27/05/2016
Hier mal was zur Unterstützung für die Armen Betroffenen:
Wie erkennt man Mobber?
Zum großen Teil geht dies bereits aus der Typologie hervor.
Bezüglich äußeren Verhaltens kann man unabhängig vom Typ in vielen Fällen folgende Ver-haltensweisen feststellen:
1. Der "freundliche" Mobber
Chronische Mobber sind nicht selten charmant und freundlich. Man traut ihnen Gemeinheiten nicht zu.
2. Der "korrekte" Mobber
Das Verhalten wirkt formal, durchaus höflich.
3. Der Emotionstechniker
Viele Mobber spielen geschickt auf der Klaviatur der Emotionen. Dabei wird z.B. der Eindruck erweckt, das Opfer sei böse, der Täter und andere sind gut (Spaltung). In vielen Fällen ist der Verdacht, dass diejenigen, die vermehrt und immer wieder zur Anwendung solcher Techniken neigen, möglicherweise eine Persönlichkeitsstörung aufweisen (Boredlinesyndrom) nicht von der Hand zu weisen
Beispiele:
Antipathie signalisieren
Dem Opfer glauben machen, es sei überall unbeliebt.
Einem Dritten gegenüber tiefes Vertrauen signalisieren und gleichzeitig Misstrauen dem Opfer gegenüber betonen.
Gut inszenierte Emotionsausbrüche - Weinen, Schreien, Rausrennen, etc.
Theatralisch emotional gefärbte Bewertungen, z.B. bei kleinen tatsächlichen oder vermeintlichen Fehlern. Umgekehrt werden -in der Absicht, das Opfer zu treffen- auch mittelmäßige Leistungen anderer überschwänglich gelobt.
etc.
4. Der Verrücktmacher
Hier gibt es zwei Ansätze:
a) Man kann machen, was man will, es ist auf jeden Fall falsch. Da der Täter das Opfer ja schikanieren möchte, ist er an dessen objektiv guten Leistungen nicht interessiert - eher im Gegenteil.
b) Der Täter ist unberechenbar. Heute schikaniert er das Opfer, inszeniert dramatische Emotionsaus- brüche. Das Opfer ist geknickt. Am nächsten Tag ist er freundlich, scheinbar verständnisvoll. Das Opfer atmet auf und schreibt möglicherweise seine Probleme mit dem Täter der eigenen Überempfindlichkeit zu.
5. Der offene Mobber
Dieser macht keinen Hehl aus seinen Absichten. Mitunter kündigen sie sich sogar als Täter an: "Ich bin hier, um den K. abzuschießen !".
Sie fühlen sich häufig sicher, weil sie sich unterstützt und im Recht fühlen. Es handelt sich häufig um Hühnerhof- und Herdenmobber. Sie werden aber auch gern von intelligenteren oder geschickteren Mobbern (Machtmobbern, Lustmobbern) vorgeschoben. Da offene Aggressoren am ehesten in die Schusslinie geraten, können sich die Drahtzieher im Notfall rechtzeitig zurückziehen.
6. Der "betroffene" Mobber
Dieser glaubt wirklich daran, dass das Opfer böse ist. Erkennbar sind sie daran, dass sie bereits bei der ersten Begegnung Ängste und Vorurteile dem Opfer gegenüber zeigen. Sie sind über die angeblich schlechten Eigenschaften des Opfers vorinformiert ("Nimm dich in acht vor...., "Du wirst schon noch sehen....!"). Auch bei gutem Willen, sich sachlich und fair zu verhalten, werden sie sich über den Gruppendruck und selektive Wahrnehmungen bald der Gruppennorm anpassen. Dieser Prozess wird wiederum als "Beweis" für die Bösartigkeit des Opfers herangezogen.
Was tun?
Unternehmensphilosophie
Grundsätzlich besteht für Vorgesetzte die Pflicht, für die Einhaltung des Betriebsfriedens zu sorgen. Das muss so geschehen, dass die Regeln der Fairness und des Respektes vor dem Individuum gewahrt werden.
Dies kann aber nur in Betrieben mit entsprechender Unternehmensphilosophie- und Moral im ausreichendem Maße durchgesetzt werden. Gilt die Regel "Hier mobbt der Chef!", wird es Probleme geben -langfristig auch für den Chef und für das Wohl des Betriebes. Es ist im Sinne der Effektivität und Produktivität, wenn Mobben ausdrücklich geächtet wird und entsprechende Aktivitäten sorgfältig beobachtet und ggf. geahndet werden. Mobber müssen wissen, dass sie ihr Tun nicht mehr ohne Gefahr für sich selbst fortsetzen können.
