31/12/2018
Silvester – ein durchgehender Knall im Kulturvergleich
Ist es tatsächlich wieder Silvester? Der Mensch verspürt ein besonderes Bedürfnis, das Ende und somit den Beginn eines neuen Kalenderjahres zu feiern. Hingegen das Universum diese Zeitzone nicht kennt- denn die Erde dreht sich in gewohnten Bahnen weiter – jahrein, jahraus…
In Deutschland werden Böller gekauft und Milliarden in die Luft verschossen, Kinder, Köter, Katzen um Mitternacht aufgeschreckt, rühmen wir uns doch der ratio, fremdeutsch Vernunft. Es macht Spaß, soweit Teutonen Spaß empfinden, es ist erlaubt, ein unablässiges Kriterium, um frei von Fehler und Schuld agieren zu dürfen - und ganz entscheidend: der Nachbar tut`s auch! Vielleicht noch Bleigießen, gemeinsames Essen mit Bockwurst und Kartoffelsalat- und nennen das alles „Kultur“! Haben`s die alten Chinesen doch auch so gemacht: geböllert, die alten Geister vertrieben und das neue Jahr begrüßt. Und dieser stumpfsinnige Böller-Brauch wird weitergereicht, von Generation zu Generation. Dabei sprechen viele gute Gründe gegen diese Art Silvester zu begehen - ohne gleich vom Verfall der abendländischen Kultur zu sprechen.
Denn jeder halbwegs kluge Mensch auf der Welt weiß, dass es weder der Umwelt gut tut, noch die Mitgeschöpfe im Walde, aber auch die zu Hause, uns diese Qual danken – vom Geldbeutel ganz zu schweigen, da gar nichts für den Kauf der überteuerten Dreckschleuder und Krachmacher spricht.
Warum wir sowas Dummes noch immer pflegen, wird mir für immer ein Rätsel bleiben. Gute Alternativen gibt es zu genüge, da reicht ein Blick über den deutschen Zaun, rüber zu unseren Nachbarn. Wie bzw. was machen sie denn zu Silvester? Aber machen es denn andere Kulturen besser?
In Spanien ist es Brauch, neben roter Wäsche, die man -wie Italien auch- in der Neujahrsnacht trägt, um Mitternacht bei jedem Glockenschlag zwölf Trauben zu essen, damit die Wünsche für das Neue Jahr in Erfüllung gehen. Wer sich verzählt, hat Pech. Um dies zu vermeiden, gibt es in spanischen Supermärkten abgezählte Trauben in Konservendosen – kein Witz! Die Dänen & Schweden springen hingegen beim zwölften Glockenschlag einfach nur vom Stuhl. In Italien soll es zudem in Gelddingen Glück bringen, Schweinshaxe mit Linsen zu futtern.
Unsere Nachbarn, die Franzosen, gehen es viel ruhiger an: man trifft sich mit Freunden zum Essen, Champagner und Stopfleber oder Austern, halt kulinarisch auf hohen Niveau. Und in den Städten wie Paris ist die Böllerei gänzlich untersagt.
In Griechenland wird das sog. Basiliusbrot gebacken. Doch Obacht, wer dieses Brot ist, sollte wissen, dass eine Münze darin verborgen ist, der dem glücklichen Gewinner viel Glück im neuen Jahr bringen soll. Ansonsten wird recht viel gezockt, bei Karten- oder Würfelspielen zu Hause oder im Casino. Wer gewinnt, soll das ganze Jahr Glück haben – die Übrigen dürfen auf Glück in der Liebe hoffen.
In Brasilien werden Kerzen am Strand aufgestellt. Weiße Kerzen sollen Frieden, gelbe Kerzen für ein Geldsegen sorgen, was auch für die Kleidung gilt. Bei roter Kleidung kann man sich einer großen Liebe im Neuen Jahr gewiss sein. Zudem gedenken die Brasilianerinnen in einem Ritual der Meeresgöttin Yemanja, indem sie Blumen und kleine Schiffchen mit Süßigkeiten gefüllt ins Wasser lassen.
Die Bulgaren schmücken ein Ast des Kornelkirschbaums bunt. Dies „Surwatschka“ wird von den Kindern von Haus zu Haus getragen und schlagen damit die Bewohner auf den Rücken. Dabei werden Wünsche für das Neue Jahr ausgesprochen und die Kinder bekommen im Gegenzug Süßes oder Kleingeld.
Auch die Tschechien wird Blei gegossen, um einen Blick in das Neue Jahr zuwerfen. Noch älter ist aber der Brauch, einen Apfel zu halbieren und das Schicksal am Kerngehäuse abzulesen: bilden die Kerne einen Kreuz, droht Unheil. Ergeben sie eine Sternformation, dann bringt es Glück. Gegessen wird ein Linsengericht zu Mitternacht und die Hauptstadt Prag organisiert seit den 90er Jahren am Abend des Neujahres, also dem 1. Januar, ein großes Feuerwerk.
Die Russen feiern ein berauschendes zehntägiges Neujahrsfest. In der Neujahrsnacht bringt Väterchen Frost und seine Begleiterin Snegurotschka die Geschenke. Gemeinsam sitzen sie mit der Familie beim Essen und lauschen der Präsidentenrede im Fernsehen. Danach wird auf das Fest angestoßen. Die russisch-orthodoxe Kirche richtet sich nach dem Julianischen Kalender, so dass Weihnachten auf den 07. Januar und Neujahr auf den 13. Januar fällt. Ein russischer Silvesterbrauch ist hierbei besonders ungewöhnlich: sie schreiben kurz vor Neujahr einen Wunsch auf ein Blatt Papier und verbrennen es anschließend. Die Asche wird in das Glas Sekt gegeben und muß vor dem Neuen Jahr vollständig ausgetrunken werden, ansonsten geht der Wunsch nicht in Erfüllung.
Die Amerikaner essen hingegen zu Silvester gerne Linsen, da sie sich damit ein Geldsegen versprechen. In Pennsylvanias –wo früher Deutsche siedelten- gehört auch Sauerkraut zu den traditionellen Neujahrsgerichten. Zudem gibt es die Regel, dass am Neujahrstag nichts das Haus verlassen darf. Passiert dies doch, dann droht Unglück.
Die Chinesen begehen den Silvester eher ruhig, im Kreise der Familie. Ist das eigentliche Fest das chinesische Neujahrsfest nach dem Mondkalender, das dieses Jahr auf den 05. Februar 2019 fällt. Dann beginnt die größte Völkerwanderung auf unserem Planeten und alle reisen zu ihren Familien in die Heimatdörfer. Jeder Tag in den nächsten 10 Tagen im Neujahr ist streng eingeplant, wann welche Verwandten und Freunde besucht werden, wann der Jahresputz im Hause stattfindet – und welche Geschenke gemacht werden. Auch hier geht es darum, dass das nächste Jahr Glück und Reichtum verheißen soll, ganz besonders, wenn es im Tierkreiszeichen des Schweines steht!
Wenn man nun alle Kulturen anschaut, dann erkennen wir folgenden gemeinsamen Nenner:
Die Menschen verbringen Silvester niemals gerne alleine. Man trifft sich mit seinen Liebsten und bereitet ein besonderes Essen zu, damit dies auch zur Besonderheit des Abends beiträgt. Man möchte Freude und Spaß haben und hofft in seinen Ritualen die Zukunft positiv beeinflussen zu können: alle wünschen sich Glück & Reichtum.
Was das allerdings mit Böllern zu tun hat, wird mir für immer ein Rätsel bleiben. In diesem Sinne: guten Rutsch und seid nett zueinander!