09/03/2026
Abendgedanken zu Matthäus 6,22 aus dem Evensong am 07. März 2026 in der St. Matthäus-Kirche Erlangen (Pfarrer Christian Düfel)
Das Auge ist ein faszinierendes Organ. Damit wir bewusst sehen, laufen unzählige Prozesse zwischen Auge und Gehirn ab. Das Auge ist das wichtigste Sinnesorgan des Menschen zur visuellen Wahrnehmung der Umwelt. Oft nehmen wir es als selbstverständlich hin. Erst wenn wir nicht mehr gut sehen können, kümmern wir uns darum. Ein wirklich wichtiges Organ. Es wandelt Lichtstrahlen in Nervenimpulse um, die im Gehirn zu einem Bild zusammengesetzt werden. Manchmal schneller als wir sehen. Wann Sehen aufhört und das Denken anfängt, ist dabei schwer zu sagen. Das Sehen ist ein komplexer Prozess, der weit über die rein physische Bildaufnahme hinausgeht.
Sehen und Denken sind eine untrennbare Einheit, die kulturell, psychologisch und leiblich grundiert ist. Mehr als nur ein passives Abbild. Unsere Augen sind ein Fenster zur Seele und die Tür zum Körper. Wie war der Tag? Wie war die Nacht? Was hat Dich bedrückt? Was hat mich erfreut? Wenn ich mir im Spiegel in die Augen schaue, kann ich in meinem Leben lesen. Leuchten meine Augen? Strahlen sie? Oder sind sie trübe, unruhig, gestresst? Eben ein Fenster zur Seele.
Nicht umsonst sagt man: Ein Blick sagt mehr als tausend Worte. Aus dem Auge leuchtet das Innere des Menschen. „Wenn Dein Auge klar ist, wird Dein ganzer Körper voller Licht sein. Wenn Dein Auge aber trübe ist, dann ist Dein ganzer Körper voller Dunkelheit.“ Das sagt Jesus in der Bergpredigt im Matthäusevangelium.
Die wirklich großen Gefühle kann man in den Augen lesen.
Das bedeutet doch auch, dass frohe, leuchtende, unverzagte Augen Licht in das Leben anderer Menschen bringen können und sollen. Dunkle Wegstrecken erhellen, in Krankheit, sogar noch auf dem Sterbebett. Augen können weiterhelfen, trösten, ermuntern.
Woher kommt die Leuchtkraft der Augen? Woher rührt ihr Strahlen? Es hat mit der Blickrichtung zu tun. In einem Psalm heißt es: „In Deinem Lichte, Gott, sehen wir das Licht.“ Das Licht, das von Gott her in diese Welt kommt, lässt uns Licht sehen, lässt uns innerlich leuchten. Das göttliche Licht strahlt in Menschen, wo sie nach Gott und seinem Licht Ausschau halten.
Und weil Gott uns gütig ansieht und annimmt, können wir uns auch gegenseitig ansehen. Das bringt uns Ansehen voreinander und vor Gott. Und das brauchen wir. Wir sind darauf ausgerichtet, angesehen zu werden, nicht links liegen gelassen zu werden. Und dazu richte ich den Blick auf Gott. Meine Augen schauen stets auf den Herrn, damit ich sehe: Mein Gott ist ein kontaktfreudiger Gott. Er sieht mich an, wie ich bin. Unsere Augen richten sich auf den Herrn.
In diesem Sinne wünsche ich Dir einen schönen Abend und eine gesegnete Woche.