Direktionen, Betriebsleitungen, vorgesetzte Behörden und Institutionen, Personalvertretungen und nicht zuletzt jeder einzelne Mitarbeiter sind hier in die Verantwortung genommen.
Grundregeln für Opfer
1. Kritische Selbstbeurteilung aber kein Selbstzweifel
Jeder kann, abhängig von den strukturellen und sozialpsychologischen Bedingungen eines Betriebes zum Mobbingopfer werden. Das ist an sich kein Grund, an sich zu zweifeln. Das sollte nicht daran hindern, sich selbstkritisch zu hinterfragen. Konstruktive und sachliche Kritik sollte ernst genommen werden.
Solche vermeiden Mobber aber meistens: Sie neigen zu vagen, undifferenzierten Vorwürfen, pauschalen Angriffen gegen die Persönlichkeit und unreflektierten Kritiken, häufig emotional, beleidigend vorgebracht oder hinter dem Rücken getuschelt.
Solche Attacken sind irrelevant und sagen mehr über den Täter aus als über das Opfer.
2. Cool bleiben, Ruhe bewahren
In der Regel ist es nicht zu empfehlen, im aufgeregten Zustand Gegenmaßnahmen zu unternehmen. Dann verhält man sich so, wie die Täter es erwarten, man wird manipulierbar und verliert die Übersicht. Ggf. ist eine längere Denkpause, durchaus über Monate angezeigt, wenn man merkt, dass Emotionen das Denkvermögen beeinträchtigen.
Empfohlen wird unser Trainingsprogramm In Ruhe und Gelassenheit.
3. Keine Rundumschläge
Wenn man nicht über ein ausgesprochenes Selbstbewusstsein verfügt, ist man doch häufig betroffen, wenn man sich als Opfer von Mobbingattacken sieht. Man neigt dann in seinem Frust leicht dazu, alle Kollegen, alle Vorgesetzte und den ganzen Betrieb über einen Kamm zu scheren.
Das ist aber in der Regel eine falsche Einschätzung. Rundumschläge treffen viele Unschuldige und vielleicht sogar Freunde. Schon hat man eine Reihe neuer Gegner. Das Ziel der Mobber ist erreicht.
Auch deshalb: Denkpausen einlegen, genau beobachten, differenziert wahrnehmen.
4. Situation analysieren
In größeren Betrieben werden sich über diese differenzierte Beobachtung schnell interessante Ergebnisse zeigen. Die Mobber haben z.B. selber Feinde, vielleicht, weil sie auch schon andere gemobbt haben. Mobber fühlen sich im engen Kreise ihrer Mitmobber oft sehr sicher. Sie schätzen die Situation deshalb häufig unkritisch ein, denken nicht nach, während das Opfer sich weiterentwickeln und in Ruhe Gegenmaßnahmen planen kann.
5. Mit eigenen Fehleinschätzungen rechnen
Eigene Fehleinschätzungen der Zusammenhänge können sich akut aus emotionaler Beeinträchtigung ergeben.
Aber auch sonst kann man sich täuschen. Nicht jeden erkennt man sofort als Feind oder Freund. Man weiß ggf. nicht, wer mit wem Beziehungen pflegt. Auch viele Hintergrundinformationen sind nicht bekannt.
Außerdem können sich Einstellungen, Beziehungen und Verhaltensmuster ändern. Es kann sein, dass sich ein ehemaliger Verbündeter unter dem Einfluss von Gruppendruck abwendet ("Der Feind schläft nicht"). Umgekehrt kann es sein, dass jemand auf die Aktivitäten des Opfers aufmerksam wird und sich als Verbündeter anbietet, möglicherweise weil er selber Opfer ist. Mancher Täter (z.B. "Herdentäter") merkt, wie er sich hat mitreißen lassen und findet die Kraft, sich von der Masse zu trennen.
6. Hilfe und Verbündete suchen
Die erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit für das Problem lässt die Chance steigen, dass man verständnisvolle Zuhörer und Helfer findet. Freunde, Kollegen, andere Opfer, Vorgesetzte und Personalvertreter können im Rahmen des Betriebes hilfreich sein. In der Regel wird man schnell merken, dass die Mobber selbst Feinde haben (sie bemerken das in ihrer Verblendung häufig nicht), mit denen man sich verbünden kann.
Außerhalb des Betriebes bieten sich professionelle Helfer an: Supervisoren, Coaches, Therapeuten, Rechtsanwälte.
7. Kompetenz erwerben, strategisch vorgehen
Krisen sind gute Motive, sich weiterzuentwickeln. Das ist die Chance des Opfers und der Nachteil der Täter, die dazu in der Regel keine Veranlassung sehen.
Das Strategische KonfliktManagement hilft, gezielt und souverän der Probleme Herr zu werden.