27/01/2026
Zwei Orte. Ein Erinnern:
„Ich werde bleiben im Hause des HERRn immerdar.“
So endet der 23. .
Ein Satz voller Vertrauen.
In einem Psalm voller Vertrauen.
Ein Satz, der getragen ist von der Hoffnung,
dass da jemand ist, der führt, schützt, bewahrt.
Und doch stehen wir heute hier im Wissen, dass dieses Vertrauen auch zerbrechen kann. Dass da Zweifel aufkommen können. Während der vielleicht millionenfach. Wurden doch so viele Menschen durch Menschen gefoltert, auf grausame Weise ermordet.
Völker sollten ausradiert werden.
Menschen wurden zu Tätern.
Aber sie wurden nicht zu Tätern, weil Gott abwesend gewesen wäre. Sie konnten zu Tätern werden,
weil Hass und Parolen Menschen und Gesellschaft veränderten. Sie konnten zu Tätern werden, weil zu viele Menschen wegsahen. Sie konnten zu Tätern werden, weil Menschen ihre Verantwortung preisgaben. Sie konnten zu Tätern werden, weil mit ihnen die Angst kam.
Angst davor, dass man selbst im KZ oder am Galgen endete.
Psalm 23 verschweigt dieses Dunkel nicht.
Er spricht vom finsteren Tal.
Ein Ort der Angst, der Entmenschlichung, des Ausgeliefertseins.
Die Shoah war ein solches Tal –
Ein unglaublich tiefes und dunkles Tal.
Geschaffen von Menschenhand.
Der Psalm idealisiert den Menschen nicht.
Er weiß: Der Hirte ist gut –
aber die Welt ist es nicht.
Menschen können zu Wölfen werden.
Deshalb ist die Erinnerung so notwendig.
Nicht, um Schuld in Vergangenem zu suchen. Sondern um wach zu bleiben für die Gegenwart.
Denn Unrecht beginnt selten laut.
Es beginnt leise.
In Sprache, die entwertet.
In Blicken, die wegsehen.
In Strukturen, die Gehorsam über Gewissen stellen.
Heute gedenken wir der Opfer des .
Wir nennen ihre Geschichte.
Auch und gerade weil es immer deutlicher zu spüren bekommen:
Nie wieder ist kein Besitz, keine Selbstverständlichkeit.
Nie wieder ist eine Aufgabe.
Unser aller Aufgabe.
Für einen demokratischen Rechtsstaat.
Für Institutionen, die Macht tragen.
Für Menschen, die Verantwortung übernommen haben –
für Recht, für Schutz, für Würde.
Für uns alle.
Erinnerung ist kein Abschluss. Sie ist Maß und Richtschnur. Für unser Handeln. Für unsere Haltung. Für unsere Gegenwart und Zukunft.