29/03/2024
Monolog eines Kreuzesnagels: "Ich war eines von ihnen. Eines der Folterwerkzeuge. Peitsche. Dornenkrone. Hammer. Ich war einer der Schuldigen an diesem Tod. Aber gewollt habe ich es nicht. Natürlich ist es immer leichter einen anderen Schuldigen zu finden als sich selbst. Schuld sind immer die anderen. Nein. Schuld trägt jede einzelne Person. Nur wenn alle schweigen oder gemeinsam brüllen, wird es zur gemeinsamen Schuld. So vieles hätte in der Geschichte der Menschheit verhindert werden können, wenn Einzelne, und dadurch ermutigt auch viele andere ihre Stimme erhoben hätten. Aber mitreißen lässt man sich dann doch recht schnell. Egal ob zum Schreien oder zum Schweigen. Erst sind es vielleicht nur ganz wenige. Erst rufen nur ein paar Menschen: Ans Kreuz mit ihm! Und dann waren es plötzlich viele. Und doch wollten nicht alle, dass Jesus sterben soll. Aber diese Stimmen waren zu leise. Man konnte sie nicht hören. Auch nicht ihr Nein. Aber wenn viele laut sind, einer Meinung sind, dann muss es ja wohl richtig sein. Und doch schwimmen wir manchmal auch nur feige mit dem Strom. Ich bin nur ein Kreuzesnagel. Und glaubt mir, ich wäre gerne stumpf gewesen oder aus Wachs. Aber ich war Werkzeug, fest in der Hand eines anderen. Und manchmal ist es ja auch tatsächlich so: Da haben uns andere in der Hand. Da sind wir gefangen. Das macht es manchmal auch leichter. Sich auf der Meinung anderer auszuruhen. Aber umso wichtiger ist es doch, dass wir uns zusammen tun, wenn wir anderer Meinung sind. Laut aufstehen gegen Unrecht. Dass wir uns für den Frieden und die Freiheit einsetzen. Uns Gehör verschaffen. Und Stimme für die sind, die keine Stimme haben. Es liegt an jeder einzelnen Person. Und gemeinsam können wir laut sein und die Welt damit zum Guten verändern."