30/05/2026
Wenn ich mit dem Rad nach Hause fahre, kann ich gut meinen Gedanken nachhängen. Oft kommt mir dort auch die zündende Idee für die nächste Kinderkirche oder die fällige Moment-mal-Kolumne. Heute aber denke ich über das Radeln selbst nach. Mein Sohn fährt jetzt auch Rad, das Laufrad hat ausgedient. Beim Üben wurde schnell klar: die Schwierigkeiten sind Anfahren und Bremsen. Aber wie das so ist, ich wusste plötzlich selber nicht, wie ich eigentlich anfahre. Beschreiben konnte ich es nicht, vormachen auf dem kleinen Rad auch nicht. Man macht es halt einfach, schwer zu erklären. Es ist ja so, wie im Leben überhaupt, denke ich, während ich mich radelnd an die Trainingseinheit erinnere. Das Anfahren, das in die Gänge kommen ist schwer. Wie hat man sich eigentlich wieder aufgerafft?
Gute Frage. Irgendwie ist man routiniert geworden in dem Ablauf, den man gar nicht richtig beschreiben kann. Aber auch Bremsen will gelernt sein im Leben. Mit Glück schießt man nur übers Ziel hinaus. Mit Pech fliegt man so richtig über den Lenker und kann sich amtlich verletzen. Aber wie wunderbar ist das Gefühl, wenn man fest im Sattel sitzt! Im Gleichgewicht, der Fahrtwind riecht nach dem See hinter den Bäumen und es geht leicht bergab. Jetzt geht es Richtung Sommer. Ich nehme Fahrt auf.
Dieses Wochenende ist Trinitatis, Christ*innen feiern am Sonntag die Dreieinigkeit Gottes. Damit endet im Kirchenjahr erst einmal die Zeit der großen Feste. Jetzt ein bisschen rollen lassen. Dann wieder Anschwung nehmen. Gemeindefeiern, Kinderfreizeit in den Ferien, Vorbereitungen für Schulbeginn und Erntedank sind dran. Ich mag es, wie mir die Feste im Jahreskreis Struktur und Orientierung geben. So sinniere ich beim Radfahren, komme von einem Gedanken zum Nächsten, schweife ab, der Wind bringt einen Gedankenfetzen zurück.
Anfahren hat seine Zeit, bremsen hat seine Zeit. Anschwung nehmen hat seine Zeit, rollen lassen hat seine Zeit. Üben hat seine Zeit, Routine hat seine Zeit. Alles hat seine Zeit im Jahreslauf.
Rahel-Christin Drewanz, Sozialpädagogin in der ev. Kirchengemeinde Wir-sind-Gemeinde. Basdorf, Wandlitz, Zühlsdorf
Fotos: © Ev. Kirchenkreis Barnim und Fundus, Immanuel Malcharzyk