09/08/2026
In besonderer Mission ist Dr. Holger Kempkens, Direktor des Diözesanmuseums Paderborn, an einem Vormittag in diesem Sommer in Corvey gewesen.
Zusammen mit der Standortleiterin für das karolingische Westwerk und die barocke Abteikirche, Annika Pröbe, und der restauratorischen Fachbauleitung Karen Keller nahm er zielstrebigen Schrittes Kurs auf die Dauerausstellung zum Jahrtausend der Mönche im Obergeschoss des Schlosses und öffnete im Ausstellungsteil über die zweite Blütezeit des Klosters im Barock eine der Vitrinen.
Der Schaukasten enthält eine kostbare kolorierte Handschrift: das Gratulationsschreiben der Jesuiten des mit Corvey verbundenen Klosters Falkenhagen anlässlich der Erhebung Florenz von dem Veldes zum Fürstabt im Jahr 1697.
Selbstverständlich sind die fast 330 Jahre ihres Bestehens nicht spurlos am Deckblatt und den Buchseiten vorübergegangen. Damit er nicht noch mehr leidet, darf der kostbare Kodex nicht dauerhaft dem Licht ausgesetzt werden. Deshalb gibt er sich in der im März 2024 eröffneten, neu konzipierten Dauerausstellung von nun an nicht mehr höchstselbst die Ehre. Dr. Kempkens nimmt die Handschrift nach zwei Jahren und vier Monaten mit nach Paderborn, „um sie ins lichtgeschützte Depot des Museums zurückzubringen“.
Mit leeren Händen ist der Direktor in dieser Mission aber nicht gekommen. Denn er hat einen „Zwilling“ dabei – mit den gleichen Gebrauchsspuren wie das Original. Dieses frappierend ähnliche Faksimile ersetzt jetzt die kostbare Handschrift. Ein Aufsteller macht den Tausch kenntlich.
Während die Handschrift – aus gutem, konservatorischem Grund – die Heimreise antrat, bekommt ein anderes Exponat Verlängerung: Der Abtsstab des Florenz von dem Velde von 1702 sollte für zwei Jahre aus dem Paderborner Domschatz in die Ausstellung entliehen werden. Diese Zeit ist längst um. „Das Domkapitel hat eine Verlängerung der Leihfrist genehmigt“, kündigt Standortleiterin Annika Pröbe an.
Auf unserer Homepage berichten wir ausführlich: https://welterbewestwerkcorvey.de/aktuell/
Ein Besuch der Dauerausstellung lohnt sich.