12/06/2026
Fest im Leben stehen. Es gibt Momente, da funktioniert das nicht. Da wirft uns etwas aus der Bahn. Und wir brauchen jemanden, der uns hält. Ganz fest. Darum geht's heute in der Radioandacht von Juliane Baumann auf MDR Sachsen-Anhalt:
„Bitte halte dich fest, damit du sicher stehst.“
Ich bin mal wieder in Berlin unterwegs, im Linienbus, als diese Ansage ertönt. Und staune über die einfache Sprache. „Bitte halte dich fest, damit du sicher stehst.“
Ich habe erst gestaunt, mich gewundert, und dann gedacht: Eigentlich ist es ja ein Widerspruch: Wer sicher steht, braucht sich doch nicht festzuhalten, oder?
Aber das funktioniert nur so lange, bis die Fliehkraft einsetzt. Wer schon mal im Bus gestanden hat, wenn der Fahrer plötzlich bremst, der weiß: Wer sich nicht festhält, fliegt. Standfestigkeit kommt in diesem Fall eben nicht allein aus den eigenen Beinen. Sie kommt von dem, woran ich mich klammere.
Wie oft versuche ich krampfhaft, alles allein auszubalancieren. Will unabhängig sein, stabil, unerschütterlich. Doch wenn das Leben ruckelt – und das tut es oft genug –, dann reicht die eigene Kraft manchmal nicht aus.
Im Buch der Psalmen steht ein Satz, der genau in dieses Schlingern hineingesprochen ist. Da betet jemand: „GOTT ist mein Fels, meine Burg und mein Retter.“ (Psalm 18,3)
Manchmal braucht es für mich so ein Bild. Gott als etwas, das feststeht, felsenfest, wenn bei mir alles wankt und meine Fliehkraft einsetzt.
Und ich glaube, sicher zu stehen bedeutet nicht, alles im Griff zu haben. Es bedeutet, zu wissen, wo ich zugreifen kann, wenn die Fahrt unruhig wird. „Bitte halte dich fest, damit du sicher stehst.“ Ja, Gott, das will ich tun. An dir und deinem Wort.
Ihre Juliane Baumann, evangelische Rundfunkbeauftragte
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