22/08/2026
„Sind die sechseinhalb Wochen tatsächlich schon vorbei? Warum vergeht die Ferienzeit so viel schneller als die Schulzeit?“, werden sich viele Kinder, aber auch die Eltern an diesem Wochenende fragen, während die Schulbücher eingeschlagen, die Stifte angespitzt und die Schulmappen gepackt werden.
Am Montag beginnt für knapp 22.000 Kinder im Barnim, wie meine Oma früher immer am Ende der Ferien sagte, wieder der „Ernst des Lebens“. Und fast 2.000 Kinder davon sind die Erstklässler, die mit ihren Familien heute ihre Einschulung feiern. Für sie beginnt mit der Schule ein neuer Lebensabschnitt. „Wird die Schule Spaß machen? Werde ich Freunde finden?“, fragen die Kinder, und die Eltern: „Wird sich unser Kind zurechtfinden in der neuen Umgebung, wie wird es sich entwickeln, kann es seine Gaben entfalten und den unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden?“
Eine Geschichte erzählt von einem Gärtner und seiner Frau, die ein kleines Bäumchen pflanzten. Beide freuten sich zu sehen, wie es von Jahr zu Jahr heranwuchs, doch eines Tages meinten sie, es wäre doch ein wenig schief gewachsen, so könne es leicht das Gleichgewicht verlieren und sie beschnitten die schief gewachsene Seite. Nun wuchs das Bäumchen gerade in die Höhe, doch der Gärtner dachte, zu schnelles Wachstum sei gefährlich, und er beschnitt die oberen Äste. Da begann das Bäumchen, in die Breite zu wachsen, und wieder griff der Gärtner zur Schere.
Wie es denn richtig wachsen sollte, wusste das Bäumchen nun gar nicht mehr und so wuchs es ganz vorsichtig ein bisschen in die Höhe, ein bisschen in die Breite, ein bisschen schief nach allen Seiten.
Nach einigen Jahren war es ein recht anständiger Baum geworden, der aber irgendwie traurig aussah. Der Gärtner sagte: „Wer kann schon so wachsen, wie er will?“ Und seine Frau antwortete: „Wir wollten doch nur das Beste für unser Bäumchen.“
Ohne Frage: Auch wir wollen das Beste für unsere Kinder. Das ist die Herausforderung, vor der alle Lehrerkräfte, Erzieherinnen und Eltern immer wieder stehen: die Individualität der Kinder achten, Begabungen fördern und ihre Persönlichkeit sich entfalten lassen, und zugleich in notwendigem Maß unterstützen, auch Grenzen setzen und Richtungen weisen, damit unsere Kinder zu selbstbewussten, kritisch denkenden, sozial kompetenten, vor allem aber zu emphatischen, hoffnungsvollen und glücklichen Menschen heranwachsen.
Konstanze Werstat, Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Bernau, verheiratet, 3 Kinder
Fotos: ©Ev. Kirchenkreis Barnim, © Canva