03/06/2022
;-) Nachschlag mit einem "geistlichen Wort" von Pfarrerin Anne Lüters
Pfingstgeist
Es war so ein schönes Bild: In einem Gottesdienst zogen 13
Jugendliche mit Rollkoffern und Schlafsäcken in unsere Kirche ein.
Eine Woche lang wurde das Gemeindehaus zu „Christi
Himmelbett“ – der Kirchen WG. Da war ein Kommen und Gehen,
es wurde gespielt und viel gelacht. „Dies ist unsere zweite Familie“
sagten sie und wer sie besuchte, der spürte gleich den guten
Geist.
Ein guter, ja ein heiliger Geist - darum geht es an Pfingsten. Um
einen Geist, der die Freunde Jesu überkommt, die nach seinem
Tod lange in Angst und selbstgewählter Isolation gelebt haben.
Der Geist von Pfingsten zeigt sich ungestüm, lebendig, er gibt Mut
und führt alle zusammen. Plötzlich erscheint alles leichter. Plötzlich
gelingt es, Menschen anderer Nationen nicht als Gefahr, sondern
als Mitmenschen zu sehen – und sich wirklich zu verstehen. Plötzlich
macht die Zukunft keine Angst mehr. Es wird nicht mehr so sein, wie
zuvor, aber es kann anders und gut sein. Denn Gott ist mit ihnen.
Wie sehr wünsche ich mir diesen Pfingstgeist in den
Herausforderungen, vor denen wir stehen: Ich wünsche mir
Menschen, die sich wirklich zuhören und sich nicht nur verurteilen
wegen ihrer Haltung zum Impfen oder zu Waffenlieferungen. Ich
wünsche mir eine Gesellschaft, die Personen, die schreckliches
erfahren haben, wirklich von Herzen aufnimmt und sich – vielleicht
- auch von ihnen verändern lässt. Und ich wünsche mir Menschen,
die keine Angst davor haben, dass sich die Welt ändert, sondern
sie lustvoll und mutig gestalten.
Gefragt, was denn ihre Gemeinschaft so besonders macht, sagt
eine Jugendliche: „Hier darf ich so sein, wie ich bin. Wir sind so
unterschiedlich, aber jeder wird akzeptiert.“
Ich träume von einer Stadt, einer Gesellschaft, die so funktioniert.
Machen, so heißt es in den alten Erzählungen, kann man diesen
Geist nicht. Aber man kann ihn mit offenen Armen und Herzen
empfangen, wenn er sich zeigt. Und vielleicht Räume schaffen, in
denen er sich gerne niederlässt. Wie die Jugendlichen in „Christi Himmelbett“.
Pfarrerin Anne Lüters
Bild: Anne Lüters
Im Bild Die Gemeindereferentin Lisa Koller, die Religionspädagogin im Vorbereitungsdienst Laura Hertkorn, der Dekan Christian Weigl und der Regionalbischof Christian Kopp, zusammen mit einem Teil der Jugendlichen aus der Christi Himmelbett WG.