10/08/2022
ACHTUNG, STELLUNGNAHME!
Unser Geschäftsführer Heiki Ikkola zur bevorstehenden Wahl der/des Beigeordneten für Kultur und Tourismus am 11. August 2022 im Dresdner Stadtrat:
Vor einem Monat hat Dresden seinen Oberbürgermeister Dirk Hilbert in eine zweite Amtszeit gewählt. So gut, so absehbar. Am Ende ist dies wohl die beste Lösung für die Stadt Dresden, wenn die Zusammensetzung der Beigeordneten-Riege stimmt. Dirk Hilbert hat als Oberbürgermeister bisher stets den Ausgleich der Interessen gesucht, wirtschaftliche Prosperität und das Wohlergehen aller seiner Bürger standen bei ihm im Fokus. Mit seinem Faible für geselligen Austausch und seiner Art der Bürgernähe, ist er sicher für einen großen Teil der Dresdner und Dresdnerinnen Prototyp des Bürgermeisters schlechthin. Ich selber bin als Künstler und Kulturbotschafter zum Beispiel dankbar dafür, dass Dirk Hilbert der Städtepartnerschaft Dresden-Brazzaville einen neuen Spin gegeben hat.
Als Leiter des Societaetstheaters Dresden und als Mitglied der Cie. Freaks und Fremde, die 2015 von Ihnen den Dresdner Kunstpreis erhielt, als aufmerksamer und engagierter Bürger dieser Stadt kenne ich Dresden aus sehr verschiedenen Perspektiven und bin gespannt auf die Entwicklungen in den nächsten sieben Jahren, die viele Herausforderungen für uns bereithalten. Ein wesentlicher Richtungsweiser steht unmittelbar bevor und sorgt bereits für einigen Tumult in den Diskussionsforen: die am Donnerstag anstehende Wahl von fünf Beigeordneten im Dresdner Stadtrat, darunter die Wahl der/des Beigeordneten für Kultur und Tourismus.
Die derzeitige Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch stellt sich zur Wiederwahl, vorgeschlagen durch die Fraktion Die Linke. Die politischen Balancen lassen vermuten, dass der Ausgang der Wahlen maßgeblich von neuen Partnerschaften im Stadtrat oder vom Einvernehmen des Oberbürgermeisters abhängen wird. Mir ist natürlich klar, dass diese Wahl mit all dem nötigen politischen Ausgleich und der Suche nach der fachlich besten Lösung ein äußerst komplexes Unterfangen darstellt. Der Buschfunk und die Presse vermelden seit Tagen, dass der Oberbürgermeister die Wiederwahl von Annekatrin Klepsch als Kulturbürgermeisterin kritisch sieht und das Ressort Kultur und Tourismus beim Ausgleich der politischen Interessen und Gewichtungen geradezu als Verhandlungsmasse ins Feld geführt wird. Das ist natürlich fatal und ich möchte ein vehementes Plädoyer für Frau Klepsch einlegen. Wenn es hülfe, den Oberbürgermeister hier zum Nach- und Umdenken zu bewegen, würde ich mich ihm und dem gesamten Stadtrat buchstäblich vor die Füße werfen.
Es mag sein, dass Oberbürgermeister und Kulturbürgermeisterin oft andere Prioritäten setzen und natürlich auch andere politische Grundhaltungen vertreten. Aber möglicherweise werden die beiden gerade deshalb in der Kulturszene geradezu als Dream-Team wahrgenommen. Ja, auch wenn sich das für die beiden im Tagesgeschäft ganz anders darstellen wird. Fakt ist, dass Frau Klepsch auf moderierende Weise ein großes Verständnis für die Grundlinie der Stadtführung in die Kultureinrichtungen hineinträgt. Andersherum sehen sich die Kultureinrichtungen, die freiberuflichen Künstler und Künstlerinnen und Kulturarbeiter, die vielen Kulturvereine, die meisten privaten Veranstalter und nicht zuletzt die kunstliebenden Dresdner und Dresdnerinnen bestens durch Frau Klepsch vertreten. In ihrer Amtszeit sind die Interessen zwischen städtischer und sächsischer Kulturpolitik und -verwaltung endlich wieder in den Dialog gekommen und in Einklang gebracht worden. Hier agiert jemand kenntnisreich und ohne Demagogie (was man nicht von allen Stadtpolitikern derselben Partei behaupten kann), ausgleichend und dennoch oft hart in der Sache. Sie nimmt sich selbst weniger wichtig als die Probleme, die es zu lösen gilt. Ohne die Moderation von Frau Klepsch hätte die Kulturszene dieser Stadt in den Pandemiejahren durchaus gnadenlos zerfallen können.
Ich kann aus eigener Erfahrung nur sagen, der Oberbürgermeister, der Stadtrat, ja die Landeshauptstadt Dresden, alle können sich hier auf eine Beigeordnete verlassen, die stets loyal der gesamten Stadtführung gegenüber agiert und kommuniziert – auf dieser Basis sind interne Auseinandersetzungen und fachliche Dispute gut aufgehoben und abgefedert. Hier ist jemand Kulturbürgermeisterin mit Leib und Seele, mit fachlicher Kompetenz und ganz ohne
Skandalisierungsambitionen, zudem ist Frau Klepsch bestens vernetzt, und überregional hochgeschätzt, sei es im Deutschen Städtetag, im Bühnenverein, im Tourismusverband. Ich möchte
es ganz pathetisch sagen: Wir haben mit Herrn Hilbert wohl den derzeit bestmöglichen Oberbürgermeister - und mit Annekatrin Klepsch haben wir die beste Kulturbürgermeisterin, die diese Stadt sich wünschen kann.
Für die Beigeordneten-Wahl im Stadtrat am 11. August 2022 appelliere ich an alle Stadträte und den Oberbürgermeister: Lassen Sie nicht zu, dass Dresden nach dem vielgelobten Jörg Stüdemann im Jahre 2000 nun eine weitere fähige Kulturbürgermeister-Persönlichkeit an eine andere deutsche Großstadt verliert! Geben Sie Frau Klepsch die Chance, die gelungene Arbeit für Kultur und Tourismus fortzuführen und gemeinsam mit allen Beteiligten weiter zu gestalten! Mehr bleibt mir erstmal nicht zu sagen. Ich wünsche allen Beteiligten in den Vorgesprächen und bei der Abstimmung ein glückliches Händchen und einen kühlen Kopf.
Heiki Ikkola
Geschäftsführer und Künstlerischer Leiter des Societaetstheaters
& das gesamte Theaterteam
Foto: imago/Sven Ellger