01/11/2024
Beerdigungen in den 1930er Jahren in Frankenbach
Leichenbeschauer in Frankenbach war August Gmelin
Leichenfrauen waren Frau Schwarz (Schwarze Resie) und Frau Gmelin.
Als es noch keine öffentlichen Leichenhäuser gab, mussten die Toten zuhause aufgebahrt werden. Fand die Beerdigung statt, versammelten sich die Familienangehörigen, Verwandten, Freunde und Trauergäste vor dem Haus.
Daraus entstand der Leichenzug.
Die Abwicklung verlief dann nach folgendem Ritual:
Der Leichnam wurde aus dem Haus getragen und auf den Schemeln, die die
Leichenfrau dabei hatte, abgestellt. Danach formierte sich der Zug. Die Träger, in der Regel 6 Mann, nahmen den Sarg mit dem Toten auf. Träger waren Angehörige, Verwandte, Freunde, Vereinskameraden oder bestellte Träger.
Nun setzte sich die Leichenfrau an die Spitze des Zuges und der letzte Gang nahm seinen Anfang. Nach dem Sarg kam als erster der Pfarrer, dann die Familienangehörigen, Verwandte und Leidtragende. War der Weg bis zum Friedhof lang, musste der Leichnam mehrmals auf den Schemeln abgestellt werden, um den Trägern eine Verschnaufpause zu geben. Befand sich der Trauerzug auf der Hauptstraße, war es üblich, dass der Ortsbüttel (Friedrich Schmid), dem Zug voraus ging und für freies Geleit sorgte. Solang der Zug zum Friedhof unterwegs war, läuteten die drei Kirchenglocken. Dies war nicht einfach, denn die Vorwärtsbewegung konnte von der Kirche aus nicht eingesehen werden. So war es üblich dass Posten aufgestellt wurden, in Frankenbach benötigten wir bei der damaligen Größe 5 Mann, in der Regel Schüler der letzten Schulklasse, die mit dem Winken ihrer Taschentücher die entsprechenden Zeichen gaben. So war es keine Seltenheit, dass die 6 Schüler der 8. Klasse, die die 3 Glocken läuteten, gut 15 Minuten in Aktion waren. War der Leichnam vor seiner letzten Ruhestätte abgestellt, wurde das Läuten eingestellt.
Nach der Beerdigung war es damals üblich, dass Brot und Käse an die Träger und gute Bekannte ausgetragen wurde.
Auch die Worte „Es war wirklich eine schöne Beerdigung “ hörte man kaum.
Friedrich Wieland