21/12/2025
4. Advent 2 Josefs träumen…4. Advent A 2025
Zwei Träumer. Zwei besondere.
Zwei, deren Väter schon den gleichen Vornamen trugen, nämlich Jakob.
Zwei nicht typische Männer; zwei, die ihren eigenen Weg gehen;
zwei, die der Rettung den Weg bereiten.
Es geht um die beiden großen Josefs in der Bibel.
Der eine mit seinen elf Brüdern, so etwas wie eine Reizfigur.
Sein Vater liebt ihn über alles, schenkt ihm ein besonderes Kleid,
das wörtlich mit Prinzessinnenkleid übersetzt werden muss.
Er ist anders als seine Brüder, weicher, weiblicher, träumt.
Kein richtiger Mann in den Augen seiner männlichen Geschwister,
die ihn nicht mögen, die ihn los werden wollen,
zunächst vorhaben, ihn umzubringen, ihn aber dann verkaufen.
Später wird die Gabe des Josefs, Träume zu haben und zu deuten,
ihm nicht nur Verstoßung bringen wie in jungen Jahren,
sondern seine Familie vor Hunger retten -
und es kommt zur großen Versöhnung.
Der andere, Josef aus Nazaret,
gerät - irgendwie unbeteiligt - in eine Situation, in der er sich anders verhält,
als es das Gesetz vorsieht.
Nach jüdischem Recht hätte Josef Maria, als sie schwanger wird,
wegen Ehebruchs bloßstellen können mit harten Strafen als Folge.
Diesem Recht folgt er nicht - es liegt ihm fern, Maria anzuprangern.
Selbst sein Vorhaben, sich in aller Stille von ihr zu trennen,
kommt aufgrund eines Traumes nicht mehr für ihn in Frage.
Auch dieser Josef verlässt damit die Rolle, die seine Zeit für Männer vorsieht.
Zwei Träumer.
Zwei, die sich anders verhalten, als man von ihnen erwartet.
Zwei, die im wahrsten Sinne des Wortes aus der Rolle fallen.
Zwei, denen ihre von Gott zugedachte Rolle nicht leicht fällt.
Zwei, die mit Sicherheit viele Tränen vergossen haben:
Der eine, weil seine Brüder ihn verstoßen, da er nicht in ihre Welt passt;
der andere, weil er nicht einordnen kann,
was da gerade geschieht mit seiner Verlobten, von der er nicht weiß,
von wem das Kind ist, das sie erwartet.
Beide geben nicht auf. Beide lassen sich führen.
Beide retten durch ihre Träume Leben:
Josef in Ägypten, in dem er den Traum des Pharao
von den sieben fetten und den sieben mageren Jahren deutet,
und somit gelagertes Korn viele Menschen vor der Hungersnot bewahrt;
Josef aus Nazaret, in dem er Maria beisteht
und hernach mit Frau und Kind - wieder aufgrund eines Traumes -
nach Ägypten flieht und ihnen das Leben rettet.
Lebensdienliche Träume sind von Gott geschickte Träume.
Doch davon, dass sich in Träumen göttliche Botschaften verbergen können, war schon zu biblischer Zeit nicht jede und jeder überzeugt.
„Träume haben viele Menschen betrogen, und gescheitert sind,
die darauf hofften“ heißt es im Buch Jesus Sirach (34,5ff).
Darum begegnen uns in diesen beiden Josefs
auch zwei selbstbewusste Menschen.
Sie lassen sich nicht als Spinner und Träumer abstempeln,
sie gewinnen ihren Träumen etwas ab.
Erst am Ende ihrer Lebensgeschichten erfahren wir,
dass es gut war, dass diese beiden ihre Träume
als wegweisend erfahren und verstanden haben.
Und nicht zuletzt sind es bei beiden Josefs großartige Liebesgeschichten:
Das Weinen des Josef,
als er seine Brüder in Ägypten erkennt, als sie Getreide kaufen wollen,
und die Versöhnung mit seiner Familie;
und der in der Bibel wortlose Josef,
der mit Maria diesen nicht gewöhnlichen Weg geht
und sich ihr in Liebe verbunden weiß.
Zwei Träumer. Zwei besondere.
Das Leben kennt mit Sicherheit noch viel mehr Träumerinnen und Träumer,
die offen sind für Botschaften, die uns erreichen,
wenn unser Verstand sie nicht hinterfragen
und die Realität nicht widersprechen kann.
Die beiden Josefs können uns bewegen, Träume nicht aufzugeben:
nicht den Traum vom Frieden - entgegen aller Erfahrung,
nicht den Traum von Erfüllung - angesichts um sich greifender Leere,
nicht den Traum von Liebe, die allen Menschen gilt.