich geht, sollen nur unbescholtene Mädchen teilnehmen. In Salzburg geschieht es so lange, bis man vom Stuhle fällt. Im Zürcher Oberland verabreichen die Bauern den Armen die »Pfingstmilch« im Glauben, dadurch ihrerseits reichen Milchertrag zu haben. Am Pfingstsamstag wird geweihte Kreide, Salz und Brot mit einem geweihten Kranz verbrannt und die Asche den Tieren eingegeben. Am ersten Pfingsttag sammelt man »Andermannhansch« und kocht davon Tee fürs Vieh.

In der Gegend um Lauben und Berwang ließen früher an Pfingsten die Bauern vielfach Rossnägel weihen, die dann beim Beschlagen der Rosse verwendet wurden. Man glaubte, diese würden dann den Sommer über nicht »verkrummen« d.h. krumm gehen. Mädchen und Burschen sollen auf dem Weg zur Kirche und auf dem Heimweg laufen und miteinander scherzen, damit das Vieh recht munter wird.

5. Pfingsten ist vor allem eine Festzeit für die Hirten. Sie halten an vielen Orten am Pfingstmorgen ihren ersten Austrieb, und öfters ist schon von Ostern an eine besondere Weide freigehalten, die erst am Pfingsttag betreten und benutzt werden darf, ein Ort von besonderer Heiligkeit und Kraftwirkung. Wetteifernd sucht jeder die Weide zuerst zu erreichen. Spät aufstehen gilt – und nicht nur bei den Hirten – als Schande, und der Langschläfer kriegt einen Spitznamen oder wird anderweitig bestraft. Der zuletzt antreibende Hirt, die zuletzt erscheinende Melkerin verfallen dem Spott.

Die erste Kuh wird bekränzt, wie vielfach das Vieh überhaupt. In Fußgönheim (Ludwigshafen a. Rh.) wird am Pfingstmontag morgens alles Vieh, sogar die Hunde, mit Kränzen geschmückt in Dorf und Feld herumgeführt, bei schönem Wetter oft von früh 5 bis mittags 12 Uhr. Alsdann werden die Tiere wieder in den Stall gebracht und mit jenen Kränzen gefüttert. Im Lüdenscheidschen erhalten die Kühe weiße Besen an die Hörner; mit diesen wird durchs Haus gekehrt, worauf man sie vor, über oder neben der Kuhstalltür aufhängt; sie werden auch noch mit Eichen- und Stechpalmzweigen geschmückt. An vielen Orten halten die Hirtenjungen – freilich nicht diese allein – einen Umzug durch das Dorf und sammeln dabei Gaben, namentlich Eier, ein. Dabei wird oft ein Tier mitgenommen. Weit öfter wird ein in Laub gekleideter Bursche umgeführt, der unter den verschiedensten Bezeichnungen den neuerstandenen Wachstumsgeist verkörpert.

6. Eine besondere Loszeit ist Pfingsten nicht gerade. In der Nacht von Pfingstsonntag auf -montag gehen die Eheleute mit der Laterne in den Wald; wenn sie den Mond sehen, stirbt der Mann früher. Der Zukünftige erscheint, wenn man sich in derselben Nacht einen Kranz von neunerlei Blumen aufs Haupt setzt. In Frankreich nehmen die Mädchen Liebesorakel an der Quelle vor. Nach dem Glauben der Zigeuner sollen, wenn am Pfingstmorgen Wolken am östlichen Horizonte schwimmen, in dem Jahr viele Mädchen ledig bleiben. Daher suchen die Mädchen sie durch Werfen von grünen Zweigen zu verscheuchen. »Sind die Pfingsten rot, ist Jakobi tot« heißt es in der Steiermark und in Tirol: »Schönes Wetter verspricht eine gute Ernte«

Text: Hanns Bächthold-Stäubli (Hrsg.), Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens (Band 6), Berlin u. Leipzig, 1935

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