01/01/2023
Vor 150 Jahren: Gründung des Kalkwerks Marienhagen
Vor 150 Jahren, am 2. Januar 1873, gründete der damals 22-jährige Maurermeister Friedrich Rogge aus Marienhagen in seinem Heimatdorf ein Kalkwerk. Neben dem Steinbruchbetrieb entstanden hier Kalköfen. Aufgrund einer großen Nachfrage nach Kalk für Bauten in den seinerzeit mächtig wachsenden Städten musste das Werk ständig vergrößert werden.
Anfangs wurde der gebrannte Kalk mit Pferdefuhrwerken zum Bahnhof Banteln zur Verladung gefahren. Wegen immer weiter steigenden Auftragsvolumens wurde jetzt der Bau einer Kalk- und Transportbahn von Marienhagen nach Banteln nötig. Diese Schmalspurbahn (0,82 Meter Spurweite) verlief ab 1892 auf dem Sommerweg der Landstraße Marienhagen-Eime-Banteln. Bei Dunsen war eine Überhol- und Wartespur. In Banteln entstand eine größere Verladerampe.
Der Werksbegründer Friedrich Rogge verstarb bereits am 10. Mai 1900.
In Banteln wurden 1901 zwei Wohnhäuser für je drei Familien für die hier tätige Belegschaft gebaut. Ende 1909 erwarb das Unternehmen ein Grundstück in der Nähe der Bahn in Banteln. Hier baute es im folgenden Jahr einen Ringofen mit 28 Kammern. Ebenfalls wurde der Gleisanschluss an die Staatsbahn erweitert. Hiermit begann die Geschichte des Kalkwerks in Banteln, ab jetzt wurde auch hier produziert.
1926 wurde in der Betriebsabteilung Banteln eine Mahl- und Löschanlage gebaut. Diese wurde bis zum Schluss ständig ausgebaut und erweitert. Ebenfalls entstanden in diesem Jahr eine werkseigene Stromumformerstation, um das Werk mit den verschiedenen benötigten Stromspannungen zu versorgen, ein mechanischer Kohlenentlader (Heinzelmann-Bagger) und ein Kohlen- und Koksbunker. Von 1929 bis 1931 wurden zwei Schachtöfen aus Beton mit Schrägaufzügen zur mechanischen Beschickung und eigenen Stein- und Kokssilos gebaut.
1934 musste in Banteln eine zweite Kalkmühle mit Nebeneinrichtungen gebaut werden. Die Zahl der Löschsilos (für Baukalk) wurde auf vier erhöht. 1935 entstanden Lagerschuppen für Sackkalk. 1936/ 37 wurden neben der Kalkmühle vier Hochsilos aus Eisenblech zum Lagern von gemahlenem Branntkalk (Düngekalk) gebaut. Ab 1938 wurden die Anlagen in Banteln um zwei Kalkschachtöfen aus Stahl (Gruppe II) mit einer Leistungsfähigkeit bis zu 60 t erweitert. Sie wurden am 25. September 1941 dem Betrieb übergeben.
Nach und nach konnten jetzt die Öfen in Marienhagen stillgelegt werden, so dass sich die Produktion von Kalk auf Banteln konzentrierte.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg entstand ein neues Werkswohnhaus für vier Familien neben den beiden bereits vorhandenen. Zu den vorhandenen vier älteren Schachtöfen wurde 1953 ein fünfter, vollautomatischer Ofen aus Stahl errichtet. Gleichzeitig entstand ein neues Betriebs- und Sozialgebäude. Der alte Ringofen wurde später entbehrlich und wurde bereits vor der Werksstillegung abgerissen.
Verwendung fand der Kalk (ungemahlener Stückkalk) in der Eisenhüttenindustrie zur Verhüttung kieselsäurehaltiger Erze, in Stahlwerken beim sogenannten Thomasprozess, als Maurer- und Putzmörtel (Löschkalk), in Zuckerfabriken und als Düngemittel in der Landwirtschaft. Drei Züge mit Kalkdeckelwagen verließen wöchentlich den Bahnhof Banteln.
Im August 1961 wurde plötzlich bekannt, dass das an sich gut laufende Kalkwerk stillgelegt werden sollte. Durch eine Umstellung der Stahlerzeugung in Ilsede war der Marienhagener Kalk nicht mehr zu gebrauchen. So wurden die Werke in Marienhagen und Banteln zum 1. Januar 1962 stillgelegt.
Der Abriss der Anlagen folgte. Einzelne Gebäude standen noch jahrelang als Bauruinen. Nach und nach wurden sie, bedingt auch durch den Bau der neuen B3 1968, abgerissen. Auch das Bürogebäude musste hierfür weichen.
Heute erinnern an diese großen Anlagen in Banteln nur noch der Name einer Straße und eines Gewerbegebietes. An Gebäuden existieren noch das Wohnhaus des Betriebsdirektors, die drei Werkswohnhäuser, das Betriebs- und Sozialgebäude, das Umspannwerksgebäude, die Rampe für die Kalkverladung, ein Lokschuppen sowie das Fundament des Ringofengebäudes als Zeugen der kurzen industriellen Blütezeit des Dorfes.
Das Gelände ist seit 1984 als Gewerbegebiet ausgewiesen.
(Ausführlicher in „1000 Jahre Banteln“, 1997, S. 210 ff.)