Haus des jüdischen Lebens in Erlangen

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07/01/2022

ERLANGEN - 2021 hat die Jüdische Kultusgemeinde (JKG) Erlangen eine Spendenkampagne für eine eigene Synagoge gestartet und 2022 soll sie ausgeweitet werden. Nach Privatleuten sind auch Betriebe und Unternehmen aufgerufen, für das Projekt Geld geben. Zudem könnten in dem Gemeindezentrum auch der ...

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05/01/2022

Kampagne ausgeweitet: Für ein Jüdisches Gemeindezentrum in Erlangen - Spenden aus der Wirtschaft erhofft

https://www.nordbayern.de/region/erlangen/fur-ein-judisches-gemeindezentrum-in-erlangen-spenden-aus-der-wirtschaft-erhofft-1.11682888?isAmp=true

ERLANGEN - 2021 hat die Jüdische Kultusgemeinde (JKG) Erlangen eine Spendenkampagne für eine eigene Synagoge gestartet und 2022 soll sie ausgeweitet werden. Nach Privatleuten sind auch Betriebe und Unternehmen aufgerufen, für das Projekt Geld geben. Zudem könnten in dem Gemeindezentrum auch der beiden Attentatsopfern Shlomo Lewin und Frida Poeschke gedacht werden, sagte Innenminister Herrmann dieser Redaktion.

Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen der jüdischen Kultur - bundesweit mit dem besonderen 1700-Jahre-Jubiläum und lokal vor allem mit der Kampagne "Haus des jüdischen Lebens in Erlangen".

Noch hat die Jüdische Kultusgemeinde Erlangen keine eigene Immobilie, Gottesdienste und Gebetstunden finden in einer angemieteten Synagoge an der Rathsberger Straße statt.

Im Sommer 2021 hatte der frühere US-Journalist Terry Swartzberg, der seit Langem in Deutschland lebt, eine Spendenkampagne für ein eigenes Zentrum der Jüdischen Kultusgemeinde (JKG) Erlangen in Leben gerufen, dafür unter anderem ein Fest auf dem Rathausplatz mit organisiert, und schon am Jahresende waren mehrere zehntausende Euro zusammen. Nun aber will der 68-Jährige die Wirtschaft mit ins Boot holen - und hat daher einen Sammel-Aufruf gezielt an Unternehmen und Betriebe geschickt.
Viele Kleinspenden aus der Bevölkerung

"Wir haben aus der Bevölkerung mit Kleinspenden schon viel Zuspruch für unser Projekt erhalten", sagt Swartzberg auf Nachfrage, "nun kommt hoffentlich die Zeit der Großspenden, etwa aus der Wirtschaft oder auch von vermögenden Bürgern." Hatten sich Konzerne und Unternehmen denn von der Spendenkampagne bisher so gar nicht angesprochen gefühlt? Swartzberg antwortet diplomatisch. "Es scheint, dass zurzeit alle Menschen etwas mehr Anregung brauchen als wir uns erhofft hatten, aber wir wünschen sehr, dass die Wirtschaft jetzt auf unsere Appelle reagiert".

Ein "schönes" Gespräch mit der Industrie- und Handelskammer habe zu dem Thema schon stattgefunden, sagt Swartzberg, und mit Alt-OB Siegfried Balleis sowie dem amtierenden Rathauschef Florian Janik gebe es für die JKG zwei wichtige Fürsprecher: "Jetzt hoffen wir, dass auch die Wirtschaft mitzieht."

Denn dann könnte der große Traum der Jüdischen Kultusgemeinde, in Erlangen doch noch ein eigene Immobilie zu bauen oder zu kaufen, endlich Wirklichkeit werden: Mehr und mehr kristallisiert sich dabei als Option ein Uni-Gebäude in der Bismarckstraße heraus: "Das Grundstück dort wäre traumhaft", sagt Swartzberg, "es hat eine gute Lage und wäre gerade für unsere älteren Mitglieder ideal, weil der Ort leicht zu erreichen ist, das wäre einfach wunderbar."

Doch der mögliche Erwerb des Grundstückes und des Gebäudes dürften viel Geld kosten - und deshalb möchte Swartzberg die Spendenkampagne 2022 forcieren und ausbauen. "Wir wollen die mächtige Erlanger Wirtschaft mit ihren Groß- und Kleinfirmen und dem gesunden Mittelstand erreichen", erläutert Swartzberg, "das ist eine gesellschaftliche Kraft mit Geschichtsbewusstsein und sozialer Verantwortung".

Die Erlanger Wirtschaft habe sich bislang immer sehr offen gegenüber sozialen Projekten gezeigt, so der Initiator der Spendenkampagne. "Wir hoffen, dass es diesmal keine Ausnahme gibt." In Erlangen sei die Geschichte der Juden auch besonders schwierig und schlimm gewesen, sagt er. Bisher hatte die JKG noch nie einen eigenen Ort für ihre Gebete, derzeit hat sie ein Haus an der Rathsberger Straße angemietet.
Gemeindegründung blieb ohne Erfolg

Zwar hatte die Jüdische Kultusgemeinde immer wieder Versuche gestartet, in der Hugenottenstadt ein eigenes Zentrum zu gründen. Doch ohne Erfolg. "2022 sollen wir unserem Wunsch ein Stück näher kommen", sagt Swartzberg. Gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus beispielsweise durch die so genannte Querdenker-Szene traurigen Auftrieb erlebt, sei eine eigenes Haus (überlebens-)notwendig, betont Swartzberg. An dem Gebäude, das die JKG derzeit bewohnt, lassen sich notwendige Sicherheitsmaßnahmen nicht umsetzen.

Auch der am 19. Dezember 1980 bei einem antisemitischen Doppelattentat (gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Frida Poeschke) getöteten Shlomo Lewin, zu dem Zeitpunkt war er Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, hatte die Gründung einer jüdischen Gemeinde in Erlangen geplant.
Nur einen Kilometer vom Tatort entfernt

Nun hat der in Erlangen lebende Bayerische Innenminister, Joachim Herrmann, mit angeregt durch die Berichterstattung dieses Medienhauses eine Verbindung des Projektes der Jüdischen Kultusgemeinde und einem Gedenkort für Lewin und Poeschke ins Spiel gebracht. "Die Synagoge soll ein Haus der Begegnung, des Lernens und Kennenlernens, der Kunst und Kultur werden. Sie könnte auch ein Ort des Erinnerns und Gedenkens sein", sagt Herrmann dieser Redaktion.

Die von der jüdischen Gemeinde geplante Synagoge mit einer Begegnungsstätte in der Bismarckstraße wäre nur etwa einen Kilometer vom Tatort in der Ebrardstraße entfernt. "Ich könnte mir deshalb an dieser Stelle sehr gut einen Gedenkort für Shlomo Lewin und Frida Poeschke vorstellen“, betont Herrmann, der die beiden Opfer des rechtsextremistischen Attentats im Jahr 1980 als Nachbarn persönlich gut gekannt hatte.

Ein bessere und sensiblere Erinnerungskultur im Umgang mit den Opfern der rechtsradikalen Tat wird in der Stadt seit längerem gefordert. So mahnte beispielsweise die Initiative Kritisches Gedenken Erlangen bereits mehrfach im Gespräch mit dieser Redaktion eine feste Gedenktafel für Lewin und Poeschke an, zuletzt anlässlich des 41. Jahrestages des Anschlages.
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