09/08/2021
Gedanktag der hl. Edith Stein
Wer war Edith Stein?
Sie selbst schreibt als Studentin: „Am 12. Oktober 1891 wurde ich in Breslau geboren. Ich bin preußische Staatsangehörige und Jüdin.“
Die Atmosphäre ihres Elternhauses war geprägt von der gläubigen, gesetzestreuen Religiosität ihrer Mutter. Aber die 14-jährige Edith treiben weltanschauliche Fragen um: „Ich habe mir das Beten ganz bewusst und aus freiem Entschluss abgewöhnt.“, sagt sie später über diese Zeit; sie bezeichnet sich als Atheistin.
Edith galt als hochbegabte Schülerin und Studentin. Abitur, Staatsexamen und Doktorarbeit trugen ihr Höchstprädikate ein. Dennoch konnte sie schreiben: „Ich wusste von den ersten Lebensjahren an, dass es viel wichtiger sei, gut zu sein als klug.“
Sie studiert Philosophie. Die Studienjahre in Göttingen bringen die Welt des Glaubens von neuem in Sicht. Begegnungen vermitteln ihr den Sinn für das Transzendente, für religiöse Erfahrungen und Entscheidungen. „Es war wie ein erster Blick in eine ganz neue Welt“.
Weitere Jahre des Suchens folgen. Schmerzliche Lebenserfahrungen lassen sie innerlich wachsen. Die Lektüre der Schriften Teresas von Avila bringt die letzte Entscheidung: Am 1. Januar 1922 wird sie durch die Taufe in die katholische Kirche aufgenommen.
Ihre Bemühungen, sich an einer Universität zu habilitieren, scheitern. Sie arbeitet in der Lehrerinnenausbildung in Speyer und Münster. Sie schreibt, hält Vorträge.
„Es ist im Grunde immer eine kleine, einfache Wahrheit, die ich zu sagen habe: wie man es anfangen kann, an der Hand des Herrn zu leben.“ Sie will helfen, Menschen heranzubilden, die ihres Christseins froh sind; zumal den Frauen will sie die Aufgaben bewusst machen, die ihnen als Christinnen in Kirche und Gesellschaft aufgetragen sind. - Wie aktuell heute 2021!
In allen äußeren Aktivitäten sammelt sich ihr eigentliches Leben mehr und mehr nach innen. Wenn Gott es fügt – dann will sie eines Tages alle ihre Fähigkeiten umformen lassen in Liebe und Anbetung, in Lobpreis und Danksagung, da sein für den lebendigen Gott des Bundes, für JHWH den Einzigen, und für den, den er gesandt hat, Jesus Christus.
Am 14.10.1933 tritt Edith Stein in Köln in den Karmel ein. Sie trägt jetzt den Namen: Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz.
„Ich bin jetzt an dem Ort, an den ich längst gehörte“, in der Fürbitte und stellvertretend ist sie für Gott und die Menschen da.
Am 21. April 1938 legt Edith Stein die Ewigen Gelübde ab und siedelt im selben Jahr nach Echt in Holland über. Als mit der deutschen Besetzung auch dort die Judenverfolgungen beginnen, wird sie verhaftet und verschleppt. Am 9. August 1942 wird Edith Stein zusammen mit ihrer Schwester Rosa und vielen anderen Schwestern und Brüdern des Jüdischen Volkes in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet.
Edith Stein, Jüdin und Christin, Wissenschaftlerin, die für die Gleichberechtigung der Frau eintrat, eine rastlose Wahrheitsuchende, kontemplative Ordensfrau, Karmelitin, Opfer der Gewaltherrschaft in der Nachfolge Jesu. Eine große Frau, die Judentum und Christentum verbindet, die heute den Frauen in der Kirche Mut machen kann, die allen Suchenden Weggefährtin sein kann, mit meiner Frage nach meiner Beziehung zu Gott. Edith Stein kann uns helfen, im Alltäglichen den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren.
Schwester Mirjam Fuchs OCD, Karmel Regina Martyrum Berlin