06/09/2026
Das Wort zum Sonntag (23.Sonntag - Lesejahr A)
„Wo zwei oder drei…“
Text: Mt18,15-20
Von Pfarrer Karl Zirmer
Soeben hörten wir im Evangelium eines der bekanntesten Bibelworte: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Seltsamerweise wird dieses Jesuswort nur von Matthäus (18,20) aufgeschnappt und überliefert.
Nur zwei, oder drei? Reicht das aus? Und ist es egal, wo sich diese Minigruppe versammelt? Redet Jesus vielleicht den Mangel schön? Wird Kirche in Zukunft eine senfkornartige Winzigkeit sein? „Lohnt sich der Aufwand für Dich, o Herr, zu kommen, wenn etwa bei einem Werktagsgottesdienst ohnehin nur zwei oder drei in deinem Namen beisammen sind? Gibst du dich mit so wenigen zufrieden?“
In der jüdischen Synagoge gilt bis heute die Regel: Nur wenn mindestens 10 Männer versammelt sind, kann der Gottesdienst stattfinden. Bei Jesus heißt die Regel anders: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind...“ Minimaler geht es nicht mehr! Es kommt also nicht auf die Zahl an, und auch nicht darauf, ob es Männer sind. Auch nicht, ob es fromme und tugendhafte Christen sind. Es kommt nur darauf an, dass sie „in seinem Namen“ zusammenkommen.
Jesus schielt nicht auf Zahlen, Statistiken, oder messbaren Erfolg. Er spricht nie von der Kirche im Großen. Weltkirchliche Dimensionen hatte er nicht im Blick. Kirche kann nicht immer Weltjugendtagkirche oder Katholikentagkirche sein. Qualität geht vor Quantität.Freilich, nicht jede nette Begegnung, nicht jedes emsige Gremium, nicht jeder engagierte Stuhlkreis, nicht jedes gesellige Zusammensein erführt die Erfüllung des Versprechens Jesu, dass er „mitten unter ihnen“ ist. „Ubi caritasestamor, Deus ibiest“ heißt es in einem Lied. „Wo Güte und Liebe wohnen, da ist Gott“.
Jesus ist aber überall da, wo er erwartet wird, wo er willkommen ist, wo man sich in seinem Namen versammelt. Wo man sich von seinem Geist der Liebe bestimmen lässt.
Die Liebe ist auch, auf die es in unserem christlichen Leben ankommt. Daran erinnert uns der Apostel Paulus in der heutigen Lesung. Gleich dreimal sagt er es uns, je auf verschiedene Weise: „“Wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt (Röm 13,8). Alle Gebote „sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (13,9). „Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes“ (13,10).
Wenn wir die Liebe als inneres Grundprinzip aller Gebote ernst nehmen, dann reicht es nicht, ein paar äußere Regeln einzuhalten. Dann geht es darum, alle diese Gebote in Einklang zu bringen mit der Nächstenliebe. Dann muss ich mich immer wieder fragen: Stimmt die Art, mit der ich die Gebote halte, mit der Liebe zusammen? Oder befolge ich die Gebote auf eine Art und Weise, die der Liebe widersprechen?
Vom hl. Augustinus stammt der Satz: „Liebe und tu, was du willst!“ Das ist eine ziemlich einfache Lebensregel. Sie gibt eine Menge Freiheit. Sie engt nicht ein. Diese kleine Aufforderung „Liebe“ am Anfang dieser Lebensregel ist für Augustinus eine ausreichende Sicherheit, dass die Freiheit nicht missbraucht zum Schaden anderer Menschen. Augustinus ist sich im Anschluss an Paulus sicher: Wer sich ehrlich bemüht zu lieben, der ist in die richtige Richtung unterwegs. Wer sich konzentrieren möchte auf das, was in den Augen Gottes wirklich wichtig ist, der muss sich also letztlich nur auf eines konzentrieren: auf die Fähigkeit zu lieben. Wenn wir uns bemühen, in allem, was wir tun, zu lieben und alles, was wir tun, aus Liebe zu tun, dann können wir sicher sein, dass wir genau das tun, was vor Gott zählt. Wenn wir das beherzigen, dann wir unser Leben gut und sinnvoll.
Etwas muss ich natürlich noch unbedingt anfügen: Im Christentum gilt vor allem zuerst: Du bist geliebt! Gott hat längst alles für dich getan! Er thront nicht über uns, und kontrolliert akribisch die Einhaltung seiner Gebote, sondern er ist im wahrsten Sinne des Wortes „hinabgestiegen“ und hat aus Liebe das Äußerste getan, was denkbar ist: Er sich aus Liebe zu uns am Kreuz hingegeben. Unsere Liebe ist darum immer Antwort auf Gottes Liebe zu uns Menschen. Weil Gott uns liebt, sind auch wir zur Liebe fähig. Die Liebe ist nicht nur die Erfüllung des Gesetzes. Sie verhilft uns auch zu einem glücklichen und erfüllten Leben.
A m e n.