15/06/2026
Liebe Mitchristen!
Haben Sie schon einmal eine Schafherde ohne
Hirten beobachtet? Gerade im Herbst und im
Frühjahr lassen sie sich beobachten, wenn sie am
Abend, von ihrem Hirten eingepfercht, auf einer
Wiese stehen. Mir fällt dabei immer wieder auf, dass
Schafe ohne Hirten enger zusammenrücken.
Wie Schafe ohne Hirten, so kommen sich etliche
Gläubige in unserer Kirche heute vor in Anbetracht
von Priestermangel und der Zusammenlegung von
Pfarreien zu großen Pastoralen Einheiten. „Wie soll
das nur weitergehen?“ Banges Fragen nach der
Zukunft unserer Gemeinden. Manche Christen
fühlen sich da allein gelassen, eben wie Schafe ohne
Hirten, ohne einen, der den Weg kennt, der führt und
begleitet. Und wie viele Verantwortliche in den
Gemeinden kommen sich vor wie im Evangelium:
müde, erschöpft und besorgt, ohne jemanden an der
Seite, der eine Idee davon hat, wie es in Zukunft
gehen kann.
Liebe Mitchristen, ich denke, wir können von den
Schafen ohne Hirten lernen. Schafe, die sich allein
fühlen, rücken enger zusammen. Wir könnten enger
zusammenrücken und dabei gegenseitige
Unterstützung hautnah erfahren. Das bringt
Chancen für das Leben in unseren Gemeinden mit
sich: wir nehmen die Schwestern und Brüder
intensiver wahr, wir entdecken die unterschiedlichen
Begabungen und können sie gegenseitig nutzen. Da
gibt es z.B. Menschen, die Traurige trösten können,
die Kranke besuchen und aufmuntern, andere, die
ein besonders Talent im Organisieren und Planen
haben, wieder andere, die Freude daran haben,
Gottesdienste zu gestalten, um so die Nähe Gottes
mitten unter uns erfahrbar zu machen.
Zusammenrücken können auch einzelne
Gemeinden und so die Vielfalt an buntem
Gemeindeleben entdecken. Auch darin liegt eine
Chance für uns heutige Christen: In der einen
Gemeinde liegt der Schwerpunkt mehr auf
Familienarbeit, weil sich dort Familien finden und
miteinander das Leben im Glauben gestalten wollen.
Die Nachbargemeinde macht sich für Menschen in
der Lebensmitte stark, die z.B. Neuorientierung und
Zukunftsaussichten suchen. In wieder anderen
Gemeinden werden besondere Gottesdienstformen
gepflegt und viele andere Möglichkeiten.
Liebe Mitchristen, vielleicht können dann solche
Gemeinden, die sich wie Schafe ohne Hirten fühlen,
entdecken, dass es mitten unter ihnen Hirten gibt, die
mit ihnen in die Zukunft gehen wollen.
Wie ermutigend und bereichernd wäre es, solche
gemeinsamen Erfahrungen in der Zukunft zu
machen.
Eine gute Woche wünscht Ihnen, auch im Namen des
Seelsorgeteams,
Ihr und Euer Diakon Michael Gruß