03/06/2026
Liebe Mitchristen,
„Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und
Sündern essen?“, hören wir die Pharisäer im
heutigen Evangelium sagen. Da werden Menschen
sortiert, von „gottgefällig“ bis „unten durch“.
In vielen Lebensbereichen erfahren wir, dass so
etwas wie eine „Hackordnung“ unser Leben
dominiert. Anerkannt und privilegiert sind eher die
Klugen, die Gebildeten, die Starken und Sportlichen,
die Gutaussehenden, die Leistungsfähigen, die
Gesunden…
Das ist eine nicht selten bittere Erfahrung, die uns
von Kindestagen an begleitet. Ich vermute, die
meisten von uns haben da spätestens aus
Schultagen Beispiele vor Augen.
Ich denke an den Schulsport. Dieses Bangen, bitte
nicht als Letzter in eine Mannschaft gewählt zu
werden. Mir fällt dazu auch die pädagogisch
fragwürdige Aussage einer Deutschlehrerin zu
einem Mitschüler ein: „Du hast dich schon
verbessert, aber du bist immer noch der
Schlechteste“.
Seien wir ehrlich, das sind Erfahrungen, die sich
durch unser Leben ziehen und häufig auch unser
christliches Miteinander prägen.
„Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und
Sündern essen?“
Jesus reagiert auf die Frage der Pharisäer mit den
Worten: „Geht und lernt, was es heißt:
Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! Denn ich bin
nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern
Sünder.“
Ich höre daraus eine doppelte dringende göttliche
Aufforderung:
Ihr Selbstgefälligen aller Couleur, schaut demütig in
den Spiegel und schaut mit liebevollem Blick auf den
Nächsten. Schaut nicht zuerst auf das, was ihm/ihr
nicht gelingt, sondern fragt: „Was brauchst du?“
Und ihr, die ihr euch ganz unten fühlt, auch ganz
unten in der religiösen Hackordnung. Seht die
ausgestreckte Hand Gottes. Er ruft euch heute und
immer wieder neu in die Gemeinschaft mit ihm.
Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen/Euch im
Namen des Pastoralteams
Ihr/Euer Diakon Manfred Hoffstadt