30/07/2026
SFG UNTERWEGS
Weiterbildung zum Väterpädagogen
🧑🧒 Immer mehr Väter wollen eine aktive Rolle in der Kindererziehung übernehmen. Wie können sie dabei unterstützt werden, die Beziehungen mit ihren Kindern zu stärken? An dieser Frage orientiert sich die mehrmonatige „Weiterbildung zum Väterpädagogen“, an der unser Kollege Lucas Schucht, Referent für Männlichkeitsperspektiven am Studienzentrum, teilnimmt. Im Rahmen der Weiterbildung sammelt er Eindrücke zu den Lebenswirklichkeiten von Vätern und lernt die Praxis der Väterarbeit kennen.
Seminar am Niederrhein
🏡 Die Weiterbildung wird gemeinsam vom Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen, der Evangelischen Erwachsenenbildungsstätte Nordrhein und der Evangelischen Hochschule Bochum durchgeführt. Anfang Juli fand ein viertägiges Präsenzseminar in der Jugendbildungsstätte Forsthaus Hasenacker am Niederrhein statt.
Biographischer Zugang zum Thema
👴Ziel der Fortbildung ist es, die Teilnehmer dazu zu befähigen, moderne und vätergerechte Angebote zu entwickeln und durchzuführen. Das Programm des intensiven Lehrgangs bot eine bunte Abwechslung aus Praxis und Theorie. Der Einstieg erfolgte über persönliche Themen und die Beziehung zum eigenen Vater – dabei zeigte sich direkt zu Beginn wie vielfältig die Beziehungen zum eigenen Vater sind und wie unterschiedlich auch die Rolle als Vater gelebt wird. Die Teilnehmer erzählten von biologischen und sozialen Vätern, abwesenden Erzeugern, liebevollen Stief- und Großvätern.
Gesellschaftliche Anforderungen an Männer
♂️ Der Referent Prof. Dr. Thomas Viola Rieske (Evangelische Hochschule Bochum) gestaltete einen Workshoptag, der auf besonders große Resonanz stieß. Im Workshop vermittelte er praxisrelevante Hintergründe aus der Männlichkeits- und Väterforschung. Er zeigte unter anderem auf, wie schädlich der gesellschaftliche Anspruch an Männer ist, stets souverän sein zu müssen. Die Erwartung, alles immer unter Kontrolle haben zu müssen, keine Schwäche zu zeigen und nicht um Hilfe bitten zu können, kannten alle Teilnehmer aus eigener Erfahrung.
Vielfältige Lebensrealitäten
🤝Auch die vielfältigen Lebensrealitäten von Vätern fanden Eingang in den Workshoptag – von alleinerziehenden Vätern, über trans Männer, die ihr Kind selbst ausgetragen haben, bis hin zu Vätern in hohem Alter. Die Teilnehmer entwickelten Ideen für pädagogische Angebote, in denen sie die unterschiedlichen Bedürfnisse und Herausforderungen berücksichtigen können.
Aktivierende Spiele und Erlebnisgestaltung
🏓🎶 Praktische Aktivitäten und Spiele, die auch in der Arbeit mit Vätern und Kindern verwendet werden können, lockerten das Programm immer wieder auf – vom vertrauensbildenden blinden Führen durch einen Hinderniskurs über aktivierende Schwungtuchspiele bis hin zu gemeinsamem Singen und Tanzen. Die Weiterbildungsleiter Jürgen Haas und Christian Brocks zeigten den Teilnehmern zudem, wie sich gemeinsame Väterrunden produktiv leiten lassen.
🎓 Die Tage am Niederrhein bilden die Basis für die weiteren Module, in denen unter anderem die Prävention sexualisierter Gewalt, die Hospitation bei einem Vater-Kind-Wochenende und eine Abschlussarbeit auf dem Programm stehen. Die Teilnehmer können hier wichtige Impulse mitnehmen, um Väter in den Beziehungen mit ihren Kindern zu stärken und eine stärker gleichberechtigte Partnerschaft zu ermöglichen. Die Weiterbildung schließt im März 2027 mit einer Abschlusspräsentation und einem Zertifikat ab. Die hier gesammelten Anregungen und Perspektiven fließen künftig auch in unsere Forschung und Arbeit am Studienzentrum ein.
💡Lucas Schucht nimmt vor allem die folgenden Impulse mit:
• Das Sprechen über eigene Erfahrungen mit Männlichkeitsanforderungen kann Widerstände abbauen bei der Reflexion von Rollenbildern für Männer, Väter und Jungen.
• Väterarbeit bietet einen lebensweltnahen und niederschwelligen Zugang für eine geschlechtersensible Arbeit mit Männern, die andernfalls schwer zu erreichen sind.
• Väterrollen sind genau wie Männlichkeitsentwürfe vielfältig – diese Vielfalt sollte gefördert werden.
Männerarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen