03/06/2026
WORTmeldung von Predigerin i. Ehrenamt, Dr. Birgit Hoffmann, für Mittwoch, den 3. Juni 2026
Ab jetzt werden die Sonntage wieder mit „ x-ter nach Trinitatis“ gezählt. Trinitatis:„Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist“. Kein biblisches Fest, sondern päpstlich eingeführt vor 1000 Jahren, um eine Ansicht zu manifestieren.
Kurt Marti, reformierter Schweizer Pastor und Schriftsteller, hat mich damit versöhnt.
Er sieht es so::
„Dreieinigkeit?
Ein Männerbund empören sich die Frauen.
Zu Recht.
Zu Recht.
Und dennoch:
entwarf diese Denkfigur
die unausdenkbare Gottheit nicht
als Gemeinschaft, vibrierend, lebendig
beziehungsreich?
Kein einsamer Autokrat jedenfalls,
schon gar nicht Götze oder Tyrann!
Eine Art Liebeskommune vielmehr,
einer für den andern,
»dreifach spielende Minneflut«
Mich stellt’s jedenfalls auf,
Gott als Beziehungsvielfalt zu denken,
als Mitbestimmung, Geselligkeit,
die teilt, mit-teilt, mit anderen teilt:
»die ganze Gottheit spielt
Ihr ewig Liebesspiel.«
Und insofern:
niemals statisch,
nicht hierarchisch,
actus purus,
lustvoll waltende Freiheit,
Urzeugung der Demokratie.“
Ein geselliger Gott – Urzeugung der Demokratie,
eben ein Bild von Gott und ein Vorbild für unsere Gesellschaft."
(Aus: Kurt Marti, Die gesellige Gottheit)
Greift man das auf, so wird die Dreieinigkeit ganz sympathisch: quasi ein dreigeteilter Arbeitsauftrag. Oder, wie es heute ganz modern heißt, ein multiprofessionelles Team aus „Gott Vater, Sohn und heiliger Geist“.
Und sogar ziemlich divers: das Bild von Gott, nach dem er schuf, war Mann wie Frau. Der Geist, der Ruach, ist im Hebräischen weiblich. Und ein Sohn ist eben ein Sohn. Da wird aus Dreieinigkeit Diversität. Oder wie es Marti sagt: Beziehungsvielfalt.
Und dann der Führungsstil: Herrscht einer, so gibt es nur die eine Perspektive, leiten mehrere gemeinsam, kommt die Tiefenschärfe ins Bild. Auch gerät weniger aus dem Blick. „Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist“:…..Ganz klar: Gott ist Teamplayer.
Fast wie Gemeindevertretung, Presbyterium und ein Vorsitz obendrein. Keiner leitet hier allein.
Dann kommt glatt der Verdacht auf: Könnte sich in die Dreieinigkeit etwa ein reformierter Geist hineingemogelt haben?