19/05/2026
Pressemitteilung
Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD)
zu dem Terroranschlag auf das islamische Zentrum in San Diego in USA
Mit tiefer Trauer und schwerem Herzen haben wir die Nachrichten über den entsetzlichen Terroranschlag auf das islamische Zentrum in San Diego aufgenommen. Unsere Gedanken sind bei der Gemeinde, den Angehörigen der Ermordeten sowie allen Menschen, die durch dieses barbarische Hassverbrechen unermessliches Leid erfahren haben.
Den Verletzten dieses Verbrechens wünschen wir eine schnelle und vollständige Genesung sowie die Kraft, das Erlebte zu verarbeiten.
Der schreckliche Terroranschlag auf das Zentrum mit Moschee und islamischer Schule in den USA erinnert an den Terroranschlag vom 15. März 2019 in Christchurch, bei dem ein Rechtsextremist während des Freitagsgebets 51 Muslime ermordete und zahlreiche weitere verletzte.
„Der Angriff auf ein Gotteshaus ist nicht nur ein Angriff auf einzelne Menschen oder Gemeinschaften, sondern ein Angriff auf das Grundrecht, den eigenen Glauben frei und sicher ausüben zu können. Gotteshäuser müssen Orte der Einkehr, des Friedens und der Geborgenheit bleiben – unabhängig davon, welcher Religionsgemeinschaft sie angehören. Gläubige müssen sich hier jederzeit geborgen und sicher fühlen“, so Bouaissa weiter.
Mit großer Sorge beobachten wir seit Jahren eine zunehmende Zahl von Bedrohungen, und Übergriffen bis zu Anschlägen gegen muslimische Einrichtungen sowie gegen Musliminnen und Muslime selbst. Dabei werden körperliche und seelische Verletzungen von Menschen, bis hin zu ihrem Tod, billigend in Kauf genommen oder wie in diesem Fall gezielt beabsichtigt.
Die Täter fühlen sich zunehmend durch ein gesellschaftliches Klima legitimiert, das von rechtsextremen und rechtspopulistischen Kräften, aber auch durch Teile vermeintlich konservativer Politiker der etablierten Parteien, mitgetragen wird. Die fortwährende Gleichsetzung von Islam und Muslimen mit Extremismus sowie die Verbreitung des Narrativs, muslimisches Leben sei mit der hiesigen Werteordnung nicht vereinbar, haben dazu beigetragen, Ressentiments und Hass bis tief in die gesellschaftliche Mitte zu tragen.
Besonders besorgniserregend ist, dass Muslimfeindlichkeit vielerorts noch immer relativiert, marginalisiert oder gar geleugnet wird. Nicht selten werden diejenigen, die auf diese Entwicklung aufmerksam machen, selbst unter Generalverdacht gestellt und diffamiert. Dadurch wird gesellschaftliche Spaltung nicht überwunden, sondern noch weiter zementiert.
Nur dem mutigen und entschlossenen Eingreifen des Wachmanns Amin Abdallah ist es zu verdanken, dass vermutlich nicht noch weitaus mehr Menschen Opfer dieses schrecklichen Anschlags geworden sind. Sein Einsatz zum Schutz der Gläubigen sowie der Kinder und Jugendlichen der islamischen Schule verdient höchsten Respekt und Anerkennung.
Zugleich wirft diese Tat erneut die dringende Frage nach dem Schutz unserer Moscheen, Gemeinden und islamischen Einrichtungen – auch in Deutschland – vor den zunehmenden Folgen antimuslimischen Rassismus und extremistischer Gewalt auf.
„Wir fordern Politik und Gesellschaft – nicht nur in den USA, sondern ebenso hier in Deutschland – dazu auf, Muslimfeindlichkeit endlich als ernsthafte Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt anzuerkennen und ihr entschieden entgegenzutreten. Minderheiten zu schützen, Hass konsequent zu bekämpfen und ein friedliches Zusammenleben zu sichern, ist eine gesellschaftliche Verantwortung und Grundlage für unser gemeinsames Wertesystem“, so Bouaissa.
„Ein Angriff auf ein Gotteshaus ist auch immer ein Angriff auf die gesamte Gesellschaft und auf die Werte von Freiheit und Menschenwürde, die sie tragen.“ , so Bouaissa
„Bemerkenswert ist auch die im Vergleich zu vergleichbaren anderen Ereignissen sehr zurückhaltende Berichterstattung in den Leitmedien und vor allem die vollkommen ausbleibende Anteilnahme der hiesigen Politik“, stellt Aladdin Beiersdorf El Schallah fest.
„Man kann hier von -dröhnendem Schweigen- sprechen“, so Beiersdorf El Schallah weiter.
Köln, 19.05.2026